Glückwunsch, Plastikstuhl-Mann!

Im Blog war in letzter Zeit etwas wenig los und dabei habe wurde sogar ein Jubiläum verpasst. Mit einer Woche Verspätung möchte ich deshalb einem der verschrobensten Trainer zum 55.Geburtstag gratulieren: Horst Ehrmanntraut.

Ehrmanntraut spielte zunächst in der 1. und 2. Bundesliga für den FC Homburg, für Hertha BSC Berlin und für Eintracht Frankfurt. Mit der Eintracht feierte er seinen größten Erfolg: er wurde 1980 UEFA-Cup-Sieger.

Mit Frankfurt feierte der Mann aus Einöd auch seinen größten Erfolg als Trainer. 1998 stieg er mit Spielern wie Ansgar Brinkmann, Uwe Bindewald und Oka Nikolov in die 1.Bundesliga auf.

Und aus seiner Zeit in Frankfurt gibt es die wildesten Geschichten: Ehrmantraut soll damals reihenweise Betreuer, Busfahrer und andere Vereinsangestellte aus seinem Wirkungskreis entfernt haben, weil sie angeblich schlechte Schwingungen aussendeten. Eines Tages verbannte der kauzige Coach sogar seinen Co-Trainer Rudi Bommer aus der Kabine – Begründung: Er habe eine negative Aura.

Später – als Trainer von Hannover 96 – bekam zuerst der Zeugwart Probleme, weil er im Baumarkt einen falschen Plastikstuhl für die Tartanbahn besorgte. Das weiße Modell aus dem Obi-Baumarkt, für 19,90 Mark, hatte längst Kultstatus, weil Ehrmanntraut in Frankfurt immer auf der Tartanbahn gesessen hatte. Das Frankfurter Modell steht heute im Museum der Eintracht.

In Hannover erlangte das Plastikteil keine größere Aufmerksamkeit. Zu merkwürdig waren die Geschichten rund um den Trainer: Der Busfahrer wurde ausgetauscht, weil er wegen eines Wendemanövers Ehrmantrauts Frist, eine Stunde vor dem Spiel im Stadion sein zu müssen, einmal nicht einhielt. Auch die beiden Physiotherapeuten mussten weg.

Auch die Spieler bekamen Horsts Auffassung von professioneller Arbeit zu spüren. Die Profis verdanken ihrem Trainer die Abschaffung der Auflaufprämie. Gezahlt wurde nur bei Erfolg.

Als Holger Ballwanz einmal um einen trainingsfreien Tag bat, weil er seine Tochter zur Einschulung begleiten wollte, wurde ihm der Schulbesuch verweigert. Ballwanz – heute Fanbeauftragter in Wolfsburg – trat daraufhin verärgert aus dem Mannschaftsrat zurück. Den 18-jährigen Sherif Toure holte der Trainer bei einem 4:2-Sieg gegen Bielefeld 14 Minuten nach seiner Einwechslung wieder vom Platz. In der 90. Minute!

Der Grund: Toure hatte einen Übersteiger gewagt und außerdem das Trikot nicht in der Hose.

Der Erfolg gab dem Trainer zunächst recht. Bis zum 17.Spieltag stand 96 auf einem Aufstiegsplatz.

Es ist dann nur die Ironie der Geschichte, dass Ehrmanntraut in der Rückrunde nach einer 5:2-Niederlage gegen Bielefeld seinen Job in Hannover verlor. Ob er seinen Plastikstuhl mitgenommen hat ist unbekannt.

Man weiß aber, dass Horst sich auch danach noch herrlich aufregen konnte. Zum Beispiel als Trainer in Saarbrücken nach einem Spiel gegen 1860 München:

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