Das Fanzine “Notbremse” vor dem Aus: Ein Interview mit Redakteur Thomas Koch


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Am Mittwoch wurden 96-Fans von zwei Meldungen überrascht. Eine ließ die meisten frohlocken, die andere wurde mit einiger Wehmut aufgenommen.

Die freudige betraf die Vertragsverlängerungen von Manuel Schmiedebach und von Christian Pander, die traurige las sich dann so:

“Die Redaktion hat sich entschlossen, nach fast genau 15 Jahren das Erscheinen der Notbremse mit einer letzten Ausgabe zum Heimspiel gegen Gladbach einzustellen.”

Thomas Koch ist seit langem für die “Notbremse” aktiv und möchte die Hintergründe für diesen Schritt erklären.

Thomas, nachdem bekannt wurde, dass die “Notbremse” ihren Dienst einstellt, wurde mehrheitlich sehr bedauert, dass ihr diesen Schritt macht. Wie ist es für Dich: bedauerst du auch, dass es die “Notbremse” nicht mehr geben wird oder bist du froh, dass du dich endlich nicht mehr darum kümmern musst?

Hallo Klaas, erstmal danke, dass wir hier die Möglichkeit nutzen können, deinen Lesern unseren Schritt etwas zu erklären. Die ausführliche Erklärung wird aber in unserem Heft Nummer 57 folgen. Das soll jetzt nicht unsere Auflage steigern, aber das sind wir unseren treuen Lesern schuldig.

Die komplette Redaktion der “Notbremse” bedauert diesen Schritt, denn die “Notbremse” ist für uns alle eine Herzensangelegenheit. 15 Jahre sind für ein Fanzine, auch noch in dieser Auflagenstärke, eine absolute Glanzleistung, hinter der wir uns nicht verstecken müssen. Deswegen möchten wir auch mit erhobenem Kopf die “Notbremse” beenden. Frei nach dem Motto “wenn es am schönsten ist”.

Aber deine zweite Vermutung ist ja auch nicht ganz abwegig: das Herausbringen eines Fanzines beinhaltet wesentlich mehr als einen Artikel zu schreiben. Der organisatorische Aufwand ist sehr hoch und wir machen das alles quasi ehrenamtlich und nebenher und unser aktiver Kreis ist halt sehr klein.

Bevor wir ausführlicher über die Arbeit an der Notbremse sprechen, würde ich gern von Dir wissen was die “Notbremse” aus deiner Sicht für die Fanszene in Hannover ist. Was macht die “Notbremse” zu “Europas bestem Fanzine weltweit”?

Nachdem wir im Jahre 1997 zum besten Newcomer-Fanzine gewählt wurden, gewannen wir 2001 den Fanzine-Weltpokal. Unter anderem berichtete damals auch die NOTBREMSE exklusiv. Eine besondere Auszeichnung, die auch mit einem entsprechenden Fanzine-Untertitel gewürdigt werden musste. Was die “Notbremse” auszeichnet müssten aber eher unsere treuen Leser beantworten. Festhalten möchte ich, dass sich über die Notbremse viele Freunde gefunden haben.

Für uns war es immer wichtig auch über den Tellerrand zu schauen, unseren Lesern eine besondere Ausgabe präsentieren zu können, aber auch selbst viel Spaß bei der Sache zu haben. So erinnere ich mich noch gerne an die Anfangsjahre, in der wir noch selbst Hand angelegt hatten, um das Heft zu legen und zu tackern. Andererseits ging es auch um ernste Themen: Gleich in Ausgabe 1 wurde über den Rassismus berichtet, der nunmal auch bei Hannover 96 innerhalb der Fanszene stattfand. Die damaligen “Notbremse”-Gründer wurden daraufhin sogar massiv bedroht. Und zurzeit ist das Thema ja leider wieder Aktuell.

Der  Kampf gegen rechts, ein wichtiges Thema in der “Notbremse”. Was waren denn daneben aus deiner Sicht die wichtigsten Themen in der 15-jährigen Geschichte der “Notbremse”?

