Linkschau VII: Galatasaray, Fenerbahce & Spike Lee

Es gibt drei große Fußballvereine in der Türkei, die sich die Gunst von zehn Millionen Istanbulern und 75 Millionen Türken teilen: Besiktas, Galatasaray und Fenerbahçe.

Obwohl Besiktas, der älteste der drei Clubs, bisweilen dazwischen funkt, ist das ganz größte Sportereignis in Istanbul das Aufeinandertreffen von Galatasaray, dem aristokratischen Club vom Westufer des Bosporus, und Fenerbahçe, dem Club der Neureichen, die, aus Anatolien stammend, auf der Ostseite mit Geschäften ihr Glück gemacht haben.

Wenn die beiden Vereine aufeinander treffen, dann sind 6.000 Polizisten zum Einsatz nötig. Wenn sie in Istanbul spielen.

Auf arte wurde in einer Serie zu großen Duellen auch die Feindschaft zwischen den Hauptstadtclubs dokumentiert. Unter anderem mit Franck Ribery, der zur Zeit der Aufnahmen für Gala spielte:

In der Reportage heißt: „Es geschehen immer unvorhersehbare Dinge.“

So auch gestern. Denn gestern trafen sich in Mönchengladbach die beiden Kontrahenten zum Testspiel.

Leider überschatten Negativmeldungen die Partie. Drei verletzte Zuschauer, sieben Festnahmen und ein Großeinsatz der Polizei sind die traurige Bilanz.

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt prangerte schwere Versäumnisse an, für die wieder einmal der Steuerzahler gerade stehen müsse. FIFA-Referee Thorsten Kinhöfer (Herne) sprach von einem „Ausnahmezustand für ein Testspiel.“

„Es standen ganz offensichtlich kommerzielle Interessen im Vordergrund. Die Veranstaltungen werden durchgeführt und bringen Geld – die Polizei kommt zum Nulltarif. Was eigentlich kein Nulltarif ist, da der Steuerzahler dafür aufkommen muss“, sagte Wendt dem Sport-Informations-Dienst (SID): „Die Polizei kann so eine Veranstaltung nicht verhindern und hat hinterher die Arschkarte gezogen. Andere verdienen den Euro, die Polizei kassiert die Prügel und bekommt die Auswirkungen zu spüren.“

Das ist alles richtig und zugleich traurig. Denn eigentlich ist es bemerkenswert, dass zu einem Freundschaftsspiel über 34.0000 Zuschauer kommen. Und nicht nur aus Deutschland. Es wird von Kennzeichen aus ganz Europa vor dem Stadion berichtet: von Polen bis Belgien, von Spanien bis Dänemark – in vielen Ländern fiebern türkische Fans mit ihren Lieblinsvereinen und nutzen die Gelegenheit wenn sie in der Sommerpause (quasi) vor der Haustür spielen.

Das „Freundschaftsspiel“ hatte dann alles was auch ein Derby in der Türkei hätte: Feuer auf den Rängen, Spielunterbrechungen und auch eine unglaublich dämliche rote Karte für Selcuk Sahin, der erst die gelbe Karte bekam und dann Schiedsrichter Kinhöfer für die gelb-rote gegen das Schienbein trat:

Fenerbahce gewann also trotz 75-minütiger Unterzahl durch ein Tor von Andre Dos Santos (30.) das Spiel in Gladbach.

Ich weiß gar nicht, ob es schon Derbys in den USA gibt. Vielleicht zwischen dem CD Chivas USA und Los Angeles Galaxy – schließlich kommen sie aus einer Stadt.

Beide Vereine interessieren Regisseur Spike Lee sicherlich nur am Rande. Denn eigentlich ist sein Lieblingsverein der FC ArsenalVor allem wegen Thierry Henry. Lee und Henry sind befreundet und der Regisseur war auch bei der WM in Deutschland, um dem französischen Team die Daumen zu drücken – vergebens wie wir wissen.

Deshalb wird es Spike Lee sicherlich freuen, dass Henry jetzt seine Heimspiele in Lees Heimatstadt New York austragen wird.

Vielleicht ist der Franzose auch wegen des Regisseurs nach New York gewechselt und kommt dann auch mal vorbei und unterstützt den Trainer Spike Lee bei seiner Arbeit. Er trainiert nämlich seinen Sohn im Sara D. Roosevelt Park field in Chinatown, New York.

Dann muss Henry dann aber sicherlich neue Trikots mitbringen – die alten Dinger von Arsenal, die das Team in einem schönen schwarz-weiß Werbespot tragen darf.

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