Zeuge Hannovas: Werder muss nach Fürth

Rückblende: 13. Februar 2010. 22.Spieltag der 1.Bundesliga. Hannover 96 empfängt als 16. den Tabellensechsten Werder Bremen.

Bremen gewinnt 5 zu 1.

Ein Jahr später spielte aus der Mannschaft von damals lediglich Schlaudraff auf derselben Position im Sturm. Schulz und Rausch agierten wieder zusammen auf der linken Seite – nur in vertauschten Rollen.

Auch die Vorzeichen vor dem Spiel waren andere: 96 konnte mit einem Sieg auf den dritten Tabellenplatz klettern, Bremen drohte bei einer Niederlage Relegationsplatz 16.

Auch wenn die Statistik in Bremen erbärmlich für die Roten aussah, so durfte man den Roten zutrauen auch gegen Bremen einen Sieg einzufahren und nach der 1.Hälfte sah es richtig gut aus. Auch wenn Werder in den ersten zwanzig Minuten das Spiel bestimmte und gute Chancen durch Pizarro und Prödl hatte, das Tor machte Ya Konan.

Der angeschlagene Stürmer zeigte einmal mehr, dass Mertesacker seiner Bestform weit hinterherläuft und dank Hüftsteife kein Abwehrspieler von internationaler Klasse ist. Und nach dem Tor – egal ob verdient oder nicht – war Ruhe in Bremen. Auf den Rängen und auf dem Spielfeld. Bremen schob den Ball hin und her, hatte das Ziel aber komplett aus den Augen verloren.

Bis zur Halbzeit passierte nichts. Nach dem Seitenwechsel war es dann eine Standardsituation, die das Spiel wieder ausglich. Mertesacker avancierte zum torgefährlichsten Bremer der Rückrunde und köpfte unhaltbar für Torwart Zieler ein.

Danach gab Werder noch fünf Minuten Gas, dann ging den Bremern die Luft aus. Pizarro musste verletzt vom Platz und Ersatzmann Avdic blieb den Nachweis seiner Bundesligatauglichkeit ebenso schuldig wie Abwehrmann Silvestre, der einen rabenschwarzen Tag erwischte. Beim 1:0 hatte er schon den Konter der 96er eingeleitet und auch in der zweiten Halbzeit konnte Hannover über seine Seite gefährliche Angriffe fahren.

96 war nicht gut, aber dennoch war es wohl noch nie so leicht im Weserstadion zu gewinnen wie in diesem Jahr. Neben guten Standardsituationen und einem guten Torwart hat das Team wenig erfolgsversprechendes zu bieten. Schade, dass vor allem Stindl seine Chance zur Führung nicht nutzen konnte. Werder wäre nicht zurückgekommen – da bin ich mir sicher.

Und deshalb steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Werder absteigt oder zumindest in die Relegation muss. Wenn schon der angeschlagene Trainer sich schon damit zufrieden gibt, dass das Team „Willen“ zeigt, dann kann es nicht weit her sein mit den Möglichkeiten der Bremer.

Dazu wir Mielitz seinen Platz sicherlich wieder für Tim „Die Frisur“ Wiese räumen müssen. Besser ist er sicherlich nicht. Er wäre aber im Zuge von eventuellen Ersatzbankaufenthalten sicherlich für einen Eklat gut und noch mehr Unruhe kann der Verein nicht brauchen. Deshalb lässt Schaaf den dreifachen Nationalspieler sicher spielen und dann ist der Ex-Lauterer für den ein oder anderen Bärendienst gut.

In der Abwehr läuft Clemens Fritz zumeist seiner Form und ebenso wie der Kollege auf der anderen Seite, Silvestre, zumeist den Gegenspielern hinterher. Offensive Akzente setzen beide nicht.

Offensiv läuft es zwar für Mertesacker und auch für Nebenmann Prödl. Beide sind extrem kopfballstark und hatten auch gegen Hannover oft Lufthoheit bei den gefährlichen Bremer Standards. Aber defensiv bieten beide den Angreifern viel Raum. Naldo fehlt als Stabilisator – fällt aber wohl noch länger aus. Ein nicht angeschlagenes Sturmduo wird die Abwehr auseinander nehmen.

Dass Mertesacker vom Kicker sogar als Spieler des Spiels geadelt wird, ist aus meiner Sicht ein Witz. Dazu noch seine lächerliche Schwalbe an der gegnerischen Eckfahne, obwohl ein Eckball sicher war: peinlich. Dazu das Lamentieren beim Schiedsrichter vor allem nach dem vermeintlichen Fehlgriff von Zieler in der Schlussphase, als der Keeper den Ball im Strafraum hielt und dennoch einen Freistoß gegen sich ausgesprochen bekam.

Mertesacker hat sich da scheinbar von den Mätzchen seiner Mitspieler Arnautovic und Marin anstecken lassen. Marin, schon früher mit chronischer Fallsucht auffällig geworden, gerierte sich auch am Sonntag als Schwalbenkönig. Schade, dass kein Fernsehsender es schaffte dieses Fehlverhalten anzuprangern. Ebensowenig wie den Ellbogencheck von Arnautovic gegen Forssell. Statt dessen wurde das Verhalten von Schmiedebach angeprangert, der nach Schlusspfiff den 10 Milllionen Mann Marin behakte und nach dessen theatralischem Faller mit der fünften gelben Karte bestraft wurde.

Dass Marin und Arnautovic kicken können steht außer Frage. Das Problem ist nur: beide wissen das nur zu genau und sehen sich eigentlich am Liebsten in der Champions League. Sie stehen sich und damit auch ihrer Mannschaft mit ihrer Selbstherrlichkeit im Weg. Für den Abstiegskampf sind das die falschen Spieler. Oder wie sagt der Volksmund: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.“

Bei Hunt und Bargfrede ist es wie bei Fritz: sie laufen der Form der Vorsaison hinterher. Frings kämpft zwar, hat aber nicht mehr die Klasse vergangener Tage. Nur im Sturm verdient sich ein Pizarro weiterhin das Prädikat wertvoll – ist aktuell aber auch verletzt.

Dazu war bemerkenswert, dass die Roten bis zur letzten Aktion gelaufen sind. Die Bremer hatten offensichtlich nichts mehr zuzusetzen. Die Fitness von 96 ist weiterhin als überragend zu bezeichnen.

So darf 96 im Frühjahr 2011 weiter über eine wunderbare Saison freuen und vom Europapokal träumen. Man kann sich sogar ein wenig über ein Spiel in Bremen ärgern, bei dem zwei spielerisch schwache Mannschaften aufeinander trafen und letztendlich keine Mannschaft drei Punkte verdient gehabt hätte. Dass Bayern vorbeizieht war abzusehen und ist nicht von belang. Mainz, Hoffenheim und Freiburg sind Konkurrenten und haben am Wochenende weniger Punkte als 96 geholt.

Gegen Kaiserslautern sollten die 40 Punkte dann voll gemacht werden. Eine Punktzahl von der man in Bremen träumt. Bei Werder sollte man sich mit dieser Mannschaft auf Greuther Fürth oder Schlimmeres einstellen.

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