In 56 Ausgaben passt natürlich eine Menge Stoff! Der gute Mix zeichnet ja ein Heft aus. Aber wenn du nach den wichtigsten Themen fragst, geht es natürlich um den Kommerz im Fußball-Geschäft. Ich denke, die gesamten Geschehnisse rund um den Stadionbau haben wir recht ausführlich begleitet: Von der anfänglichen Idee nach dem Muster Arnheim eine reine Fußball-Arena (als Konsumtempel) neu zu bauen, bis zur Forderung die Stehplätze nicht zu verbannen. Ansonsten waren wir ja nicht festgelegt und auch unsere zahlreichen Gastartikelschreiber haben durch unterschiedliche Gedankengänge das Heft enorm bereichert. Aber auch die festen Bestandteile wie die umfangreichen Interviews, das Comic “Mann & Alter”, der Mittelteil, der es bis heute noch nicht geschafft hat, die “Notbremse” von innen nach außen zu übernehmen, bis hin zu den Spielberichten aus Fansicht, machen die “Notbremse” aus.

Und das ganze immer in einem angenehm selbstironischen Ton, der in der Fanszene leider nicht sehr verbreitet ist.

Du bist schon ziemlich lange als Redakteur bei der “Notbremse”. Was hat sich seit deinem Redaktionsbeitritt bis heute verändert? (Auflage, Mitarbeiter, Umfang der Arbeit etc.)

Die Fluktation unter den Mitarbeitern ist wohl für jedes Fanzine ein Problem. Das hinzukommen neuer Fanzinekollegen ist natürlich immer eine schöne Sache: es kommen neue Ideen und Geschichten hinzu. So kommt man nicht in einen festgefahrenen Trott.

Aber es war auch nicht einfach neue Leute für die Fanzinearbeit zu gewinnen. Verlässt ein Schreiberling den Laden benötigst du quasi Ersatz. Es geht ja nicht nur um den Spielbericht der geschrieben werden muss, die Abos müssen verschickt, die Supporter persönlich beliefert und die Kontobewegungen kontrolliert werden – und und und. Früher war das natürlich irgendwie mehr Punkrock, aber auf Dauer funktioniert so ein Apparat nur geordneter, aber das bringt auch einfach mehr Organisatorisches mit sich. Und sind wir mal ehrlich: Punkrock macht schon mehr Spaß!

Unsere Auflage war in all den Jahren sehr gleichbleibend. Es pendelte sich zwischen 1.200 und 1.500 Stück ein. Zum Aufstiegsspiel gegen Cottbus haben wir uns allerdings zu sehr aus dem Fenster gelehnt und es blieb etwa die Hälfte der Ausgaben übrig. Seitdem gilt auch die goldene Notbremse-Regel, nicht unbedingt bei ausverkaufter Hütte das Heft zu verkaufen. Wir sind nicht sehr viele Verkäufer vor dem Stadion und bei dem großen Andrang wirst du einfach übersehen.

Heißt das: am Ende war der Aufwand zu groß und das ist der Hauptgrund für das Ende?

Ein JA wäre jetzt ein bisschen zu einfach. Aber es ist schon so, dass das ganze Drumherum einen etwas erdrücken kann. Wie ich anfangs schon erwähnte, ist das Team recht klein und dann überlegst du halt ob das so einfach weitergehen sollte oder ob du etwas veränderst.

Dann erklär doch bitte einmal was für die Herausgabe eines Magazins notwendig ist. Sprich: wieviel Zeit geht denn für Planung, Orga, Verkauf etc. “Pi mal Daumen” drauf?

Es geht los mit der Planung, dass heißt wir müssen erstmal einen Termin finden, an dem möglichst alle Zeit haben. Dort findet dann ein erstes Brainstorming statt: Was soll rein in die nächste Ausgabe, was ist grade so los bei Hannover 96, wann wollen wir erscheinen und wer schreibt die Spielberichte. Zwischen den Themen stoßen wir regelmäßig mit Kaltschalengetränken an. So bleibt die Meute bei Stimmung.

