Linkschau IX: Wildmoser, Respekt und ein “Henry-Elfmeter” bei der U19

Am Morgen des 28. Juli 2010 starb Karl-Heinz Wildmoser im Klinikum rechts der Isar, in welchem ihm nach einem Schwächeanfall 12 Tage zuvor ein gutartiger Gehirntumor entfernt wurde. Todesursache war nach Angaben der Klinik ein Herzstillstand infolge einer massiven Lungenembolie.

Wildmoser wird sicherlich als bärbeißiger 1860-Präsident in Erinnerung bleiben, dessen Wirken eng mit Auf- und Abstieg der 60er in Verbindung steht.

Als nimmermüder Klinkenputzer und Geschäftemacher hat er den Löwen im Schatten der großen Bayern alles besorgt, was sie brauchten: Sponsoren, Trainer, Spieler, sogar den ein oder anderen Star. Der Erfolg: zwei Aufstiege, zehn Jahre Bundesliga, Jugendarbeit vom Feinsten. [...] Auf der anderen Seite ist seine Amtsführung von damals auch einer der Gründe für die 1860-Probleme von heute. Wildmoser herrschte immer ohne den Blick für die Frage, wie 1860 ohne ihn funktionieren könnte. Und 1860 hat unter ihm seine Identität als Giesinger Arbeiterverein verloren.

Dieser Text stammt aus einem Portrait der Süddeutschen Zeitung aus dem Mai 2010. Es gibt tiefe Einblicke in das Leben des Münchners, der sich zum Ende seines Lebens von vielen enttäuscht sah.

* * *

Die Katastrophe von Duisburg bewegt die Menschen vor allem im Ruhrgebiet. Torsten Wieland vom Königsblog zieht seine eigenen Schlüsse aus der Katastrophe und überlegt, wo er Ordnern begegnet: im oder am Fußballstadion.

Für die Zukunft ruft er deshalb zu einem besseren Verhalten der Stadionbesucher auf:

Wenn also demnächst im Stadion mal wieder ein Ordner im Weg steht, einfach mal Danke sagen.

So soll es sein.

Im selben Blog gab es dann aber gestern Grund zur Freude. Schließlich trägt ein Spanier nächste Saison königsblau:

Was für ein Brimborium und dann so ein schlechter Sound. Nun ja.

* * *

Ein anderer, der Grund zur Freude hatte, war Ezequiel Calvente. Der Landsmann von Raul hat bei der U19 EM gegen Italien einen Elfmeter der besonderen Art verwandelt:

Sieht mir ein bisschen so aus wie die Perfektion eine Thierry Henry Tricks:

Über Thierry Henrys Wechsel nach New York habe ich schon geschrieben. Natürlich muss der Franzose jetzt auch Öffentlichkeitsarbeit betreiben, was nicht immer ganz einfach ist.Das vielleicht schlechteste Interview aller Zeiten (gefunden bei MajorLeagueSoccerTalk.com):

Linkschau VIII: Gedenken, Doping & ein Torjubel

Nach der Tragödie in Duisburg ist vor allem im Ruhrgebiet der Fußball zur reinen Nebensache geworden. Die Bilder wie sie unter anderem in der Spiegel TV Reportage zu sehen sind, haben jeden berührt. Auch die Fußballfreunde des MSV Duisburg und des VfL Bochum sind geschockt. Morgen spielen beide Vereine gegeneinander und die Fans der Clubs haben sich zu einem gemeinsamen Trauermarsch verabredet. So soll ein Zeichen gesetzt werden, um den Opfern zu gedenken. Zum Gedenken wird es auch eine Schweigeminute geben und die Fußballer laufen mit Trauerflor auf. Zum Andenken wird auch auf ein Rahmenprogramm und Musik verzichtet. Es soll ein “Stilles Spiel” werden.

Darüber hinaus haben der MSV und Schalke 04 beschlossen ein Benefizspiel zu Gunsten der Hinterbliebenen der Opfer der Loveparade zu veranstalten.

Hier zeigt der Fußball, dass er in der Lage ist positive Zeichen zu setzen.

