Zeuge Hannovas XII: Höhenflug ohne Euphorie

In der letzten Saison war man nach Siegen von 96 wie elektrisiert. Zu viele Niederlagen hatte man erlebt und oft musste man bis zur letzten Minute zittern, um das wohlige Gefühl des Erfolges genießen zu können.

Nach dem Spiel gegen Freiburg war man zwar beschwingt, aber Euphorie kam nicht auf. Das lag nicht an einer schleichenden Gewöhnung, wie sie Schalke-, Werder- und einige FC-Fans noch in sich tragen. Der Heimsieg gegen Freiburg war einfach nur unglaublich souverän herausgespielt. Freiburg hatte praktisch keine Torchance.  Wenn es mal eng für die „Roten“ wurde, dann hatte Florian Fromlowitz seine Finger mehr oder weniger im Spiel. Und als dem Keeper ein Ball so richtig durch die Hosenträger rutschte, da war Schiedsrichter Sippel zur Stelle und schützte den 96-Torwart. Klar hat Fromlowitz sich in der Szene weh getan. Aber ein Foul war das nicht. Klare Fehlentscheidung des FIFA-Schiedsrichters. Glück für die „Roten“.

Diese Szene zum vermeintlichen 2:1 war die einzige Situation, die vielleicht Unruhe in das Spiel hätte bringen können. Ansonsten agierte Hannover wie in den Wochen zuvor: engagiert und kompakt, laufintensiv und zweikampfstark. So konnten die Ausfälle Haggui, Abdellaoue, Cherundolo und Pinto wettgemacht werden.

Mario Eggimann gewann Kopfballduelle im gefühlt dreistelligen Bereich und Schulzinho machte das was ihn auf kurz oder lang wieder in die Nationalmannschaft bringen wird: er überzeugte durch Stellungsspiel, hervorragendes Zweikampfverhalten und perfekte Haltung beim Fallrückzieher (dieses Mal im eigenen Strafraum).

Im Sturm spielt sich ein Mann in den Vordergrund, der in der Sommerpause noch als abgeschrieben galt und von Präsident und Trainer in den Medien zum Verkauf angeboten wurde. Zum Glück ist Jan Schlaudraff geblieben und hat in Hannover zum ersten Mal über drei Spiele sein Talent aufblitzen lassen. Die Hoffnung ist groß, dass der Kicker auch am kommenden Samstag gegen seinen Ex-Club aufläuft und als Teamspieler ackert.

Gewinnt man in Gladbach, dann hat 96 nach 15 Spieltage soviele Punkte wie in der letzten Saison nach 32 Runden.

Die Euphorie könnte dann langsam geschürt werden, damit zum Heimspiel gegen den VfB Stuttgart mehr Zuschauer kommen als zum Spiel gegen den Sportclub. 34 108 Zuschauer sind eine recht dürftige Zahl für einen Verein, der Woche für Woche kämpferisch gute Leistungen zeigt und immer öfter auch spielerisch überzeugt. Dann können noch mehr Leute jubeln, wenn Konstantin Rausch noch in der 88. Minute die linke Seite entlang sprintet, um für Mike Hanke aufzulegen.

Und diesen Mike Hanke kann man gegen den VfB womöglich das letzte Mal im Trikot von 96 im NiedersachsenstAWDion sehen. Ein Wechsel ist trotz seiner 2 Tore in gut 60 Minuten Einsatzzeit in dieser Saison wahrscheinlich. Saisonübergreifend hat Hanke in den letzten sechs Bundesligaspielen vier Hütten gemacht. Die Quote ist gut und es wäre schade den Typen Mike Hanke zu verlieren. Gerade im Abstiegskampf im letzten Jahr hat er sich – egal ob als er Ersatz- oder Startelfspieler – als Teamspieler gezeigt.

Aber: es gibt genügend Sprichwörter, die vor der zu schnellen Verabschiedung in warnen. Und auch der „Fall Schlaudraff“ zeigt, dass in Hannover jeder Spieler die Chance hat in das Team zurückzukehren. Dass das bei der Konkurrenz natürlich schwer wird ist klar. Ein Vorteil für Hanke könnte allerdings sein, dass der alles überragende Mann bei Hannover, Didier Ya Konan, alles spielen kann: rechtes Mittelfeld, Stürmer, hängende Spitze, Zehner. Warten wir es ab – genauso wie wir darauf warten die Euphoriebremse lösen zu können.

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