Danach hat jeder die Aufgabe die Ausgabe mit Inhalten zu füllen. Da arbeiten wir mittlerweile mit einem Forum.

Je näher der Ausgabetermin rückt, umso stressiger wird es. Meistens hat dann jeder noch einiges zu schreiben. Das Interview wird immer sehr kurzfristig geführt und bedarf schon danach drei ganze Abende, um den ganzen Spaß abzutippen und auszuformulieren, von der vorherigen Recherche mal abgesehen. Vom Pressesprecher wird es dann später noch abgesegnet. In der Regel mit ein, zwei unwichtigen Änderungen. Spieler wie Hanno Balitsch oder Sergio Pinto wollen aber auch selber vorher drüberlesen. Die Supporter und die Presse werden informiert, die Abholung von der Druckerei muss organisiert werden, bzw. wer bringt es dann zum Stadion. Um den Job reisst sich keiner. Wir haben die Ausgaben auch schon einmal mit dem Taxi zum Stadion fahren müssen. Du brauchst genügend Verkäufer, Wechselgeld und eine Helfer-Bierkiste.

Später werden die Supporterbeliefert, die Abos müssen eingetütet und verschickt werden. Du bist rund um eine Ausgabe schon fast zwei Wochen im Dauerstress, in der keine andere Verabredungen stattfinden, du kaum Zeit für Sport oder deine Partnerin hast. Mach das mal viele Jahre. Da brauchst du nicht nur eine Partnerin, die das toleriert, dass muss du auch mit dir selber vereinbaren. Hinzu kommen ja noch die ganzen Heim- und Auswärtsspiele.

Klingt nach viel Hingabe und nötigem Stehvermögen, das aber auch honoriert wird, denn – ich habe das anfangs angedeutet – die Reaktionen lassen sich in einem Wort zusammenfassen: “Schade!”

Gehen wir mal hypothetisch davon aus, dass sich Leute melden würden, die Lust haben mitzuarbeiten: Gebe es aus deiner Sicht noch die Chance die “Notbremse” zu retten?

Wir haben schon viele Anläufe mit Aufrufen zur Mitarbeit gestartet. Du findest heute nicht mehr viele, die ehrenamtlich ein Heft herausgeben wollen. Den ein oder andere n Gastartikelschreiber kann man mal dazugewinnen. Aber ansonsten halte ich es da so wie Rudi Völler mit seiner Frisur: er ist da Realist.

Andererseits: sage niemals nie!

Einen Funken Hoffnung kann man also noch haben. Was müsste ein frischer “Notbremse”-Mitarbeiter denn mitbringen? Es geht ja auch nicht nur um Leute die schreiben können, oder?

Viel Enthusiasmus und die Liebe zu 96.

Eine schöne, kurze Antwort. Wer sich also berufen fühlt, der meldet sich bei der “Notbremse”.

Sollte dieser Aufruf allerdings ungehört verhallen, was passiert, wenn beim Gladbach-Spiel das letzte Heft verkauft wurde und 96 die Borussia deklassiert hat: Werdet ihr bzw. wirst du an anderer Stelle Texte über 96 und seine Fans schreiben? Ich las von der Idee die Notbremse ins Internet zu verlagern. Ist da was dran?

Naja….ehrlich gesagt soll das kein Aufruf sein. Die Entscheidung ist im Team gefallen. Was passiert, wenn uns jetzt acht Leute die Bude einrennen,….ich garantiere für nichts.

Wir probieren die Ausgabe gegen Gladbach erscheinen zu lassen. Aber es kann auch ein ganz anderes Spiel werden. Die meisten von uns haben schon noch Lust in der Richtung weiterzuwerkeln. Ob es eine Art Notbremse-Blog oder so geben wird steht in den schwarz-weiß-grünen Sternen.

