Der nächste Gegner: Die Stinkraichgauer

Neulich im Abendprogramm der ARD: ein Kandidat auf Jauchs Fragestuhl arbeitet sich mühsam durch die Multiple-Choice-Show. Ich fands recht amüsant, als er bei RTLs „Wer wird Millionär“ recht abfällig von den Hoffenheimern als Stinkraichgauern sprach (ab 2:26 der Auftritt / Zitat bei 3:33):

Der Mann – Nachname bezeichnender Weise Reich – spricht von einer „großen Aversion“ gegenüber dem Verein aus dem Rhein-Neckar-Kreis. Bei vielen war der Verein auch in die Kategorie „Unsympathischer Haufen“ gerückt – obwohl er zwischendurch fußballerisch Freude bereitet hat. Mittlerweile herrscht allerdings eine gewisse Gleichgültigkeit. Man packt den Verein eher in einer Schublade mit den Werksclubs aus Leverkusen und Wolfsburg. Aber während sich die Bayer-Kicker und die VW-Angestellten klar als Werksvereine geoutet haben, wissen die Hoffenheimer bis heute nicht, was sie eigentlich sind. Da bringt auch die nach bedeutender Historie klingende 1899 nichts.

Ein Besuch in Sinsheim ist wie die Fahrt zu einem Pokalspiel in Elversberg: man fährt ein paar hundert Kilometer Autobahn und auf einmal steht man neben einem Stadion. In Elversberg ist das in den Stein gehauene Rund natürlich kleiner, wirkt dafür aber auch nicht so deplatziert wie die Rhein-Neckar-Arena. Riesige Parkplätze und das Auto- und Technikmuseum auf der anderen Seite der Autobahn mit riesigen Flugzeugen am Eingangsbereich lassen den Ort wirken wie Playmobil-Bauten eines Siebenjährigen. Es wirkt fast so trostlos wie am Borussen-Park oder an der Allianz-Arena. Dazu zeigen Maskottchen „Hoffi“ und die die Torhymne „Was wollen wir trinken“, dass in Hoffenheim eine Marketingabteilung die Geschicke des Vereins bestimmt und eine kritische Öffentlichkeit – sprich Fans – fehlt. Meine Meinung – aus beobachtender Perspektive weit ab vom Schuss.

Hannover 96 musste bisher zwei Mal in Sinsheim antreten. Im März 2009 glich Wellington in der 84. Minute noch zum 2:2 aus, im Februar diesen Jahres reichte das erste Tor im ersten Spiel von Arouna Koné nicht aus. Eduardo und Salihovic hatten bereits in der 1.Halbzeit getroffen.

Während 96 sich 2009 in einer Saison ohne Auswärtsfortune und 2010 in einer Abwärtsspirale sondergleichen befand, sind die Vorzeichen in diesem Jahr andere. Nach dem Blick auf die – niemals lügende? – Tabelle spielt der 3. beim 4. und man kann mit Sicherheit von einem Aufeinandertreffen von zwei äußerst laufstarken Mannschaften ausgehen.

Hannover wird wohl mit einer ähnlichen Aufstellung wie in der letzten Woche antreten. Lediglich Haggui rückt für den jungen Avevor in die Innenverteidigung. Hoffenheim muss auf Salihovic (Geld-Rot-Sperre) und Simunic verzichten. Dadurch wird Luiz Gustavo womöglich in der Verteidigung spielen – was aus meiner Sicht das Mittelfeld seiner Mannschaft schwächt. Schade, dass Ibisevic sich mit seiner Roten Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung selbst ins Abseits gestellt hat und gegen 96 nicht weiter seiner Form hinterherläuft.

Trotz Ibisevics mieser Leistungen traf Hoffenheim in den vergangenen 13 Ligaspielen mindestens ein Mal – das gab es in der BL-Geschichte der Kraichgauer noch nicht. Dazu traf die TSG schon achtmal nach ruhenden Bällen – Ligahöchstwert zusammen mit Leverkusen. Vor allem die direkten Freistöße sind gefährlich: Schon viermal traf 1899 nach direkt verwandelten Freistößen – beinahe so oft wie alle anderen Bundesligisten zusammen (insgesamt: 6).

Besonders auf die Duelle auf den Außenbahnen bin ich gespannt. Mlapa und Rausch zeigten sich zuletzt in guter Form und werden oft im direkten Duell aufeinander treffen. Auf der anderen Seite werden die Trainer auf den Offensivdrang von Obasi beziehungsweise Stoppelkamp hoffen.

Apropos: die Trainer. Ralf Rangnick und Mirko Slomka wirkten einst als gut funktionierendes Trainerteam in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Auch auf Schalke arbeiteten sie zusammen, bis Rangnick nach Ehrenrunde entlassen und Slomka als Cheftrainer engagiert wurde.

Diese Emanzipation von seinem Chef scheint Rangnick nicht verdauen zu können. Man weiß nicht, ob er sich von seinem Co-Trainer hintergangen oder verletzt fühlt, aber man kann nur hoffen, dass er seinem alten Freund wieder die Hand reicht und die Beziehung der beiden sich wieder normalisiert. Das würde die in Hannover unvermindert hohen Sympathiewerte für den Aufstiegstrainer 2002 sicher noch einmal steigen lassen.

Für das Spiel kann man dem guten Trainer beim falschen Verein leider kein gutes Händchen wünschen. Zu wichtig wäre zumindest ein Punktgewinn in der Arena, damit zur „Gipfeltour“ mit Spielen gegen Hoffenheim, Spitzenreiter Dortmund und Überraschungsteam Mainz ein ordentlicher Auftakt gelingt.

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