Der nächste Gegner: Kölsche Unruhe

Ich lebe seit über zehn Jahren in Köln. Natürlich sind Spiele gegen den FC deshalb schon etwas Besonderes.  Meistens nicht aus fußballerischer Sicht, aber wie in jedem Jahr wurde die Standardwette abgeschlossen:

Welcher Verein steht am Ende des Saison höher in der Tabelle?

Im Moment hat 96 trotz zuletzt zweier Niederlagen deutlichen Vorsprung: 13 zu 5. Yes!

In Köln schrillen aufgrund der mageren Punkteausbeute die Alarmglocken. Schon vor der letzten Niederlage gegen Dortmund sorgte Lukas Podolski für den ersten Eklat als er via „Sport Bild“ die Transferpolitik des Vereins kritisierte und meinte: „Uns fehlt die klare Strategie“. Ein deutlicher Fingerzeig gegen Trainer Soldo.

Aber auch das Management bekam sein Fett weg:

„Es gibt auch Klubs, die finanziell ähnlich aufgestellt sind wie Köln oder sogar noch schlechtere Voraussetzungen haben – und es dennoch besser machen. Da ist ein Konzept und eine positive Entwicklung klar erkennbar. Bei uns wird immer nur erzählt, wie toll unsere Fans sind, wie toll unser Stadion ist.“

Ganz unrecht hat er damit meiner Meinung nach nicht. Trotzdem wollte Meier „ein ernstes Wort“ Podolski sprechen. Klar. Hätte man intern besprechen sollen. Aber so funktioniert das in Köln selten.

Dazu kam noch die Posse rund, um den kolumbianischen Torwart Mondragon, der aufgrund einer späten Rückreise vom Länderspiel im Boulevard zerrissen („hält sich für Jesus“) und vom Trainer auf die Bank gesetzt wurde.

„Unsere Außendarstellung ist zum Weglaufen“ sagte deshalb Manager Michael Meier dem Kölner „Express“. Weiter sagte Meier zum Trainer:  „Er will das immer intern halten. Dass das nach außen nicht immer optimal wirkt, sehe ich auch. Er ist halt kein Medienfuchs. Aber das Verhältnis zur Mannschaft ist intakt, es gibt keinen Grund, da jetzt die Nerven zu verlieren.“

Wohl auch aufgrund dieser Ansicht kam es bei einer Krisensitzung des FC nicht zum Äußersten (Trainerentlassung, Ultimatum, öffentliche Bestrafung von Spielern etc.), sondern lediglich zu einer Mitteilung in der zwei zentrale Aussagen getroffen wurden (Hervorhebungen durch ReesesSportkultur):

Unabhängig davon, dass wir alle mit der momentanen sportlichen Situation nicht zufrieden sind, gibt es eine Reihe von positiven Signalen, die uns zuversichtlich stimmen. Deswegen, so unser Eindruck, ist die Außenwahrnehmung eine andere als die von innen. Wir haben eine schwierige Situation zu lösen, aus der wir als Verein nur gemeinsam rauskommen.

Twitter-Userin Quarkbällchen rief dem FC zu: „Aufwachen! Das ist doch Müll“ und fügte an: „Steht der FC in deren Wahrnehmung nicht auf einem Abstiegsplatz? Ich fasse es nicht! *kopfschüttel*“.  Im Blog wurde dann noch nachgelegt:

HANDELN, FC, BEVOR ES ZU SPÄT IST!!!