Ne Garantie gibt dir keiner“, aber vielleicht “ist noch nicht aller Tage…

Vielen Dank für dieses Mailinterview, Thomas. Ich wünsche viel Spaß und Erfolg bei der Fertigstellung der voraussichtlich allerletzten “Notbremse“-Ausgabe.

Interview-Podcast: Jan C. Rode über “Vorwärts nach weit”

Vorwärts nach weit: Hannover 96 – 10 Jahre 1. Bundesliga - so heißt ein neues Buch über Hannover 96. Geschrieben hat es Jan Christian Rode, der freundlicherweise für ein Interview zur Verfügung stand. Das Interview gibt es als Text und am Ende dieser Seite als Interview-Podcast.

Jan, warum braucht es ein Buch über die letzten zehn Jahre von Hannover 96?

Es ist ein großer Erfolg für Hannover 96 jetzt seit zehn Jahren am Stück in der obersten deutschen Spielklasse zu spielen und ich habe mir gedacht, dass es auch ein schönes Jubiläum für Fans ist, die seit dem Aufstieg 2002 in die 1. Bundesliga Fans von Hannover 96 sind.

Du hast dir also gesagt nach dem Aufstieg aus der 2.Liga ist das eine Marke gewesen für 96, an der sich dann auch einfach viel verändert hat. 

Ganz genau. Also ich fand es selbst spannend was sich getan hat in den letzten Jahren rund um den Verein: der Stadionausbau, welche Spieler in den letzten zehn Jahren bei 96 gespielt haben, egal auf welcher Position und ich wollte diese Erinnerungen, die ich im Laufe der vergangenen zehn Jahre als glühender Fan von Hannover 96 und natürlich auch  als Redakteur des Fanmagazins Notbremse angesammelt habe der Öffentlichkeit, den Fans und den Sympathisanten von den “Roten” zugänglich machen.

Das heißt du hast vor allem aus der eigenen Erinnerung geschrieben, aus Aufzeichnungen in der Notbremse oder wie bist du rangegangen an das Buchprojekt?

Die Idee kam mir ungefähr 2008 als ich in Wolfsburg gearbeitet habe und dort in der Geschäftsstelle zu tun hatte. Dort im Aufgang waren Mannschaftsposter des VfL Wolfsburg seitdem sie in der 1.Liga gespielt haben und  so reifte die Idee bei mir. Ich hab mich dann am Ende der erfolgreichen letzten Saison als die Roten um den Europapokaleinzug und  die Champions League Qualifikation mitgespielt haben daran gemacht das Buch zu schreiben. Natürlich hat mir mein Notbremse-Archiv mit über 50 Ausgaben sehr geholfen die Geschichten noch mal aufleben zu lassen und das dann mit meinen Erinnerungen zusammenzubringen.

Schon relativ ungewöhnlich, dass du dir ausgerechnet beim VfL Wolfsburg die Inspiration geholt hast…

(Lacht) Ja gut. Ich mag den VfL Wolfsburg jetzt natürlich nicht so sehr, weil die Roten die Nummer 1 im Norden sind und für mich natürlich auch in ganz Deutschland, aber dafür hat es sich dann gelohnt in Wolfsburg zu arbeiten und diese tolle Idee zu haben.

Das stimmt wohl. Du hast jetzt in deinem Buch wenig Statistiken. Es gibt zwar zu jeder Saison die Spieler mit den meisten Einsätzen, Karten und Toren und auch die Platzierungen, aber du hast dir immer bestimmte Geschichten ausgesucht. Was waren die Kriterien für die Auswahl der Geschichten?

Ich hab mir immer anhand der Notbremse oder anderer Medien angeschaut und in meinen Erinnerungen gekramt. Dann hab ich mir verschiedene Überschriften zusammengeschrieben und dann die Highlights ausgewählt.

