Zeuge Hannovas VIII: Ungünstig

Stellt man sich den ungünstigsten Spielverlauf für eine Bundesligapartie vor, dann könnte die Begegnung TSG Hoffenheim  gegen Hannover 96 vom vergangenen Sonntag zum Muster werden:

  • Gelb-Rot in der 19.Spielminute
  • abgefälschtes Gegentor kurz vor Abpfiff der 1.Halbzeit
  • 2:0-Rückstand in Minute 48 durch einen Elfmeter
  • weiteres Gegentor nach Freistoßflanke und mustergültigem Kopfball
  • Endstand nach Fehler im Spielaufbau und trockenem Torschuss aus 16 Metern

Da war also schon viel Pech dabei.

Natürlich bietet sich das Spiel deshalb zum ausgeprägten Hadern an:

  • die Begegnung war ausgeglichen: Hoffenheim hatte zwar ein leichtes Übergewicht und eine Schusschance von Ba – aber insgesamt war bis zum Platzverweis von Schmiedebach wenig los
  • bei den beiden gelben Karten, die zur Ampelkarte geführt haben, könnte man ausführlich diskutieren und vielleicht sogar das weltberühmte Fingerspitzengefühl beim Schiedsrichter einfordern
  • mit zehn Mann stand Hannover gut in der Defensive – bis zum Ausgleich hatten die Kraichgauer keine Möglichkeiten
  • vor dem Tor spielt Demba Ba den Ball mit der Hand (was ich aber auch erst nach der zehnten Zeitlupe gesehen habe)
  • der Gegentreffer findet nur durch die Richtungsänderung von Schulzens Rücken den Weg ins Tor –

Alles nur ein großes Unglück? Eine Verkettung von unglücklichen Umständen?

Natürlich könnte man hier ein paar Fässer aufmachen, aber insgesamt muss man sagen, dass 96 wie gegen Bayern und teilweise gegen Köln zu wenig Offensivdrang entwickelt. Der Mut in den Offensivaktionen und die letzte Konsequenz, die in den meisten Spielen dieser Saison zu loben waren, fehlten in den letzten beiden Spielen.

Neben Unglück also auch Unvermögen?

Weder noch. Es ist kein Unglück zu erkennen, was per Definition ja „in der wortgeschichtlich älteren Bedeutung einen anhaltenden emotionalen Zustand des unglücklich Seins bezeichnet“. Das hatten wir vielleicht in der letzten Saison. Dieses Jahr läuft es deutlich besser. Und Unvermögen kann es nicht sein, sonst würde 96 nicht weiterhin zum Beispiel den zweiterfolgreichsten Sturm der Liga stellen.

Darüber hinaus ist die defensive Grundordnung gut. Die Spieler wissen genau welchen Job sie zu erledigen haben. Hannover spielt gut gegen den Ball und lässt wenige Chancen zu – selbst wenn es wie am Sonntag oder wie im Spiel gegen Leverkusen am 3.Spieltag mit einem Mann weniger zu agieren gilt.

Gegen Dortmund am kommenden Wochenende wünsche ich mir deshalb mehr Entschlossenheit. Die Roten müssen wieder mit mehr Überzeugung ihr Offensivspiel aufziehen. Stindl wird Schmiedebach ersetzen und Pinto wird nach dem unglücklichen in Sinsheim wieder zum Ideen- und Taktgeber im Mittelfeld.

Dazu mehr Esprit über die Außen, dann hängen unsere beiden Norwegen-Importe vorne auch nicht mehr so in der Luft.

Apropos Luft: Dortmund spielt unter der Woche in Paris. Am Donnerstag Abend wird erst nach 21 Uhr angepfiffen. Auch wenn der BvB bisher ohne körperliche Verschleißerscheinungen aus den Europapokalabenden zurück in den Ligaalltag kam, muss die Devise beim Heimspiel sein den Gegner zur Laufarbeit zu zwingen. Die Spieler von 96 sind fit – das haben sie in dieser Saison mehrfach bewiesen – und so muss über 90 Minuten Vollgas gegeben werden. Dann werden die Roten am Ende auch mit etwas Zählbarem rechnen können.

Übrigens: Die Tabelle ist unwichtig. Zwischen Platz 3 und Platz 10 liegen nur drei Punkte. Da ist es egal, ob man auf einem Europa-League-Qualifikationsplatz oder im unteren Mittelfeld steht, ob man die Bayern vor oder noch hinter sich hat. Wichtig sind die bisher erreichten 16 Zähler, so dass auch die mittlerweile negative Tordifferenz von 13:16 zu vernachlässigen ist. Hannover ist weiterhin auf einem richtig guten Weg. Wer etwas anderes behauptet kann ja mal in Gladbach oder auf Schalke nachfragen.

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