* * *

Leider hat der Fußball nicht nur schöne Seiten. Der Wettskandal zum Beispiel ist noch recht präsent – wird aber  sicherlich noch weiter für Schlagzeilen sorgen, wie die gestrige Meldung vom verschobenen kroatischen Pokalfinale 2009 zeigt.

Was in Deutschland im November 2009 los war, als erneut Meldungen von verschobenen Spielen aufkamen, kann man sich noch einmal mit dem Podcast der Sendung “hr2-der Tag” ins Gedächtnis rufen. Unter dem Titel “Wettskandal und Weltwirtschaft – Zocken um die Zukunft” wurde der Status Quo im letzten Jahr beleuchtet.

In einem anderen Podcast wird ein zweites Thema behandelt, das Fußballfunktionäre gern unausprochen lassen: Doping im Fußball.

Kurz vor der WM hat die ARD ein Radiofeature zum Doping im Fußball veröffentlicht. Autor Lorenz Rollhäuser “Außer Kontrolle.Doping im Fußball” geht der Frage nach, warum behauptet wird, dass Doping im Fußball keinen Sinn mache. Er befasst sich ausführlich mit Eufemiano Fuentes, der – nachdem sein Beitrag zum Doping bei der Tour de France bekannt geworden war – auch mit Äußerungen für Furore sorgte, dass auch Fußballer zu seinen Kunden gehörten. Es wird die Frage gestellt, inwieweit Doping in Deutschland eine Rolle spielt bzw. spielte und was der DFB dagegen unternimmt.

Besonderes Augenmerk wird auch auf den Dopingprozess gegen Juventus Turin gerichtet. Ausgelöst durch das Statement von Zdeněk Zeman, dass der Fußball mal aus den Apotheken herauskommen müsse, mussten einige Juve-Spieler vor Gerichte aussagen. So gab auch der Weltfußballer Zinedine Zidane die Einnahme von Kreatin zu.

Ein anderer Weltfußballer ist Fabio Cannavaro, der auch für Juventus spielte und schon vorher wohl mit Doping in Berührung kam. Zum Beispiel während seiner sieben Jahre beim AC Parma. Eine erfolgreiche Zeit in der er mit dem Team 1999 den UEFA-Pokal gewann.

Vor diesem Finale griff Cannavaro selbst zur Kamera und filmte sich im Hotel bei den Vorbereitungen auf das Spiel. Es ist ein zum Behandlungszimmer umgebautes Hotelzimmer in dem Betreuer, Spieler und Teamarzt sich mit besonderem Engagement für das Spiel präparieren.

Cannavaro sagt dann während ihm der Arm abgebunden wird: “So wurden wir zugerichtet. Ich bin 25 Jahre alt, und sie machen mich fertig.” Als die Infusion dann läuft stöhnt Cannavaro: “Si, che bello! … Ancora!”  was soviel heißt wie “Ah, geil! Mehr!”

Eine ziemlich eklige Angelegenheit, die mir in diesem Maße noch nicht bekannt war von Herrn Cannavaro.

Lorenz Rollhäuser hat – unter anderem mit einem Hinweis auf dieses Video – ein äußerst gelungenes Feature veröffentlicht, was durch die WM – aus meiner Sicht – zu wenig Aufmerksamkeit erfahren hat. Deshalb empfehle ich das spannende, erschreckende und informative Radiofeature “Außer Kontrolle.Doping im Fußball“.

* * *

Bei all diesen Schauergeschichten muss an dieser Stelle natürlich auch daran erinnert werden, was den Fußball unter anderem so schön macht. Deshalb hier ein unterhaltsames Video. Islands Kicker wissen zu jubeln:

Und zum Abschluss dieser Linkschau noch der Hinweis, dass die BBC ihre Olympia-Homepage geöffnet hat. Wird ja auch Zeit. In zwei Jahren geht es in London schon los – Kinder wie die Zeit vergeht.

Linkschau VII: Galatasaray, Fenerbahce & Spike Lee

Es gibt drei große Fußballvereine in der Türkei, die sich die Gunst von zehn Millionen Istanbulern und 75 Millionen Türken teilen: Besiktas, Galatasaray und Fenerbahçe.