Auf die Statistiken habe ich verzichtet, weil man das im Internet viel besser nachschauen kann. Mir war halt wichtig, dass das schnell rauskommt und auch noch eine gewisse Aktualität hat in dieser Saison hat.

Du hast jetzt die letzten 10 Jahre durchgeguckt und wahrscheinlich auch selber Punkte gesehen, die dich überrascht haben. Was waren denn Geschichten wo du gedacht hast: “Mensch! Das wusste ich gar nicht mehr?”

Wenn man sich den Mittelbau der 10 Jahre anschaut, dann hatten wir da eine ziemliche Stagnation. Wir haben sehr früh im Umfeld bei 96 von einem Europa League Einzug geträumt, aber das waren alles Fata Morganas.

Das hat mich schon überrascht, das man so früh auch als Fan selber schon heiß drauf war europäisch zu spielen und diese Ansprüche an das Umfeld, den Betreuerstab, die Trainer und die Spieler geäußert hat.

Das heißt: da kann der 96-Fan vielleicht auch was draus lernen?

Natürlich kann er da was draus lernen: man muss den Moment genießen. Ich denke das tun auch alle 96-Fans, auch wenn es jetzt wieder nach Belgien geht. International zu spielen ist eine tolle Sache.

“Vorwärts nach weit” ist als eBook rausgekommen. Hast du Ambitionen das Buch auch noch in gedruckter Form herauszubringen?

Die Ambition hatte ich von Anbeginn an. Ich hab auch mit verschiedenen Verlagen schon verhandelt bevor das eBook rauskam. Die Verlage hatten aber aus den unterschiedlichsten Gründen keine Kapazitäten mehr frei, um das Buch nun zu verlegen.

Um noch ins Weihnachtsgeschäft zu kommen und um den 96-Fans ein Weihnachtsgeschenk zu machen habe ich es als eBook rausgebracht. Nach Erscheinen habe ich aber sofort über Twitter, per Mail und im Fanmagazin Anfragen bekommen und ich arbeite aktuell an einer Buchveröffentlichung – vielleicht mit Sponsoren von Hannover 96.

Besonders auffällig ist der Titel des Buches: “Vorwärts nach weit”. Das kennen vielleicht einige auch außerhalb Hannovers, weil dieser Spruch auf einem großen Banner in der Nordkurve im Niedersachsenstadion hing als es Richtung Europapokal ging. Aber warum ist dieser Titel in Hannover so verbreitet und warum hast du ihn dann gewählt für dein Buch?

“Vorwärts nach weit” ist eine sehr schöne Überschrift, die aus der Fanszene kam und dieses tolle Plakat wollte ich mit der Verwendung ehren. Es beschreibt auch den Weg den Hannover 96 in den letzten zehn Jahren beschritten hat vom Aufsteiger über die graue Maus bis zum ambitionierten Verein, der jetzt wirklich in der europäischen Spitzenklasse mitspielt.

Darüber hinaus wurde der Spruch auch vom Dada-Künstler Kurt Schwitters geprägt in einer verqueren Übersetzung von Hannover. Wenn man Hannover rückwärts liest, dann kommt da “Reh von nah” raus und davon hat Schwitters “Vorwärts nach weit” abgeleitet.

Es ist also ein typisch hannöverscher Ausspruch.

Ein typisch hannöverscher Ausspruch bei dem Sport und Kultur zusammen kommen. Fantastisch. 

Zum Abschluss noch ein kurzer Ausblick von dir: 96 spielt aktuell international und in der Bundesliga liegt das Team auf Platz 7. Was glaubst du: was ist für die Roten in der Rückrunde noch drin?

Leider gibt es bei 96 aktuell große Verletzungssorgen. 7 Spieler sind verletzt oder beim Afrika-Cup. Als Fan muss man also Geduld haben.

Ich vermute, dass in den nächsten Wochen die Priorität auf den Europapokal gelegt wird und wenn die Verletzten zurückkommen, dann kann auch in der Liga wieder angegriffen werden.

