Zeuge Hannovas: Gruselkick mit Happy End

Ein Besuch am Millerntor in Hamburg gilt für den gemeinen Fußballfan als Highlight. Schließlich suggerieren Medien und der Verein selbst, dass hier ein Verein im Fußballgeschäft mittun darf, der ja eigentlich so anders ist.

Nach dem Auswärtsspiel am letzten Wochenende kann man nur sagen: is nix Besonderes  am Millerntor. Es wird sicherlich ein ganz schönes Stadion. Der alte Bruchbuden-Charme wird allerdings verloren gehen – auch wenn man im Moment noch ziemlich im Matsch steht, wenn man zum Gästeblock will.

Auch das Publikum wird sich bald nicht mehr von dem beim Hamburger Sportverein unterscheiden. Schon jetzt sieht man keinen Punk mehr im Stadion. Statt dessen viel betongrau und das übliche Durchschnittspublikum mit viel Sitzfleisch. Wie in Wolfsburg oder Gladbach.

Aber Marketing drum rum können sie noch die braun-weißen, so dass sich die Fassade vom ach-so-anderen-Verein noch ein paar Jahre halten wird.

Rasen hingegen können sie nicht am Millerntor. Da half es auch nicht, dass der Platzwart mit grüner Farbe versuchte die Fassade zu verschönern. Ein schönes Fußballspiel auf diesem Platz ist nicht möglich. Qualitativ schlechter als der „Rasen“ sind nur die Sichtverhältnissen aus dem Gästeblock: Gästefans stehen unten am Zaun einen halben Meter tiefer als die Rasenkante.

Am letzten Samstag war es aber auch nicht schlimm, dass man nicht alles sah. Teilweise passierte mehr im Block als davor. Nachdem man sich bei der „Roten Kurve“ gesagt hatte „Wir machen das mit den Fähnchen!“ entstand zu Spielbeginn ein schönes Fahnenmeer. Nach der Pause war dann eine Choreo zu sehen (siehe Fotos). Die dazu gezündeten Rauchpötte und Begalos führten zu einem Polizeieinsatz im Block, der je nach Betrachtung mehr oder weniger angemessen war – auf jeden Fall aber erwartbar. Die Gegenreaktion einiger Besucher des 96-Blocks war auf jeden Fall fragwürdig. Wer mit Stangen auf Polizisten losgeht braucht sich nicht über Repressalien wundern. Schade, war das Hin und Her auf jeden Fall, weil durch die Polizei im Block die Stimmung litt. Die ersten zwanzig Minuten der zweiten Hälfte war es sehr still. Von Pauli waren nur ein paar Wechselgesänge und standardisiertes Ultra-Gemurmel zu hören. Bei Hannover gefielen sich einige nur bei „Scheiß St.Pauli“-Rufen. Bringt der eigenen Mannschaft natürlich nix.

Zum Spiel: es war nicht schön anzusehen (wenn man was gesehen hat) und der Spielverlauf ist schnell erzählt:  ein Pfostenschuß von Stindl, ein paar Über-den-Wolken-Schüsse von den Gastgebern, ein Torschuß von Schlaudraff mit anschließendem ungefährlichem Fallrückzieher von Abdellaoue und ein schöner Freistoß von Sergio Pinto. Dazwischen viele Fehlpässe auf beiden Seiten, ein elfmeterwürdiges Foul an Schulz und ganz am Ende eine Ecke von Pinto auf Christian Schulz, der mit vier Toren der torgefährlichste Abwehrspieler der Bundesliga ist – torgleich mit Niedermeier und Hummels.

Klar war das ein glücklicher Sieg. Nicht nur wegen des späten Führungstreffers. Auch die Aktion von Cherundolo gegen Asamoah, bei der man nur hoffen kann, dass da keine Absicht im Spiel war, hätte das Spiel in die falsche Richtung drehen können. Aber hier ist den Roten das dritte Mal in Folge das Glück hold, schließlich hätte letzte Woche Pinto nach Foul an der Außenlinie vom Platz geschickt werden könne und in Bremen hatte Ya Konan Glück, dass er nach einem Handspiel nicht frühzeitig duschen gehen musste.

Aber das gehört scheinbar zu dieser Saison dazu, dass 96 das Glück des Tüchtigen zu Gute kommt. Das Glück, das im letzten Jahr so oft schmerzlich vermisst wurde.

Schmerzlich vermisst wurde auch Didier Ya Konan. Man hatte während der kompletten Spielzeit das Gefühl, dass der Mann von der Elfenbeinküste die Pauli-Abwehr ausseinander genommen hätte. Abdellaoue und Schlaudraff gaben sich während der kompletten Spielzeit Mühe. Die Qualität Ya Konans fehlte. Um so schöner ist es, dass die Mannschaftskameraden auch ohne ihren Besten gewinnen konnten und allem Statistikgerede von der Negativserie ohne Ya Konan ein Ende machen konnten.

Insgesamt war das in der Defensive wieder ein sehr überzeugender Auftritt. Zieler blieb bei seinem siebten Bundesligaspiel zum vierten Mal ohne Gegentor. 96 stellt im Defensivverbund alle Gegner vor eine schwierige Aufgabe.

In der Offensive war das aber oft zu ungenau. Das mag am Platz gelegen haben, sah aber in vielen Situationen zu zufällig aus und oft wurde zu ungenau gespielt.

Nun sind es sieben Punkte auf Platz 6. Heidewitzka!

Hannover ist auf dem Weg ins internationale Geschäft. Am Wochenende steht mal wieder ein Spitzenspiel an, wenn die Münchner Bayern zum Gastspiel antreten. Es bleibt spannend abzuwarten inwieweit die Münchner das Versagen in der Meisterschaft verkraften und mit welcher Konzentration die Bayern zwischen den Wettbewerben DFB-Pokal und Champions League an die Leine reisen. Schließlich ist das Spiel in Hannover zwischen den Spielen gegen Schalke und München das einzige bei dem es um keinen Pokal mehr geht.

Mehr dazu dann die Tage hier im Blog.

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