Obwohl Besiktas, der älteste der drei Clubs, bisweilen dazwischen funkt, ist das ganz größte Sportereignis in Istanbul das Aufeinandertreffen von Galatasaray, dem aristokratischen Club vom Westufer des Bosporus, und Fenerbahçe, dem Club der Neureichen, die, aus Anatolien stammend, auf der Ostseite mit Geschäften ihr Glück gemacht haben.

Wenn die beiden Vereine aufeinander treffen, dann sind 6.000 Polizisten zum Einsatz nötig. Wenn sie in Istanbul spielen.

Auf arte wurde in einer Serie zu großen Duellen auch die Feindschaft zwischen den Hauptstadtclubs dokumentiert. Unter anderem mit Franck Ribery, der zur Zeit der Aufnahmen für Gala spielte:

In der Reportage heißt: “Es geschehen immer unvorhersehbare Dinge.”

So auch gestern. Denn gestern trafen sich in Mönchengladbach die beiden Kontrahenten zum Testspiel.

Leider überschatten Negativmeldungen die Partie. Drei verletzte Zuschauer, sieben Festnahmen und ein Großeinsatz der Polizei sind die traurige Bilanz.

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt prangerte schwere Versäumnisse an, für die wieder einmal der Steuerzahler gerade stehen müsse. FIFA-Referee Thorsten Kinhöfer (Herne) sprach von einem “Ausnahmezustand für ein Testspiel.”

“Es standen ganz offensichtlich kommerzielle Interessen im Vordergrund. Die Veranstaltungen werden durchgeführt und bringen Geld – die Polizei kommt zum Nulltarif. Was eigentlich kein Nulltarif ist, da der Steuerzahler dafür aufkommen muss”, sagte Wendt dem Sport-Informations-Dienst (SID): “Die Polizei kann so eine Veranstaltung nicht verhindern und hat hinterher die Arschkarte gezogen. Andere verdienen den Euro, die Polizei kassiert die Prügel und bekommt die Auswirkungen zu spüren.”

Das ist alles richtig und zugleich traurig. Denn eigentlich ist es bemerkenswert, dass zu einem Freundschaftsspiel über 34.0000 Zuschauer kommen. Und nicht nur aus Deutschland. Es wird von Kennzeichen aus ganz Europa vor dem Stadion berichtet: von Polen bis Belgien, von Spanien bis Dänemark – in vielen Ländern fiebern türkische Fans mit ihren Lieblinsvereinen und nutzen die Gelegenheit wenn sie in der Sommerpause (quasi) vor der Haustür spielen.

Das “Freundschaftsspiel” hatte dann alles was auch ein Derby in der Türkei hätte: Feuer auf den Rängen, Spielunterbrechungen und auch eine unglaublich dämliche rote Karte für Selcuk Sahin, der erst die gelbe Karte bekam und dann Schiedsrichter Kinhöfer für die gelb-rote gegen das Schienbein trat:

Fenerbahce gewann also trotz 75-minütiger Unterzahl durch ein Tor von Andre Dos Santos (30.) das Spiel in Gladbach.

Ich weiß gar nicht, ob es schon Derbys in den USA gibt. Vielleicht zwischen dem CD Chivas USA und Los Angeles Galaxy – schließlich kommen sie aus einer Stadt.

Beide Vereine interessieren Regisseur Spike Lee sicherlich nur am Rande. Denn eigentlich ist sein Lieblingsverein der FC ArsenalVor allem wegen Thierry Henry. Lee und Henry sind befreundet und der Regisseur war auch bei der WM in Deutschland, um dem französischen Team die Daumen zu drücken – vergebens wie wir wissen.

Deshalb wird es Spike Lee sicherlich freuen, dass Henry jetzt seine Heimspiele in Lees Heimatstadt New York austragen wird.

Vielleicht ist der Franzose auch wegen des Regisseurs nach New York gewechselt und kommt dann auch mal vorbei und unterstützt den Trainer Spike Lee bei seiner Arbeit. Er trainiert nämlich seinen Sohn im Sara D. Roosevelt Park field in Chinatown, New York.

Dann muss Henry dann aber sicherlich neue Trikots mitbringen – die alten Dinger von Arsenal, die das Team in einem schönen schwarz-weiß Werbespot tragen darf.