Hast du dann noch einen Plan das Buch nach dieser Saison fortzusetzen?

Wenn die Printauflage kommt, dann werde ich den Text aktualisieren. Bisher endet das Buch kurz nach Saisonstart. Ich denke mit der Fortentwicklung des eBook-Marktes ist es auch immer wieder möglich, dass man da Updates macht.

Dabei wünschen wir dir viel Erfolg bei deinem Buchprojekt und bedanken uns für das Gespräch.

Dankeschön.

Das Buch “Vorwärts nach weit” von Jan Christian Rode könnt ihr aktuell online bestellen.  Nicht nur wegen der Texte absolut lesenswert, sondern auch wegen der gute gewählten Bilder.

Alle Infos zu Autor und Vetriebswegen findet ihr auf der-medienlotse.de.

*Wer über die Links zu Amazon bestellt unterstützt ReesesSportkultur.de mit einer Provision vom Online Buchhändler. Vielen Dank.

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Zeuge Hannovas: Rückrundenvorschau 2012

Die Bundesliga startet in die Rückrunde und es erwarten alle Fans unglaubliche Anspannung, vielleicht sogar Angst, weil nicht klar ist wohin der Weg geht.

Zum Glück kann man per Webcam die Kröpcke-Uhr im Stadtzentrum Hannovers beobachten. Mit geübtem Auge kann so die Zukunft des wohl sympathischsten Fußballclub aus der schönsten Stadt der Welt zweifelsfrei vorausgesagt werden:

Januar 2012

Nachdem die Roten gegen Hoffenheim verletzungsbedingt nur mit acht Feldspielern antreten können (die Spielberechtigung für “Mille” Gorgas trifft zu spät ein), reicht es in Sinsheim nur zu einem 1:1-Unentschieden. Den Treffer zum Ausgleich in der 88. Minute erzielt Markus Miller. Samuel Radlinger tritt die entscheidende Ecke.

Das folgende Heimspiel kann dann gewonnen werden. Zu zehnt siegt 96 knapp mit 1:0. Hanno Balitsch trifft und lässt sich vor der Nordkurve feiern.

Auch Dieter Hecking ballt kurz die Faust. Setzt dann aber schnell den Grinch-Blick auf.

Februar 2012

18.096 Hannoveraner begleiten ihren Verein in die Hauptstadt. Bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich gefrieren ihnen die Literbecher mit Bier. Die Berliner sind noch immer böse auf 96, weil die Champions League nach einem 0:0 im letzten Spiel der Saison 2004/2005 zwischen beiden Teams verpasst wurde. Menno.

Altin Lala in Galaform sorgt im Alleingang für den ungefährdeten Auswärtssieg.

Bei Mainz 05 kommen zum Heimspiel gegen den Fünftplatzierten aus Hannover 34.034 Zuschauer – mehr als doppelt so viele wie bei der Qualifikation zur Europa League gegen Gaz Metan Medias. Obwohl die Gastgeber nach einem Abseitstor gewinnen, springt Thomas Tuchel zunächst im Karree, dann im Dreieck und anschließend im Carré. Erst kurz vor Weiberfastnacht kann er wieder eingefangen werden.

An Weiberfastnacht spielt 96 – im Gegensatz zu Mainz – im Europapokal. Christoph Daum kommt mit dem FC Brügge nach Hannover. Daum war beim Spiel in Berlin und lässt mit absolut reinem Gewissen zwei Mann gegen Altin Lala Manndeckung spielen. Der Albaner genießt die Aufmerksamkeit auf der Ersatzbank. Für die Roten trifft Schlaudraff dreifach. Alle Tore werden zum “Tor des Monats” nominiert. Der Stürmer schafft es so nach Günther Netzer und Karl-Heinz Rummenigge als dritter Spieler zwei Mal in Folge das “Tor des Jahres” zu erzielen.

