Zeuge Hannovas: Geschlagen mit den eigenen Waffen

Spricht man mit Freunden anderer Vereine über die Mannschaft von Hannover 96, dann gibt es zumeist wenig Sympathie für Sergio Pinto. Das Spiel des defensiven Mittelfeldspielers ist vielen zu unfair. Pinto sucht schließlich oft den Zweikampf und es nervt den Kölner, Aachener oder Gladbacher sehr, wenn das offensive Mittelfeld mit aggressiver Zweikampfführung oder kleinen Fouls gestoppt wird.

Am letzten Samstag traf Pinto nun auf die – an diesem Nachmittag – bessere Kopie seiner selbst: Peer Kluge. Kluge ging in jeden Zweikampf, war aggressiv und spielte insgesamt acht mal Foul (der Rest der Schalker Mannschaft schaffte zusammen gerade mal doppelt soviel Foulspiele).

Klar kann man sich da als 96-Anhänger wundern, warum Schiedsrichter Drees Kluge nicht verwarnte, aber im Prinzip hat der Ex-Gladbacher und Ex-Nürnberger nur seine Aufgabe erfüllt: das Spiel der Roten oft vor der Entfaltung unterbinden. Grobe Unsportlichkeiten erkannte der Schiedsrichter nicht. So konnte Kluge das erste Mal ein Spiel gegen 96 gewinnen (nach zuvor vier Unentschieden und acht Niederlagen).

Und nicht nur beim Spieler mit der Rückennummer 12 fielen einem Vergleiche mit dem Auftreten der Roten auf, sondern bei der Schalker Mannschaft insgesamt. Das System der Schalker war dem der 96er fast deckungsgleich.  Die Aufforderung der Trainer Magath und Slomka an das eigene Team war wohl ähnlich. Dass Slomka gern dem Gegner das Spiel überlässt ist ja mittlerweile bekannt. Aber auch Magath sagte vor der Partie ins Fernsehmikrofon: „Wir werden versuchen 96 nicht zu viele Kontermöglichkeiten anzubieten, sondern ihnen das Spiel anzubieten.“

Das gelang den Schalkern auch, aber an einer Stelle funktionierte der Plan nicht. 96 zerbrach nicht an der Aufgabe das Spiel zu machen. Die Gastgeber erspielten sich Chancen und auch die Schalker hatten eine gute erste Halbzeit, so dass sich ein sehr ansehnliches Spiel entwickelte.

Leider konnte Hannover die sich bietenden Chancen nicht verwerten. Neuer erwischte – mal wieder  – einen überragenden Tag und Schalke nutzte die eine Unachtsamkeit von Pogatetz, als er bei der Flanke von Schmitz falsch zu Gegenspieler Raúl stand.

Raúl war neben Manuel Neuer der beste Mann auf dem Platz. Er zeigte an diesem Samstag in aller Deutlichkeit warum er sich – im Gegensatz zu seinem Sturmpartner mit dem schönen Vornamen – einst bei Real Madrid durchgesetzt hatte.

Raúl war auch im Vergleich mit den Angreifern Ya Konan und Abdellaoue deutlich besser. Beide Stürmer hatten jeweils nur einen Torschuss auf dem Statistikzettel. Ya Konan dazu immerhin 41 Ballkontakte und 3 Vorlagen, Abdellaoue jedoch nur 17 Ballkontakte. Dazu blieb der Norweger ohne Vorlagen. Der Spanier schaffte im Vergleich 68 Ballkontakte, 5 Torschüsse und 2 Vorlagen. Chapeau!

Vielleicht hätte 96 ihn aber auch einfach nicht mit einem gleichgroßen „Einlaufkind“ reizen sollen:

Unterm Strich kann man sich natürlich als 96-Fan ärgern. Die Roten hätten sicherlich einen Punkt verdient gehabt. Trotzdem hat mich die Spielweise beeindruckt. Hannover hat spielerisch weiter gelernt und straft alle „Experten“ lügen, die die Roten am Ende der Fahnenstange wähnten. Die Mannschaft hat scheinbar immernoch nicht ihr volles Potential entfaltet. Und die beiden Stürmer sind aufgrund ihrer Verletzungspausen auch noch nicht bei 100 % Fitness.

Aber aufgrund der fehlenden Fitness der Stürmer kann sich im Sturm in den nächsten Wochen ein Problem entwickeln, wenn Schlaudraff wie am Samstag als Alternative im Sturm fehlt und Forssell nur auf der Tribüne Platz nehmen darf. Dann fehlt ein frischer Einwechselspieler, der im Sturm noch einmal Druck machen kann. Hier fehlt ein Spielertyp wie Mike Hanke…

Ohne Hanke fährt 96 am Freitag zum Spitzenspiel nach Leverkusen –  Zweiter gegen Dritter – und man kann sich auf ein gutes Spiel freuen, in dem dann die Favoritenrolle beim Gegner liegt und Bayer das Spiel machen muss. Vielleicht gelingt ja die Überraschung.

Aber auch ohne Punkte in Leverkusen kann 96 2011 der Coup „Europa League Qualifikation“ gelingen und die Anhänger von Hannover 96 können weiter träumen. Frei nach dem Schwitters-Motto: Vorwärts nach weit.

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2 Gedanken zu „Zeuge Hannovas: Geschlagen mit den eigenen Waffen“

  1. Ha. So ging es mir am Anfang der Saison auch: „Schalke? fahr ich nicht hin. Da verlieren wir eh.“ 😉

    Tja. Es bleibt eine besondere Saison. Und wenn wir am Ende unter den TOP 5 stehen, dann darf S04 gern Pokalsieger werden.

  2. War wirklich ein tolles Spiel. Habe mir die Fahrt nach Hannover dieses Mal gespart. Die beiden Niederlagen zuvor im Stadion waren noch zu sehr im Kopf.
    Bin mal gespannt, wie es mit euch da oben weiter geht.
    Ich wage jetzt mal die These, dass es ein weiteres Überraschungsteam (neben dem BvB) am Ende auf einem Euopapokal-Platz schafft.
    Europapokal in Hannover hört sich gar nicht mal so schlecht an. Aber nur, wenn wir auch noch reinrutschen 😉

    Und sei es über den Pokal.

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