Zeuge Hannovas VII: Sieg der sympathischeren Abläufe

Die Bundesligapartie gegen den 1.FC Köln kann man in vier Phasen einteilen:

  1. Auftakt nach Maß
  2. Langeweile
  3. Aufregung
  4. Nachspiel

Also der Reihe nach:

  • 1. Auftakt nach Maß

Tore in der dritten und in der fünfzehnten Minute. Tore, die selbst „Jesus“ nicht hätte verhindern können. Was für den FC wie ein Déjà Vu war, erlebten die 96-Fans als Premiere in dieser Saison.

Und Didier Ya Konan schraubte seine Quoten hoch:

  • in den letzen sechs Heimspielen hat er 8 Tore geschossen
  • für 96 hat er jetzt insgesamt 14 Bundesligatore geschossen (damit hat er mit Fredi Bobis gleichgezogen)
  • in 33 Spielen mit Ya Konan auf dem Feld holte 96 47 Punkte, in zehn Spielen ohne Ya Konan gab es NULL Punkte für die Roten

Das sind Zahlen, die sogar die überregionale Presse wahrnimmt und den Stürmer in Berichten als „Quadratisch, praktisch, gut“ oder als „Volltreffer„. In der „Bild“ wir schon wieder von Vertragsverhandlungen gefaselt. Klar ist, dass 96 diesen Stürmer unbedingt längerfristig binden sollte, aber nach dem 9.Spieltag schon wieder die ersten Befürchtungen über einen möglichen Abgang zu schüren ist unanständig.

Hannover 96 tut weiter gut daran sich an solchen öffentlichen Diskussionen nicht zu beteiligen. An dem Erreichten erfreuen und weiterarbeiten muss das Motto sein. Wie beim Spiel gegen den FC.

Aber zurück zum Spiel:

  • 2.Langeweile

Nach dem Tor freute sich fast das ganze Stadion. Nur im FC-Block wurde der Rauswurf von wahlweise Trainer und/oder Manager gefordert. Dabei übersahen die FC-Fans, dass in der zweiten Viertelstunde des Spiels auf einmal Köln die Kontrolle über das Spiel übernahm. Die Standardsituationen von Lukas Podolski waren meist recht gefährlich, nur aus dem Spiel heraus klappte wenig.

Die Schlussviertelstunde in der 1.Hälfte gehörte dann wieder den Roten, die sich gefällig durch das Mittelfeld kombinierten und auch einige gute Flankenläufe über den glänzend aufgelegten Konstantin Rausch zeigten.

Nach der Halbzeit verflachte das Spiel dann zusehends. Die Hereinnahme von Milivoje Novakovic hatte wenig Effekt. Der FC schaffte es nicht 96 unter Druck zu setzen, die „Aushilfsinnenverteidigung“ Avevor/Schulz machte weitesgehend einen guten Job und die defensiven Mittelfeldspieler Schmiedebach und Heilfleisch-Blutegel-Pinto ließen wenig Raum für einen konstruktiven Spielaufbau des Gegners. Was dann noch in den Strafraum segelte, angelte sich Torwart Fromlowitz.

Das Spiel war ziemlich langweilig und ereignisarm. Lediglich ein 30-Meter-Schuss von Lanig, ein Versuch von Lukas Podolski und ein Hammer mit links von „Kocka“ Rausch durchbrachen die allgemeine Lethargie.

  • 3. Aufregung

Die kam auf als Martin Lanig auf einmal sein erstes Pflichtspieltor für den FC erzielte. Novakovic hatte einen lichten Moment und der Ex-Stuttgarter/-Fürther übertölpelte die 96-Abwehr.

Danach war dann Schluss mit Lethargie und Langeweile. Der FC holte die vielzitierte Brechstange heraus und in den letzten Minuten drohte 96 noch einmal die Führung zu verspielen.

Zum Glück für die Roten passierte dann nichts mehr. Hannover liegt mit 16 Punkten auf dem 3.Tabellenplatz. Und das mit einer Tordifferenz von 13 zu 12. Natürlich muss das Team in Zukunft fußballerisch noch mehr zeigen. Die Gegner werden sich nicht alle so kampflos ihrem Schicksal ergeben wie der 1.FC Köln. Aber auf der anderen Seite wird auch nicht jede Woche die komplette Innenverteidigung ausfallen. Dieses Team kann selbst in Hoffenheim punkten, wenn am kommenden Sonntag die Spitzenspiele Mainz gegen Dortmund (Erster gegen Zweiter) und Hoffenheim gegen Hannover (Vierter gegen Dritter) den 10.Spieltag beschließen werden.

Da kann man sich an dieser Stelle auch einfach mal bedanken bei Spielern und Verantwortlichen, die im Moment soviel Freude bereiten.

  • 4. Nachspiel

Weniger Freude haben die Kölner. Die bereits besprochene Unruhe wandelte sich in Hysterie. Was gestern rund um das Geißbockheim passierte, gipfelte in der verfrühten Meldung, dass Soldo entlassen worden ist. Nachdem Manager Meier diese Falschmeldung beim Trainer noch richtig stellte, entließ er ihn später dann doch noch per Telefon. Soldo, der in seinem Hotel schon auf gepackten Koffern gesessen hat, nahm die Entscheidung gewohnt gelassen hin. Er war vielen in Köln wohl zu gelassen, zu spröde, zu wenig „Medienfuchs“. Da half es dem Kroaten auch wenig, dass Präsident Wolfgang Overath ihn als „guten Trainer“ und „feinen Menschen“ bezeichnete.

Zu groß war die Angst vor einem Ausscheiden im DFB-Pokal gegen 1860 München. Zu groß die Befürchtungen, dass die allgemeine Unruhe in Hysterie umschlagen könnte.

Die Mannschaft wird deshalb von Frank Schäfer betreut. seit 1982 im Verein, zuletzt Trainer der U23, die er in den letzten beiden Jahren auf Platz 3 bzw. 4 in der Regionalliga führte.

Ein sichtlich gezeichneter Overath erklärt die Wahl mit den Worten:

„Die Verpflichtung eines großen Trainers wäre doch Panik gewesen. Und vielleicht bleibt Schaefer ja auch.“

Bei diesen Sätzen kann einem als FC-Fan eigentlich nur Angst und Bange werden. Man wirft Schäfer einfach mal rein und hofft auf ein Happy End. Wenn man dann gegen 1860 und/oder den HSV verliert ist dann wenigstens nicht die Vereinsführung schuld. Man hat schließlich reagiert und der Zuschauer wird seinen Ärger auf die Mannschaft projizieren.

So scheint zumindest das Kalkül der Verantwortlichen. Wenn Schäfer dann auch kein Glück mit diesem zusammengewürfelten Kader hat, dann wird man sich nach einem „großen Trainer“ umschauen.

Aus Sicht eines 96-Anhängers kann man da nur sagen: man gut, dass die Mannschaft vor der Saison gegen Elversberg auf ganzer Linie versagt hat und daraus die richtigen Lehren gezogen wurden.

Seine ganz eigenen Lehren aus dem Trubel rund um den eigenen Club überlegte sich ein FC-Fan in der Bahn in Köln nach dem Spiel am Samstag. Mit Blick auf ein 96-Shirt sagte er:

Vielleischt sollte isch auch lever Sechsenneunzisch-Fan sein. Dat läuft doch irjendwie allet sympathischer ab da.

Das ist zwar so zu unterschreiben – aber deswegen gleich den Verein wechseln? Das sollte schwieriger sein als ein Trainerwechsel.

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