Zeuge Hannovas: Leverkusener Lehren

Es war eine diffuse Hoffnung dabei als 96 am Freitag Abend die Möglichkeit hatte mit einem Sieg gegen Leverkusen wieder auf den zweiten Tabellenplatz zu klettern. Diffus, weil man noch die letzten Begegnungen der Roten bei(m) Bayer vor Augen hatte und sich der Chancenlosigkeit bei den letzten Spielen bewusst war. Drei Mal BayArena bedeuteten drei Niederlagen mit 0:9 Toren.

Dennoch hatten die hervorragende Hinrunde und die ersten beiden Partien gegen Frankfurt und Schalke die Hoffnung genährt, dass 96 eine Überraschung im Spitzenspiel gelingen könnte. Schließlich hatte Hannover drei der letzten vier Auswärtsspiele gewonnen.

Leider zeigte sich aber, dass die Roten zwar durchaus in der Lage sind die Werkself vor eine schwierige Aufgabe zu stellen – die Klasse von Bayer ist aber (noch) eine andere.

Zunächst ist da die individuelle Klasse: Arturo Vidal als Paradebeispiel gehört momentan zu den besten Spielern der Bundesliga. Er ist ein ständiger Unruheherd, geht keinem Zweikampf aus dem Weg und interpretierte seine Rolle im Mittelfeld – ein Hybrid zwischen 6er und 10er – überragend.

Sein Zusammenspiel mit den wieder genesenen Ballack und Rolfes war bemerkenswert und zeigte Züge einer Mannschaft, die – wenn in diesem Jahr nicht die überragenden Dortmunder eine Sonderrolle übernehmen würden – zu den Top-Titelkandidaten zählen würden. So wird es ein heißer Kampf um Platz 2 mit den Bayern.

Und was ist mit Hannover 96?

Bei all dem Lob für die starke Werkself, darf man die Leistung der Gäste nicht unterschätzen. Hannover war gut. Eine eines Spitzenspiels würdige Leistung, was auch die Leistungsdaten belegen:

  • Ballbesitz: 96: 47,7 – 04: 52,3%
  • Torschüsse: 96: 9 : 04: 11
  • Zweikämpfe: 96: 52% – 04: 48%

Leider hat sich das Team zu oft in des Gegners Hälfte locken lassen und so Konter zugelassen. Die Flanken waren (wieder mal) zu ungefährlich, die Ecken eine Frechheit und wenn ein Zuspiel gelang, haperte es im Abschluss. Dazu noch das vom Schiedsrichter übersehene Foul am gegnerischen Strafraum, dass auch eine rote Karte für Hyypiä hätte nach sich ziehen können.

„Es hat an Kleinigkeiten gelegen, dass wir nicht noch einen Punkt mitgenommen haben. Doch diese Kleinigkeiten sind es, die den Unterschied ausmachen. Der unbedingte Wille, ein Tor erzielen zu wollen, hat gefehlt. Und bei den Gegentoren müssen wir einfach besser verteidigen. Leverkusen hat dann die individuelle Klasse, das zu nutzen.”“, sagte 96-Trainer Mirko Slomka der HAZ.

Wahre Worte.

96 ist noch keine Spitzenmannschaft, die um die Champions League Plätze spielt. Diese drei Qualifikationsplätze werden der BvB, Bayer und der FC Bayern unter sich ausmachen.

Aber: das Team hat vor allem in den letzten beiden Partien gezeigt, dass – obwohl keine Punkte geholt wurden – großes Potential in der Mannschaft steckt.

Die Niederlage gegen Schalke 04 war unverdient, unglücklich und unnötig. Im Spiel in Leverkusen stand wieder eine Mannschaft auf dem Feld, die mit viel Aufwand agierte, sich Chancen erspielte, sich aber leider nicht belohnte.

Die Spiele gegen Leverkusen und Schalke haben aber auch gezeigt, dass 96 Probleme bekommt, sobald einige Spieler nicht 100% “gehen können”. Der angeschlagene Pinto, der grippekranke Schmiedebach, die Rekonvaleszenten Abdellaoue, Ya Konan und Stoppelkamp und der Ausfall von Schlaudraff waren zuviel, um Leverkusen gefährlich zu werden.

Die Leverkusener Lehren sind also:

  • 96 hat ein funktionierendes Spielsystem, das jeden Gegner in Bedrängnis bringen kann.
  • Obwohl Hannover viele Zweikämpfe verliert, mehr Fehlpässe spielt als die meisten anderen Teams im oberen Tabellendrittel und verhältnismäßig wenig Ballbesitz hat, liegt die Mannschaft auf Rang fünf.
  • Um Erfolge einzufahren muss die Chancenverwertung (vor dem Spieltag noch zweitbestes Team der Liga) wieder besser werden.
  • Die Akteure müssen 100%ig fit sein, um Spitzenmannschaften paroli bieten zu können.
  • Gelingt das, kann Hannover in dieser Saison viel erreichen.
  • Zwischen Platz 4 und 8 ist alles drin.
  • Jeder Platz zwischen Rang 4 und 10 ist ein Erfolg!

P.S.: Bilder aus dem Stadion folgen

Wenn der Allofs Reporter beschimpft

Klaus Allofs SV Werder Bremen quelle Wikipedia.de Urheber SteindyNach der Niederlage im Heimspiel gegen Bayern München steht die Mannschaft nur noch auf Platz 15. Es sind nur noch drei Punkte bis zum Relegationsplatz.