Nach dem ungefährdeten Heimsieg gegen den VfB Stuttgart (5:0) bietet sich Fredi Bobic prophylaktisch an, um wieder als Kolumnist für die “Neue Presse” zu schreiben. Die NP lehnt ab und investiert lieber endlich in die Fortbildung der Sportjournalisten. Nach dem Auswärtssieg in Brügge (0:2) meint Christoph Daum, dass er sich durchaus vorstellen könne Nachfolger von Mirko Slomka zu werden. Die Presseleute halten es für einen Witz und brechen in schallendes Gelächter aus. Daum blickt irritiert mit weit aufgerissenen Augen durch den Pressesaal. Sein Frau verteilt Hanuta.

März 2012

Gegen Augsburg endet das Heimspiel torlos. Steven Cherundolo bestreitet sein 366. Spiel für Hannover und überholt Karsten Surmann.

Danach müssen die Roten wieder nach Lüttich. Dieses Mal müssen die Fans sich nur mit Radlerhosen, Plastiksandalen und Unterhemden bekleidet in verdunkelten Bussen im Schrittempo ab der deutsch-belgischen Grenze auf den Weg zum Stadion machen. Den Weg in den Block beschleunigen gezielte Salven aus dem Wasserwerfer. Zum Glück trocknen die Radlerhosen schnell. Während des kompletten Spiels kreisen ein halbes Dutzend Hubschrauber über dem Stadion. Fangesänge oder der Kommentator können die zwölf Millionen Zuschauer in Deutschland nicht hören. Nur beim Torjubel von Lars Stindl sind die mitgereisten 96er lautstark zu vernehmen. Die Hymne von Standard wird erneut adoptiert.

In Bremen treffen Ya Konan und Abdellaoue doppelt. Auf der Tribüne wird gefilmt wie Joachim Löw den Namen Wiese aus einer Liste streicht.

Im Rückspiel gegen Lüttich reicht ein Pinto-Hammer zum Weiterkommen. Das Niedersachsenstadion explodiert förmlich nach dem Tor und selbst die Belgier erheben sich zu Standing Ovations als Carlitos und Leon Andreasen kurz vor Schluss eingewechselt werden.

Gegen den 1.FC Köln reicht eine schlechte Leistung zu einem 4:0-Sieg. Lukas Podolski steht noch lange nach Abpfiff im Innenraum, genießt die Stimmung und sagt ins Mikrofon, dass er in der kommenden Saison lieber in rot als in blau spielen möchte. Didier und er fachsimpeln noch lange über richtiges Fahnenschwenken.

Danach geht es für Hannover 96 zum Spitzenspiel nach München. Jérôme Agyenim Boateng spielt die kompletten 90 Minuten mit auf den Rücken gebundenen Armen. Bayern wirkt deutlich ausgeruhter – schließlich haben die Münchner keine internationalen Spiele mehr zu bestreiten. 37 Bälle muss Ron-Robert Zieler parieren. Auf der Tribüne wird Joachim Löw dabei gefilmt wie er immer wieder Herzen um den Namen Zieler malt. Nach dem Spiel entschuldigt sich Uli Hoeneß mit einem Dutzend Würstchen-Burger bei Sergio Pinto. Dazu bietet er ihm einen gut dotierten Vetrag als “Aggressive Leader” an. Der Portugiese lehnt ab: „Die Arena an sich ist nicht gerade wunderschön. Ist ja keine Stimmung, ist ja Oper.“

Im Viertelfinale der Europa League geht es für die Roten überraschend nach Belgien. Die Fans von Hannover 96 müssen zu Fuß über abgesperrte, beleuchtete Autobahnen einzeln in einem Abstand von 25 Metern bis zum Stadion laufen. In Anderlecht unterliegt 96 sang und klanglos 3:0. Die völlig ausgepumpten Anhänger, die im Gästeblock auf den Stufen liegen lähmen das Spiel der empathischen Roten. Auf dem Rückweg darf immerhin in Zweierreihen gegangen werden.

