Zeuge Hannovas: Teamwork vs. Ego-Show

Das Spiel Hannover 96 gegen den VfL Wolfsburg begann mit den erwarteten Aufstellungen und für den perfekten Auftakt sorgte der unter der Woche mit forschen Tönen aufgefallene Sergio Pinto. Sein Tor war zwar durch eine Schwäche von Benaglio begünstigt, die Führung an sich war aber zu keinem Zeitpunkt unverdient.

Es war  Ausdruck der Überlegenheit des hannöverschen Kollektivs. Hannover bestimmte das Spiel weitesgehend in der 1. Halbzeit, muss sich aber vorwerfen lassen, dass man die sich bietenden Chancen nicht nutzte. Wolfsburg stand oft sehr tiefe in der eigenen Hälfte und ließ den 96ern viel Platz, dennoch kam nichts Zählbares heraus, denn die Roten spielten leider oft zu ungenau oder zu eigensinnig.

So konnten die Gäste in der 2. Halbzeit weiter auf einen Erfolg in Hannover hoffen und drückten dem Spiel ihren Stempel auf. 96 agierte teilweise zu passiv, ließ sich weit in die eigene Hälfte drängen, stand aber zu jedem Zeitpunkt des Spiels als Mannschaft auf dem Platz. Sprich: ein jeder kämpfte für seinen Nebenmann.

Das war bei Wolfsburg oft nicht der Fall. Die später noch durch die Neuzugänge Mbokani und Helmes durcheinander gewirbelte Mannschaft lieferte nur Stückwerk. Das Duell Teamwork vs. Ego-Show kulminierte dann im verschossenen Elfmeter des Diego Ribas da Cunha. Der einst hochgelobte Spieler steht sich mit seinem divenhaften Verhalten selbst im Weg.

Selbst ein Dialog zwischen 96-Torwart Zieler und Diego konnte eigensinnige Entscheidung des ehemaligen brasilianischen Nationalspielers nicht ändern, wie Zieler der HAZ erklärte:

Herr Zieler, Sie haben vor der Ausführung des Elfmeters kurz mit Diego gesprochen. Worum ging es?

Ich habe ihm gesagt: Lass doch den Helmes schießen. Diego hat aber nicht darauf reagiert.

Herrlich.

Alles in allem kann man das Spiel wunderbar in einem Bild zusammenfassen:

Schauen wir auf die restlichen Ergebnisse: Dass Dortmund nicht gewonnen hat – geschenkt. Die Messe ist gelesen. Aber: Mainz und Freiburg holten nur einen Punkt, Leverkusen und Bayern gingen sogar ganz leer aus. Lediglich Hoffenheim konnte sein Heimspiel gewinnen. (Mal gucken, ob der HSV noch ein Heimspiel gegen St. Pauli hinbekommt.)

Also kann man den sympathischen Verein aus der schönsten Stadt der Welt zum Gewinner des Spieltags ausrufen. Macht aber keiner.

96 ist wieder Vierter, punktgleich mit dem Dritten und hat mit nun 37 Punkten das Saisonziel von 40 Zählern fast erreicht. Und trotzdem ist das Team in der überregionalen Wahrnehmung weiterhin unbeachtet. Lediglich Jürgen Klopp lobt die Arbeit von Slomka im Sport 1 „Doppelpass“ über den grünen Klee. (Die anwesenden Experten nickten nur (un-)wissend zu der Aussage. Konnten aber nichts hinzufügen. Dazu müssten sie sich ja mal ein Spiel der Roten anschauen und nicht nur bei Dortmund, Schalke und den Bayern abhängen.)

Nächstes Wochenende werden dann die Werder-Fans hoffen, dass mit 96 ein Punktelieferant ins Weserstadion kommt. Der Ausgleichstreffer in letzter Sekunde in Mainz wird dort als das erhoffte Manna nach langer Durststrecke aufgenommen, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Werder ähnlich weit von der Form vergangener Jahre entfernt ist wie Diego.

Deshalb kann man als 96-Sympathisant mit einem zufriedenen Lächeln in die Woche gehen und bei eventuell aufkommenden Ärgernissen im Alltag einfach einen Blick auf die Tabelle werfen. Die lügt ja bekanntlich nicht.

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2 Gedanken zu „Zeuge Hannovas: Teamwork vs. Ego-Show“

  1. Vielen Dank. Und wenn du Olek sprichst: grüß ihn mal. Seitdem Milla da ist hat er gar keine Zeit mehr, um bei den ganzen 96-Erfolgen aus Ehrfurcht im Staub zu knien.

    96 kölsche Grüße, Klaas

  2. moin!der gute olek hat mich auf deinen blog aufmerksam gemacht – prima!
    rote grüße aus hamburg! (solls geben 😉 )
    heiko

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