Zeuge Hannovas X: Heimspiel in Mainz

„Ein dreckiges 1:0“ wünschten sich viele 96-Fans vor dem Spiel, als sie aufgrund der desolaten Einlasssituation am Mainzer Bruchweg vor dem Stadion aufgehalten wurden. Ihr Wunsch wurde erhört. Dazu wurde den Besuchern aus Hannover im Stadion gezeigt, dass sich die Mainzer scheinbar nicht nur wegen der Wartezeiten am an den Blöcken nach einem neuen Stadion sehnen. Die charmante Blechkiste mit seinen gut 20.000 Plätzen scheint den 05ern zu klein zu sein. Oder welchen Grund kann es haben, dass man der eigenen Mannschaft, die erst das zweite Jahr in der Bundesliga spielt und einen unglaublichen Saisonstart hingelegt hat, schon nach zehn Minuten die Unterstützung versagt?

Es stellte sich zumindest aus Sicht des Gästeblocks so dar, schließlich gab es schon zu Beginn der ersten Halbzeit Pfiffe und außer ein paar Standards (z.B. Wechselgesang, „Steht auf wenn ihr…“) ging es nicht besonders ab beim Karnevalsverein. Das war im Vergleich zu den letzten Besuchen eine Überraschung.

Nach dem Spiel erklärten mir zwei Mainzer diesen Stimmungswechsel mit Blick auf die Leistung der eigenen Mannschaft, dass das „gar nicht ging“, denn „schließlich müsse Mainz 05 nun den nächsten Schritt machen“. Fragt man sich nur: wie soll der aussehen? Reicht die obere Tabellenhälfte oder muss das internationale Geschäft her? (Mainz wie es nicht singt und man drüber lacht – oder wie hieß das Lied?)

Fragen, die sich in Hannover zum Glück niemand stellt. Der nächste logische Schritt ist für 96 nach dem Abstiegskrimi im Mai ganz einfach der Wunsch nach einer ruhigen Saison.

Und die scheint nach dem Auswärtssieg wieder in greifbarer Nähe zu sein. Auch wenn die Tordifferenz mit 14 zu 20 nach den hohen Niederlagen gegen Hoffenheim und Dortmund grauslig ist, kann man mit Blick auf die Tabelle weiterhin nur lächeln.

Dazu kommt, dass 96 in Mainz nicht glücklich, sondern durchaus verdient gewonnen hat. Natürlich hätte Ivanschitz den Führungstreffer für Mainz erzielen können, aber sonst zeigte sich die – wieder einmal neu formierte – Sechsundneunzigabwehr in guter Form. Vor allem der zuletzt formschwache Djakpa machte ein gutes Spiel und Eggimann bekam an der Seite von Christian Schulz die nötige Sicherheit. Dazu machte Torwart Fromlowitz ein starkes Spiel und war wichtiger Rückhalt der Roten.

Auch nach der Hinausstellung von Cherundolo (frei nach dem Motto: kannmangebenmussmannicht) war Ordung im Spiel der Roten. 96 stellte einfach schnell um – muss wohl daran liegen, dass die Roten in knapp der Hälfte der Partien in dieser Saison das Spiel in Unterzahl beenden mussten. Auch deshalb konnte die Führung – dank 117 km/h-Hammer von Pinto – gehalten werden

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Mit dem 1:0 im Rücken spielte 96 die Partie clever zu Ende. Ein paar Standardsituationen in Strafraumnähe sorgten noch für das ein oder andere Raunen im Publikum, aber insgesamt war Mainz einfach schwach. Da fehlte die Leichtigkeit der letzten Spiele, das Vertrauen in die eigenen Aktionen und zur Unsicherheit trug dann noch das kritische Publikum bei.

Während Mainz über 90 Minuten die letzte Aggressivität fehlte, haben die 96er wieder zum Zweikampfverhalten der ersten Spiele der Saison gefunden. Schon die Stürmer griffen die Verteidiger an. Ya Konan zeigte die gewohnte Lauffreude und auch der überraschend ins Team gerutschte Jan Schlaudraff überzeugte läuferisch und sogar kämpferisch.

So war schon der Spielaufbau der Mainzer gestört und im Mittelfeld stellten dann Schmiedebach und der überragende Sergio Pinto Karhan und Soto kalt.

Die Mainzer sind angefressen gewesen. Da kann man exemplarisch zwei Bilder vom Mainzer Fankanal zeigen:

Vorher
Nachher

Das tut der Freude in Hannover keinen Abbruch und vor allem für die Fans, die ob der späten Anstoßzeit am Samstag erst am Sonntag mittags wieder an der Leine waren, waren das ganz wichtige Punkte für eine stimmungsvolle Rückfahrt.

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