Blattkritik: Sport Bild Sonderheft Bundesliga 2010/2011

Es sind noch gut gut zwei Wochen bis zum Bundesliga-Start. Deshalb werfen die Verlage jetzt ihre Sonderhefte auf den Markt, um Fußballfreunde auf die neue Saison einzustimmen.

Die Sport Bild stellt in ihrem Heft von der 1. bis zur 3. Liga alle Vereine vor und auch der Frauenfussball findet seinen Platz.

Zu Beginn ist traditionell der aufklappbare Bundesliga-Spielplan zu finden und in der Mitte des Heftes ist ein DIN-A1 Plan mit Bundesliga-Spielplan auf der Vorderseite und den Zweitligabegegnungen auf der Rückseite zum Heraustrennen. Neben dem obligatorischen Vorwort darf Karl-Heinz Körbel dann die Bundesliga tippen. Sein überraschender Tipp: Bayern wird Meister.

Zu allen Bundesligisten gibt er einen zweizeiligen Kommentar ab. Zum FC zum Beispiel:

Das Team gefällt mir nicht in seiner Zusammenstellung. Köln macht eine sehr gute Jugendarbeit, aber es kommt nichts nach oben. Stattdessen werden Spieler aus Rumänien gekauft, die keiner kennt.

(Ironiemodus: On.) Nun gut. Spieler, die keiner kennt sind ja per se schlecht – vor allem aus Rumänien. Und die FC-Profis Stephan Salger, Reinhold Yabo, Adil Chihi oder Taner Yalcin – sämtlich aus der FC-Jugend – sind nur als Feigenblatt in den Profi-Kader gekommen. (Ironiemodus: Off.) Köln wird nach Körbels Meinung übrigens 15. und steht am Ende deshalb einen Platz besser da als St. Pauli, denn…

Das Plus sind die Euphorie eines Aufsteigers und die Ruhe von Trainer Stanislawski und Manager Schulte. Unruhe gibt es nur auf dem Spielfeld, die ungestüme Spielweise wird Punkte kosten.

Das sind Sätze aus denen die Fachkompetenz nur so trieft.

Leider geht es so weiter in den Berichten der Redaktion. Allgemeinplätze zu Arjen Robben („Mann für den Ernstfall“) und Thomas Müller („Nun kommt die Reifeprüfung“) werden abgedruckt, wie auch 18 mehr oder minder interessante Fakten zu den Bundesligisten.

Interessanter sind die Interviews mit Rummenigge, Magath und Naldo und auch die Idee die besten 50 Ausländer vorzustellen ist ganz nett (Bester Israeli: David Pizanti, 19 Ligaspiele für den FC, null Tore).

Danach kommt der erste große Statistikteil. Generell scheint die Redaktion Statistiken als die Platzfüller entdeckt zu haben bzw. vermuten sie dort großes Leserinteresse.

Die Bundesligisten werden dann auf jeweils sechs Seiten vorgestellt. Wenn schon ein aktuelles Mannschaftsfoto zur Verfügung steht, wird dieses halbseitig abgebildet, dazu wird die voraussichtliche Stammformation als Graphik (ohne Ersatzspieler) angezeigt und dem Leser werden zwei Tippfelder eingeräumt: eines für den Platzierungstipp zum Ende der Halbserie, eines für die Abschlusstabellenposition.

Dazu wird mit einem Luftbild die Verkehrssituation rund um das Stadion gezeigt und Anfahrtswege werden benannt, Karten und Preise, Fan-Klubs und -Infos aufgelistet. Auf zwei Seiten gibt es dann noch Einzelportraits der Spieler. Für Neuzugänge werden noch Plätze freigehalten, die man sich dann aus den aktuellen SportBild-Ausgaben ausschneiden und einkleben kann. Und man fragt sich: Wer macht so was?

Dazu gibt es Infos über die Spieler: Spiele, Tore, Auswechslungen, Schüsse, Vorlagen, Karten und Durchschnittsnoten. Gerade Letzteres eine fragwürdige Information.

Dazu wird der Star der Mannschaft gekürt und mit drei besonderen Merkmalen belegt („Robust: verpasste als einziger Torwart keine Liga-Minute“ oder „Fleißig: Führte im Schnitt 24 Zweikämpfe pro Spiel (ein hoher Wert)“). Darüber hinaus wird die letze Saison als Fieberkurve und die kommende Saison als Spielplan angeboten. Einige Statistiken werden dann auch als Mehrzeiler aufbereitet (drittmeisten Tore nach Ecken, wenig Tore in der ersten Viertelstunde der zweiten Halbzeit etc.). Weiterhin gibt es die Platzierungen der letzten zehn Jahre, Einkäufe und Verkäufe, die „Wann fielen die Tore / die Gegentore?“ – Statistik und die „Wer schoß die Tore?“-Kuchengraphik.

