Feierabendfussballer in der Bundesliga – Eine Fußballdokumentation über Darmstadt 98

Man stelle sich vor, dass ein Verein ohne großen Sponsoren oder Mäzen im Hintergrund in die 1.Bundesliga aufsteigt. Heutzutage undenkbar und auch schon 1978 eine Sensation. Darmstadt 98 stieg damals völlig überraschend als Zweitligameister in die höchste deutsche Spielklasse auf und die Spieler und Trainer waren noch nicht mal Vollprofis. Sie arbeiteten als Lehrer oder Verwaltungsangestellte und sorgten als Halbtagsprofis für Aufsehen.

Wohl auch deshalb begleitete der ZDF Sport-Spiegel, eine leider abgesetzte Sendung mit langen Reportagen und Hintergrundberichten, die Lilien, um zu schauen, ob das Modell Feierabendfußballer im Profifußball funktionieren kann.

Seit einigen Tagen ist diese Langzeitreportage jetzt bei YouTube zu sehen und nimmt den Zuschauer mit in eine Zeit, als Blaskapellen in der Halbzeit spielten, als noch auf Schnee und Eis gespielt wurde und die Werbespots noch vom Stadionsprecher durchgesagt wurden:

Das Cabaret Las Vegas hat renoviert. Ein neues Superprogramm für sie. Kommen, sehen und entspannen sie heute Abend.

Neben diesen Skurrilitäten ist auch die Verpflichtung von Cha Bum-Kun ein Highlight des Films. Cha absolviert, nachdem er über Bangkok “mittels einer Lichtensteiner Werbeagentur eingeflogen” wurde nur ein Spiel für Darmstadt. Nachfragen, ob die Verpflichtung des Südkoreaners die Abkehr vom Halbprofi seien, werden  abgeschmettert. Schließlich sei Cha ja Schüler. Er lerne ja deutsch.

Ein Radio DJ & die Hillsborough-Katastrophe

John Peel gilt in Fachkreisen als der beste Radio DJ der Welt. Über Jahrzehnte brachte er den Hörern der BBC seine Lieblingssongs näher: von Metal bis Folk, von Techno bis Rock. John Peels umfangreiches Musikarchiv, das aus über 26.000 Alben, 40.000 Singles und unzähligen CDs besteht, soll langfristig komplett online verfügbar gemacht werden. Unter TheSpace.org landet man also in Peels altem Plattenzimmer und kann sich durch Berge von Musik und Videos klicken. Das lohnt sich für jeden Musikfan.

Aber auch Fußballfans sollten den Weg in Peels Büro suchen, denn aufmerksame Beobachter werden in der Mitte des Bildschirms ein kleines Trikot sehen. Es ist wohl ein Trikot des FC Liverpool, Peels Lieblingsverein. Wer darauf klickt bekommt einen Film zu sehen, den der Fußballbegeisterte selbst gedreht hat, nachdem in Sheffield bei der Hillsborough-Katastrophe 96 Menschen starben.

Die Bilder aus dem Stadion, das Blumenmeer auf dem Rasen und die Trikots über den Wellenbrechern der Tribünen des Anfield Stadions lösen Gänsehaut aus. Machen betroffen. Dazu der Kommentar des Radio Moderators, der sich wunderte, dass er so traurig über den Tod von Menschen war, die er gar nicht kannte. Erst nach dem Besuch im Stadion konnte er die Katastrophe verarbeiten.

 

Begegnung mit der spanischen Presse: Feind Diego?

Ein Interview mit einem spanischen Reporter zum Spiel Hannover 96 – Atlético Madrid hat komische Züge, wenn der eine nicht spanisch und der andere nicht deutsch spricht. Man ist gezwungen sich durch das englische Fußballvokabular zu manövrieren und versucht über Telefon das Frage-Antwort-Spiel mit Sinn zu füllen.

Was dabei rauskommt, kann man in der heutigen Ausgabe der “AS” nachlesen: Diego, enemigo número uno para el Hannover

Für die, die der spanischen Sprache so wenig mächtig sind wie ich, hat sich Axel die Mühe gemacht und übersetzt:

Diego, der Feind Nummer Eins bei Hannover

Hannovers Fans  stempeln ihn seit seiner Ära bei Werder als Schauspieler ab.

Die Fans von Hannover haben noch eine Rechnung mit Diego offen und werden versuchen, ihn mit (Schmäh-)Gesängen zu verunsichern, wenn Atlético im Rückspiel am kommenden Donnerstag spielt. Die deutschen Fans hat immer noch einen Groll auf ihn, seit seiner Werder- und Wolfsburg-Zeit und werfen ihm Schauspielerei vor.

`Diego hat seine eigene story mit Hannover. Wir Fans sehen in ihm einen Spieler, der schnell (in den Rasen) fällt und sich permanent beim Schiri beschwert. Er ist eine nicht-erwünschte-Person in der AWD Arena, erklärt Klaas Reese, Mitglied bei 96Kölsch, ein wichtiger (Hannover-)Fanclub, der in Köln sitzt.

“Vom Anpfiff an, werden wir den Fokus darauf legen, das Team anzufeuern. Sollte aber Diego an den Ball kommen oder irgendeine polemische Aktion starten, kann sich das ganz schnell ändern. Wir wissen natürlich, dass Diego ein Weltklassefussballer ist , man muss ja nur sehen, wie er Atlético geholfen hat, als er eingewechselt wurde, aber wir wünschen uns, dass er hier schlecht spielt”, sagt Klaas, dessen Fanclub beim Hinspiel vor Ort war. “Das 2-1 durch Salvio war natürlich schade für uns aber das Ergebnis ist es nicht. Ich hoffe, dass wir 2-0 gewinnen werden und das erste Tor früh fällt. Wir haben einen grossartigen Trainer, ein Riesen-Publikum und ein Super-Team. Wir sehen es als durchaus realistisch an, dass wir weiterkommen.´

In bekannten Stadien, wie von Lazio und Besiktas, konnte Atlétcio bestehen und ist weitergekommen, am kommenden Donnerstag spielen sie in der AWD Arena (Fassungsvermögen: 49.000 Zuschauer) in einer hitzigen Atmosphäre.

´An Ligaspieltagen füllt sich das Stadion auch, aber an Europapokal-Spieltagen ist es noch spektakulärer. Sevilla und Brügge haben es bereits mitbekommen und sind ausgeschieden. In Ligaspielen sorgt die CURVA NORTE (Nordkurve) für Stimmung, an Europapokalspielen rockt´ das gesamte Stadion.´, erklärt Klaas.

In 7 spielen hat er viermal getroffen.

Diego hat insgesamt 7 mal gegen Hannover gespielt (5x mit Werder, zweimal mit Wolfsburg), er hat fünfmal gewonnen, zweimal verloren. Darüberhinaus gab er 4 tödliche Pässe und hat selber 4 geschossen. Im Hinspiel hat er keines erzielt, hatte aber sein Comeback.

Interessant was beim AS-Reporter angekommen ist. Ich hab zwar davon erzählt, dass Diego in Hannover nie den besten Ruf hatte. Dass er aber “Feind Nummer 1″ ist, das ist dann wohl die spanische Überzeichnung von Aussagen vor der ich schon vor dem Interview gewarnt wurde.

Schade, dass er den Hinweis auf Diegos letzten Auftritt in Hannover nicht aufgenommen hat. War doch zu schön damals:

Dass auch die Madrilenen eine gespaltene Meinung von Diegos Leistungen haben, zeigen die Kommentare unter dem Artikel, die den brasilianischen Mittelfeldspieler wahlweise als wertvoll oder als Versager ansehen.