Die Diskussionen um den Trainer werden lauter und bei Manager Klaus Allofs liegen die Nerven langsam blank. Zumindest hat er im Interview etwas – nun ja – zu laut gedacht:

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Mich erinnert das Ganze irgendwie an diesen kleinen Racker.

Zeuge Hannovas: Geschlagen mit den eigenen Waffen

Spricht man mit Freunden anderer Vereine über die Mannschaft von Hannover 96, dann gibt es zumeist wenig Sympathie für Sergio Pinto. Das Spiel des defensiven Mittelfeldspielers ist vielen zu unfair. Pinto sucht schließlich oft den Zweikampf und es nervt den Kölner, Aachener oder Gladbacher sehr, wenn das offensive Mittelfeld mit aggressiver Zweikampfführung oder kleinen Fouls gestoppt wird.

Am letzten Samstag traf Pinto nun auf die – an diesem Nachmittag – bessere Kopie seiner selbst: Peer Kluge. Kluge ging in jeden Zweikampf, war aggressiv und spielte insgesamt acht mal Foul (der Rest der Schalker Mannschaft schaffte zusammen gerade mal doppelt soviel Foulspiele).

Klar kann man sich da als 96-Anhänger wundern, warum Schiedsrichter Drees Kluge nicht verwarnte, aber im Prinzip hat der Ex-Gladbacher und Ex-Nürnberger nur seine Aufgabe erfüllt: das Spiel der Roten oft vor der Entfaltung unterbinden. Grobe Unsportlichkeiten erkannte der Schiedsrichter nicht. So konnte Kluge das erste Mal ein Spiel gegen 96 gewinnen (nach zuvor vier Unentschieden und acht Niederlagen).

Und nicht nur beim Spieler mit der Rückennummer 12 fielen einem Vergleiche mit dem Auftreten der Roten auf, sondern bei der Schalker Mannschaft insgesamt. Das System der Schalker war dem der 96er fast deckungsgleich.  Die Aufforderung der Trainer Magath und Slomka an das eigene Team war wohl ähnlich. Dass Slomka gern dem Gegner das Spiel überlässt ist ja mittlerweile bekannt. Aber auch Magath sagte vor der Partie ins Fernsehmikrofon: “Wir werden versuchen 96 nicht zu viele Kontermöglichkeiten anzubieten, sondern ihnen das Spiel anzubieten.”

Das gelang den Schalkern auch, aber an einer Stelle funktionierte der Plan nicht. 96 zerbrach nicht an der Aufgabe das Spiel zu machen. Die Gastgeber erspielten sich Chancen und auch die Schalker hatten eine gute erste Halbzeit, so dass sich ein sehr ansehnliches Spiel entwickelte.

Leider konnte Hannover die sich bietenden Chancen nicht verwerten. Neuer erwischte – mal wieder  – einen überragenden Tag und Schalke nutzte die eine Unachtsamkeit von Pogatetz, als er bei der Flanke von Schmitz falsch zu Gegenspieler Raúl stand.

Raúl war neben Manuel Neuer der beste Mann auf dem Platz. Er zeigte an diesem Samstag in aller Deutlichkeit warum er sich – im Gegensatz zu seinem Sturmpartner mit dem schönen Vornamen – einst bei Real Madrid durchgesetzt hatte.

Raúl war auch im Vergleich mit den Angreifern Ya Konan und Abdellaoue deutlich besser. Beide Stürmer hatten jeweils nur einen Torschuss auf dem Statistikzettel. Ya Konan dazu immerhin 41 Ballkontakte und 3 Vorlagen, Abdellaoue jedoch nur 17 Ballkontakte. Dazu blieb der Norweger ohne Vorlagen. Der Spanier schaffte im Vergleich 68 Ballkontakte, 5 Torschüsse und 2 Vorlagen. Chapeau!

Vielleicht hätte 96 ihn aber auch einfach nicht mit einem gleichgroßen “Einlaufkind” reizen sollen:

Unterm Strich kann man sich natürlich als 96-Fan ärgern. Die Roten hätten sicherlich einen Punkt verdient gehabt. Trotzdem hat mich die Spielweise beeindruckt. Hannover hat spielerisch weiter gelernt und straft alle “Experten” lügen, die die Roten am Ende der Fahnenstange wähnten. Die Mannschaft hat scheinbar immernoch nicht ihr volles Potential entfaltet. Und die beiden Stürmer sind aufgrund ihrer Verletzungspausen auch noch nicht bei 100 % Fitness.

Aber aufgrund der fehlenden Fitness der Stürmer kann sich im Sturm in den nächsten Wochen ein Problem entwickeln, wenn Schlaudraff wie am Samstag als Alternative im Sturm fehlt und Forssell nur auf der Tribüne Platz nehmen darf. Dann fehlt ein frischer Einwechselspieler, der im Sturm noch einmal Druck machen kann. Hier fehlt ein Spielertyp wie Mike Hanke…

Ohne Hanke fährt 96 am Freitag zum Spitzenspiel nach Leverkusen -  Zweiter gegen Dritter – und man kann sich auf ein gutes Spiel freuen, in dem dann die Favoritenrolle beim Gegner liegt und Bayer das Spiel machen muss. Vielleicht gelingt ja die Überraschung.

Aber auch ohne Punkte in Leverkusen kann 96 2011 der Coup “Europa League Qualifikation” gelingen und die Anhänger von Hannover 96 können weiter träumen. Frei nach dem Schwitters-Motto: Vorwärts nach weit.