Zur 2.Liga wird in einem schmalen Artikel die schwierige Situation der Absteiger beleuchtet. Mit einem Blick in die Vergangenheit ist schnell klar, dass der direkte Wiederaufstieg kein Kinderspiel ist. Bochum hat viel Erfolg beim wiederaufsteigen gehabt. Hertha hat einen unerfahrenen Trainer („Von den Tücken des Unterhauses, die manchen Bundesliga-Absteiger in einen gefährlichen Strudel rissen, hat er nur gehört.“) und keine klassischen Zweitligaspieler (außer Mijatovis). Aachen und 1860 warten jetzt schon einige Saisons. Wenig Erhellendes also.

Den Zweitligateams wird danach weniger Platz eingeräumt als den Erstligisten. Die Vereine müssen sich mit einer Doppelseite zufrieden geben. Der Kader wird mit Mannschaftsfoto und Spielerliste vorgestellt, Zu- und Abgänge werden aufgelistet, Anfahrtswege zum Stadion gezeigt und ein halbseitiger Text bespricht die Ziele und Chancen des Vereins. Dazu gibt es Statistiken en massse: Erfolge, Eingesetzte Spieler in der 2.Liga, Höchste Siege und Niederlagen, Übersicht der letzten zehn Jahre, Spielplan etc.). Dazu wird der Trainer vorgestellt und dem Leser wird auch hier wieder die Tippmöglichkeit eingeräumt.

Zum Abschluss gibt es dann wieder eine ordentliche Portion Statistiken. Vor allem das letzte Jahr wird aufgedröselt und die Ewigen Tabelle finden einen Platz

Liga 3 wird danach auf 18 Seiten (inklusive doppelseitigem Foto zu Beginn) abgefrühstückt. Es wird zwar in einem 2-Seiten-Bericht dargelegt wie schwierig das Überleben für die Vereine auf dem „Wichtigsten Spielplatz des Ostens“ ist und auch über den Wunsch der Vereine nach einer „besseren Berichterstattung“ wird geschrieben, aber danach bekommt jeder Club aber lediglich eine halbe Seite eingeräumt.

Mehr als Kader (in tabellarischer Form), Trainersteckbrief (mit Foto), Zu- und Abgänge sowie ein paar Daten zum jeweiligen Verein sind da nicht drin.

Ausführlicher wird da schon die Frauenfußballnationalmannschaft besprochen. Ein langes Interview mit Silvia Neid lässt einen Blick in die Arbeit der Bundestrainerin zu und ihre Ziele für die WM 2011 in Deutschland werden klar. Dazu gibt es Spielszenenfotos von neun Nationalspielerinnen mit ein paar Infos und die gleiche Anzahl Fußballstadien werden abgebildet als Spielstätten der WM im nächsten Jahr.

Die Frauen-Bundesliga muss dann mit zwei Seiten Vorlieb nehmen. Ein Foto der Deutschen Meisterin Fatmire Bajramaj mit Schale, Abschluss- und Ewige Tabelle, Spielplan der kommenden Saison und 15 Quadratzentimeterkästchen zu jedem Bundesligateam reichen aus Sicht der Redaktion.

Genauso viel Platz wie für den Frauenfußball gibt es für die Ergebnisse der Champions League und der Europa League 2009/10, zwei Seiten auch für 50 Abschlusstabellen aus Europas Fußball-Ligen und eine Doppelseite füllen die Gruppen für die EM-Qualifikation. Die letzten Seiten sind dann für die Rahmenterminkalender von FIFA, UEFA und DFB sowie für die Klub-WM in Abu Dhabi und für ein Foto von vier Bayern nach einem Torerfolg reserviert.

FAZIT: Erfreulich ist zunächst, dass der Preis für das Sport Bild Sonderheft stabil geblieben ist: wie im Vorjahr kostet das Magazin 4,90 €. Auf 264 Seiten werden die nötigen Inhalte eines Liga-Sonderheftes geboten. Das Layout ist klassisch und im typischen SportBild Druck mit bekannter Schrift und Farbgebung. Dazwischen finden sich (summiert) gut 20 Seiten Werbung. Bis auf drei Seiten sämtlich auf den Erstligablock aufgeteilt. Der Werbeseitenverkauf lief dieses Jahr also etwas schleppend. Das kann auch daran liegen, dass die zweite Liga (zum Teil) und die 3.Liga bzw. die Frauen-Bundesliga (um so mehr) schnell abgehandelt werden. Da vergeht einem zum Teil die Lust an der Lektüre und auch die nicht-störende – weil fehlende – Werbung kann das nicht wett machen.

Für jeden, der in knappen Berichten über die Teams informiert werden möchte und dabei nicht viele Interviews in einem Saisonheft erwartet ist das Sport Bild Sonderheft das richtige Blatt. Vor allem für Statistikfreunde lässt das Magazin keine Wünsche offen. Wer sich also während der Saison durch die SportBild gut informiert und unterhalten fühlt, wird auch am Sonderheft 2010/2011 seine Freud haben.

Wer sich an lieblosen Artikeln zu den Vereinen und eine ausgeprägte Neigung zu Allgemeinplätzen stört, der sollte auf einen Kauf verzichten.

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