Zeuge Hannovas I: Mach mir den BILDblog

Klar bin ich sauer. Seit letztem Samstag.

Da fährt man hunderte Kilometer, um sein Team endlich mal wieder spielen zu sehen. „Opfert“ Freizeit, investiert Geld und dann verliert man in Elversberg. In einem Waldstadion, dass die Besucher mit Autobahnleitplanken daran hindert auf das Spielfeld zu fallen.

Dort spielt 96 gegen eine drei Klassen niedriger spielende Mannschaft so saft-, kraft und ideenlos, dass man am Liebsten in die Leitplanke beißen möchte.

Zu allem Überfluß hat man eine solche Schmach erst ein Jahr zuvor in Trier erlebt und kann sich noch gut an die Häme und den miesen Saisonstart erinnern.

Aber man erinnert sich noch viel mehr an das, was danach geschah. Was in der Saison 2009 für viele Hannoveraner – aber auch für Fans anderer Vereine – das prägendste Fußballerlebnis 2009 war: der Tod von Robert Enke.

Und danach wurde diskutiert über das Verhalten miteinander. Sogar die Medien gelobten nach einer Art Selbstreflexion Besserung, besonders wenn es um die Benotung ging. Sogar bei der Bild:

„Aber auch das Boulevardblatt ist nach dem Enke-Tod nicht einfach so zur Tagesordnung übergegangen. Über vieles sei diskutiert worden, auch über Noten, und man sei schließlich zu dem Ergebnis gekommen, bei der Benotung so weiter zu machen wie bisher, sagt Straten. Auch in seiner Redaktion soll es zu einem etwas sensibleren Umgang mit den Zensuren kommen: „Wir werden wohl mit extremen Noten etwas vorsichtiger sein“, sagt der stellvertretende Bild-Sportchef. Man werde sich einmal mehr überlegen, „ob der Spieler, der eine klare Torchance vergeben hat, oder der Torwart, der den Ball hat durchflutschen lassen, eine Sechs bekommt oder eine Fünf reicht“.“

Da schien doch eine Redaktion ernsthaft diskutiert zu haben und sich für die Zukunft Einiges vorgenommen zu haben.

Nach dem Spiel in Elversberg las sich das dann so:

Alle 6?

Ich meine: Noten sind insgesamt ziemlich überschätzt und ich würde sie sofort aus den Sportteilen streichen, wenn ich nicht an der comunio-Nadel hängen würde – aber kann man diese Benotung durch das doch sicherlich äußerst fachkundige Bild-Personal einfach so hinnehmen? Haben die 96-Spieler alle ihr Geld nicht verdient?

Schlaudraff, Hanke, Pinto oder  Carlitos an diesem Samstag Abend sicherlich nicht. Das war nix.

Aber ein Fromlowitz zum Beispiel hält zwar keinen Elfmeter, spielt aber über 120 Minuten zu Null.
Und haben die Abwehrspieler Pogatetz und Haggui daran vielleicht auch einen Anteil?

Mir geht es gar nicht darum hier eine fünf oder vier zu erbetteln, mir geht es einfach nur um Objektivität. Und die fehlt bei der Bild auch wenn man sich die Unterschrift unter einem Bild vom Fanblock von Hannover 96 auf Bild.de anschaut:

„Aufgebrachte 96 Chaoten“. Vielleicht die richtige Bezeichnung für Leute, die verbotenes Gut im Stadion abbrennen. Im Artikel zum Bild spricht Autor Florian Krebs vom „roten Pulverfaß“, das zu explodieren droht.

Aber wie sieht das aus, wenn Leute Rauchzeichen geben und einen Sieg zu bejubeln haben? Bei Bild.de gab es am selben Pokalwochenende auch hierzu ein Bild:

Ach. Das sind dann feiernde Hamburger.

Das putzige daran ist, dass die Redakteure, die den zugehörigen Artikel geschrieben haben, dass Wort Pulverfaß auch kennen und so hat auch der Hamburger SV seins: „Pulverfass Petric

Aber wie würden die Bild-Redakteure wohl das Betragen der Anhänger von Kleanthis Vikelidis nennen? Wahrscheinlich Südeuropäisches Temperament.

Nachtrag:

Über Twitter bekam ich grad die Nachricht, dass der BILDblog sich schon Anfang Januar über die unsensible Arbeitsweise der Bild echauffierte. Auch dieses Mal ist im Text von „Ober-Versagern“ und „Pokal-Deppen“ die Rede. Ist das dann schon Wortwahl-Besserung?

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