Das Heimspiel gegen Gladbach gewinnt 96 3:2. Sobiech trifft doppelt für Hannover, Haggui für Gladbach.

April 2012

Das Rückspiel gegen Anderlecht endet 3:0 für 96. Nach sechs Schützen siegt Hannover im Elfmeterschießen.

Das Topspiel in der Bundesliga steigt danach in Gelsenkirchen. Das Spiel geht als “Schande auf Schalke” in die Annalen ein. Beide Teams haben keinen Bock nach dem anstrengenden Einzug ins Halbfinale der Europa League. Pogatetz stellt einen neuen Rekord mit 278 Ballkontakten in einem Spiel auf.

Am folgenden Mittwoch empfängt 96 den VfL Wolfsburg. Die 112 Zuschauer aus Gifhorn und Umgebung genießen die Sonne im sonst ausverkauften Rund. Felix Magath verwechselt wiederholt die Namen beim Einwechseln und hat am Ende sechs Stürmer und keinen Torwart auf dem Feld. 96 feiert den höchsten Sieg in seiner Bundesligageschichte.

Danach muss Hannover zum kleinen hsv. Weil die Namensvettern aus Hamburg nach dem 1:0 auch auf einem Qualifikationsplatz für die Europa League stehen singen die Besucher noch drei Stunden gemeinsam in der Arena der tausend Namen. Hannover hat sich schließlich trotz Niederlage das erste Mal für die Champions League qualifiziert. Erst als der letzte Schluck Bier die Leitungen verlassen und Lotto King Karl die Stimme verloren hat gehen im Volkspark die Lichter aus.

Im Halbfinale begrüßt Hannover 35.000 Fans aus Manchester. Gut 32.000 schauen das Spiel friedlich auf dem Opernplatz. Nach der verdienten Niederlage ziehen die United-Fans erst friedlich saufend durch die Altstadt und zerlegen erst auf dem Heimweg ein Städtchen in der Nähe von Peine-Ost.

Als am folgenden Wochenende der SC Freiburg nach Hannover reist finden die Breisgauer im Gästeblock viele Manchester Fans, die ihre Reise verlängert haben, um mal günstig Fußball zu gucken. Sie erleben ein  dürftiges 0:1. Jan Rosenthal macht in der alten Heimat sein zehntes Saisontor. Eine Heimkehr an die Leine ist für den Jungnationalspieler denkbar. Sein Zimmernachbar bei der Nationalelf, Jan Schlaudraff, hat ihm zu einem Wechsel geraten. In der Champions League braucht  der Verein neben Pinto und Schmiedebach, der seinen Vertrag bis 2016 verlängert, noch einen torgefährlichen Mittelfeldspieler.

Nach dem denkwürdigen 3:3 in Old Trafford lässt Slomka in Leverkusen die zweite Reihe ran. Royer und Avevor markieren ihre ersten Bundesligatreffer. Steven Cherundolo darf auch wieder ran. Spielt zum 372. Mal für 96 und hat somit die drittmeisten Spiele aller Eingesetzten in der Vereinsgeschichte bestritten. USA-Rufe bis weit nach Mitternacht. Leverkusens Trainer Markus Babbel möchte den Vertrag mit Michael Ballack dennoch verlängern. Beide besiegeln den Vertragsabschluss mit einem gemeinsamen Besuch im Tattoo-Studio.

Mai 2012

Gegen Kaiserslautern geht die Generalprobe für Bukarest so richtig in die Hose. Die Lauterer sind aufgedreht wie nie, weil Olaf Marschall vor Spielbeginn seine letzten Nasenpflaster in der Kabine verteilt hat. Lautern hält die Klasse. Halb Hannover nichts mehr in der Stadt.

Urheber Andrei Stroe

In Bukarest sind wieder Männer aus Manchester. Diesmal in babyblau. Das Ergebnis wird hier nicht verraten. Etwas Spannung muss ja bleiben…

Auf eine schöne Rückrunde 2012!