Reeses Sportkultur

Zeuge Hannovas XI: Unter dem Radar

Zeuge Hannovas XI: Unter dem Radar

3:2 gegen Hamburg gewonnen. 22 Punkte. Platz 4.

Außerhalb der Stadtgrenzen von Hannover scheint das aber keiner zu bemerken oder: keinen zu interessieren. Auf die laufende Saison bezogen  hat das natürlich einige Gründe, wie diese Chronologie der die Schlagzeilen bestimmenden Ereignisse zeigt:

  • St. Pauli – dieser total andere Kultclub – ist wieder in Liga 1 und das zum 100. Geburtstag.
  • Gladbach mit raderdollem Sieg in Leverkusen.
  • Krise auf Schalke.
  • Gladbach geht raderdoll in Stuttgart unter.
  • Krise auf Schalke.
  • Tuchels Traumstart.
  • Krise in Stuttgart.
  • Krise in Köln.
  • Bruchweg Boys.
  • Krise in München.
  • Trainerwechsel in Stuttgart.
  • Dortmund mit Küken Tabellenführer.
  • Trainerwechsel in Köln.
  • Krise in Bremen.
  • Tief in Mainz.
  • Jahreshauptversammlung in Köln.
  • Dortmund uneinholbar Spitzenreiter.

Alles natürlich wichtiger. Klar.

Selbst bei einem Sieg in letzter Minute ist es fast allen Zeitungen und Sendern wichtiger zu erwähnen, dass Maria Furtwängler im Stadion war als die Rückkehr der Roten in die Spitzengruppe zu würdigen. Im “Doppelpass” bei “Sport 1″ zum Beispiel hat dann auch nur Hamburg verloren. Mehr war nicht.

Auch das fantastische Fallrückzieher-Tor von Kapitän Christian Schulz oder Mike Hankes Comeback sind nur Anekdoten in der Sportberichterstattung. Es geht halt in der medialen Abbildung des Sports wenig um das rein sportliche Geschehen. Viel wichtiger ist, dass zu Berichtendes besonders sexy und/oder erfolgreich oder gescheitert und/oder chaotisch ist.

Bei einer Niederlage in Mainz wäre die Presse mit der Hoffnung auf Chaos sicherlich mit ihren Hobbypsychologen in Hannover eingefallen. Grund für die Niederlage wäre dann einzig der Todestag von Robert Enke gewesen. Der Selbstmord scheint das einzige Thema zu sein, dass Hannover überregionales Interesse beschert.

Ein Problem – aus Sicht der Medien – ist, dass bei den Roten keiner heraussticht. Es gibt keine millionenschweren internationalen Stars oder eine Boygroup, die an der Fahne tanzt. In Hannover gewinnt ein Team, dass bis in die Schlussminuten kämpft. Eine Mannschaft, bei der die Protagonisten wechseln.

Wäre das denn wichtig? Nein. Erwähnungen sind so unwichtig wie die Tordifferenz.

Schön, dass Platz 4 außerhalb Hannovers als Irrtum angesehen wird. Schön auch, dass man sich in Hannover von dem bisher erreichten nicht zum Fantasieren animieren lässt.

Wichtig war, dass dieser Sieg gegen den HSV mit der unwichtigen Momentaufnahme “Platz 4 in der Bundesliga” ein Sieg für die Ewigkeit war. 96 ist in der Ewigen Tabelle endlich am unbeliebten Nachbarn vorbeigezogen und hat bis zur Winterpause vier Spiele, die die Mannschaft ohne Zweifel gewinnen kann. Aber nicht muss. Und das ist das schöne an der derzeitigen Situation unter dem Radar.

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