Ja. So isser wohl der der durch den Boulevard beeinflusste Kölner und eben jener Boulevard hat sich mit Berichten wie „Tollhaus FC„, „Albtraum Abstieg“ , Trainerkandidaten (1,2) in Stellung gebracht und fragt gewohnt plakativ und wenig seriös: „Verarscht der FC seine Fans?“

Der bloggende Spielbeobachter hat diese Stimmung in einem Blogbeitrag schön zusammengefasst unter der Überschrift „Vom Rollen der Köpfe und dem Wüten des Pavianfelsens„. Er nennt einige Beispiele, die – ich nenne es mal – „die klassische Unruhe“ rund um den FC in den letzten Tagen beschreiben und er äußert seine Befürchtungen und deren Folgen:

Zeter und Mordio werden wohl auch die letzten Spuren von Vernunft dahinraffen, wenn am Samstag keine gute Leistung und / oder eine Niederlage gegen Hannover folgt. Dann wird vermutlich egal sein, dass der letzte Trainer, unter dem der Effzeh attraktiveren Fußball spielte, Ewald Lienen hieß (und dies auch nur eine Saison – 2000/01 – in der darauffolgenden Saison wurde Lienen zum Rückrundenstart entlassen) und dies weder Christoph John, noch Friedhelm Funkel, noch Marcel Koller, noch Huub Stevens, noch Uwe Rapolder, noch Hanspeter Latour und schon gar nicht Christoph Daum gelang. Es wird ebenso egal sein, dass in der Geschichte des 1. FC Köln nur ein Paniktrainerwechsel Erfolg brachte und das war, man mag es gar nicht schreiben, der hin zu Peter Neururer in der Saison 1995/96. In der darauffolgenden Saison allerdings wurde Neururer schon Ende September entlassen und der Verein stieg erstmalig ab. Alle anderen Trainerentlassungen haben genau das gebracht: Nichts.

Mit Blick auf den Spielplan glaube ich, dass der Trainer eher vor einer „Woche der Wahrheit“ steht (biete diese Überschrift übrigens meistbietend an!). Das Spiel in Hannover, die DFB-Pokal-Partie gegen 1860 und das Heimspiel gegen den Hamburger SV werden Gradmesser sein. Das Ausscheiden gegen 1860 könnte natürlich auch zu einem schnellen Rausschmiß führen.

Aber: hört auf die Phrasensignale (Das Spiel muss erstmal gespielt werden; ein Spiel dauert 90 Minuten; hinten kackt die Ente etc.). Der FC hat schließlich das letzte Spiel in Hannover deutlich 4 zu 1 gewonnen.

Damals war die Situation allerdings umgekehrt. 96 stand auf dem vorletzten Tabellenplatz und der FC konnte den Gegner leicht auskontern. Es war ein Desaster.

Die Kontertaktik haben die Roten in dieser Saison mehrfach erfolgreich eingesetzt. Ob das gegen den FC gelingen wird, wage ich zu bezweifeln, denn wie der Spielbeobachter im Gespräch mit das-fanmagazin.de richtig anmerkt:

„…der Effzeh wird nicht mit Mann und Maus stürmen. Gut möglich, dass Soldo Novakovic von Anfang an bringen wird und damit wieder umstellt auf zwei Stürmer, wie eigentlich vor der Saison geplant. Das dürfte es aber auch schon gewesen sein mit der verstärkten Offensive. Viel defensiver als in den vergangenen Auswärtsspielen geht allerdings auch kaum mehr.“

Und es steht zu befürchten, dass diese Defensivtaktik zu einem schwachen Bundesligaspiel führen wird – hoffentlich mit ziemlicher Sicherheit mit einem Happy End für Hannover 96.

Dann wäre das Leben in Köln um einiges entspannter und man wäre vor Sprüchen hinsichtlich des Graue-Maus-Images von 96 oder vor anderen Überheblichkeiten sicher. Trotzdem wünsche ich mir natürlich, dass der FC die Klasse hält – natürlich in gebührendem Abstand zu Hannover, damit ich meine Wetten gewinne.

P.S.: Und wenn der 1.FC dann 2011 nach Hannover kommt, dann müssen sie auch nicht mehr in gladbachesken Trikots antreten, denn immerhin hat der Verein bekannt gegeben nur noch in Rot/Weiß zu spielen. Also, liebe FC-Fans: meckern wie der Geißbock ist also okay – man muss halt nur die Ruhe bewahren. Dann kommt am Ende auch etwas Positives heraus.

Flattr this!

Veröffentlicht von

Ein Gedanke zu „Der nächste Gegner: Kölsche Unruhe“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.