Zeuge Hannovas: Presse Potpourri der Lobhudeleien

Es ist schön in diesen Tagen Fan vom sympathischstem Fußballverein zu sein. Ein Sieg gegen Bayern, Platz 3 in der Liga, Träume von Europa – das macht den 96-Anhänger glücklich. Da wird einem sogar im Kölner Karneval auf die Schultern geklopft und zum Sieg gratuliert.

Wenn ich aber eines aus der unglaublichen Saison 2009/2010 mit seinen unglaublichen Tiefen gelernt habe, dann das man auch mal innehalten sollte. Man sollte sich den Moment bewußt machen. Um ihn festzuhalten habe ich mich durch all die Lobhudeleien der deutschsprachigen Presselandschaft geklickt und Zitate und Bilder ausgesucht, die das Glück beschreiben Fan dieses Vereins zu sein.

Und sollten in einer fernen, fernen, fernen Zukunft wieder Tage folgen in denen nicht die Sonne scheint, dann kann man auf diese Seite klicken und in Erinnerungen schwelgen.

Süddeutsche Zeitung, 10.März: Hannover vor Punkte-Rekord

«Natürlich sind wir reif für Europa. Der Verein ist gut aufgestellt, die Stadt sowieso», erklärte Slomka voller Stolz. «Der Tabellenplatz weist die Reife der Mannschaft nach», betonte er.

Frankfurter Rundschau, 4.März: Der Schnäppchenjäger

Kein Team wirkt so hungrig; agiert so effektiv wie das von Cheftrainer Mirko Slomka angeleitete 96er-Ensemble.

taz, 6.März: Das unterschätzte Kollektiv

Sie haben wieder gesiegt. Diesmal gegen die Bayern. Der Erfolg von Hannover 96 lässt sich deshalb nicht mehr hinreichend mit dem Faktor Glück erklären.

Das 96-Team stemmte sich nicht gegen eine drohende Niederlage, sondern erspielte sich einen Sieg, den dieser Mannschaft – wie so manch anderen in der laufenden Saison – kaum einer zugetraut hatte. Jetzt steht die mit unbekannten und günstigen Profis verstärkte Mannschaft vor einer, wie es Verteidiger Christian Schulz bezeichnet, historischen Chance. Fünf Punkte Vorsprung in der Tabelle auf einen verunsicherten Verfolger, der FC Bayern München heißt – der Jubel, der aus der Kabine von Hannover 96 zu hören war, ließ erahnen, dass ein lange Zeit belächeltes Kollektiv seinen neuen Status so lange wie möglich auskosten will.

FIFA.com, 6.März: Van Gaal: „Sind weggespielt worden“

Van Gaal: „Aber nach dem ersten Gegentor sind wir weggespielt worden. Das war zu viel für meine Mannschaft. Der Rückstand zur Pause hätte noch höher sein können. Da hatten wir Glück.“

Neue Presse, 10.März: Cherundolo erklärt die Geheimnisse des 96-Erfolges

Wir haben zum Beispiel gar nicht großartig darüber geredet, dass wir die Bayern besiegt haben. Das waren für uns auch drei Punkte – mehr nicht. Jetzt konzentrieren wir uns voll auf Köln.

spox.com, 4,März: Der schlimmste aller Gegner

Hannover 96 hat sich viele Attribute verdient in dieser Saison. Es schwingt bei so ziemlich jeder Beurteilung der niedersächsischen Errungenschaften aber unterschwellig auch immer mit, dass sich schon bald alles relativieren würde, die Mannschaft deutlich über ihrem Leistungsniveau spiele und am Ende da landen würde, wo sie für diese Saison auch zu verorten sei: Im gesicherten Mittelfeld der Tabelle.

Nur haben 44 Punkte nach 24 Spieltagen schon längst nichts mehr mit glücklichen Umständen zu tun.

Der Tagesspiegel, 7.März: Holländer in der Schwebe

Die peinliche Niederlage in Hannover, bei der die Bayern zeitweise auseinandergespielt wurden, hat im Klub große Ängste geweckt.

spox.com, 6.März : Sergio Pinto im Interview

Meine Schüsse sind nie haltbar. Der Ball hat schön geflattert. Das sieht immer blöd aus für den Keeper.

Deren Verunsicherung kam doch auch davon, weil wir sie zu Fehlpässen gezwungen haben. Wir wollten, dass sie viele lange Bälle spielen müssen. Und das haben wir erreicht. Da merkt man dann schon, dass sie nicht eingespielt sind. Aber das ist ja nicht mein Bier. Das interessiert mich nicht. Das sollen die unter sich ausmachen – wir konzentrieren uns lieber auf uns

Frage: Die 96-Fans sind völlig euphorisiert – die Spieler dagegen wirken weiter sehr nüchtern.

Pinto: Wir sind mit unserer Strategie bisher sehr gut gefahren. Warum sollten wir daran etwas ändern? Wir lassen uns nicht anstecken.

  • Frage: Haben es Ihnen die Bayern auch leicht gemacht?

Pinto: Wieso das denn? Ich denke, dass wir unsere Sache sehr gut gemacht haben. Wir haben unser Spiel durchgezogen, wie schon in der kompletten Saison bisher.

Zeit.de, 5.März: Die Hannoveranisierung des Landes

Im vergangenen Jahr gewann Hannover die deutsche Meisterschaft im Eishockey, der bayerischsten aller Sportarten. Sollten nun auch noch die Fußballspieler vor Robben, Ribéry und Müller landen, wäre das Hannovers größter Triumph über München seit Gerhard Schröders Wahlsieg gegen Edmund Stoiber.

spox.com, 3.März: „Parolen aus der Wagenburg

Christian Nerlinger: „Das Konzept der anderen Mannschaften ist, unser Spiel zu zerstören und darauf zu hoffen, dass wir Fehler machen – was absolut legitim ist. Es kann aber nicht sein, dass dieses Konzept aufgeht.“

Uli Hoeneß: „Wir haben das Pokalfinale verpasst, aber ich finde, das wichtigste Spiel diese Woche findet in Hannover statt. Da müssen wir unbedingt gewinnen.“

kicker, 4.März: 96 – die Bayern vor der Brust, Europa im Sinn

Im Tor verfügt 96 über einen talentierten Schlussmann. Ron-Robert Zieler (22) hat großes Potenzial, ist ambitioniert, muss freilich noch Erfahrung sammeln.

Die Abwehr ist binnen weniger Monate zum Bollwerk geworden.

Auch das Mittelfeld brachte Hannover auf die Erfolgsspur zurück.

Der Angriff um die Goalgetter Ya Konan (26) und Abdellaoue (25) sowie den schnellen Schlaudraff (27) ist torgefährlich (11+6+3 = 20 der 34 Saisontore) und arbeitet auch eifrig nach hinten.

Eurosport,3.März: Bundesliga – 96: Statt Abstieg „Königsklasse“?

„Sie spielen sehr kompakt und schalten schnell um.“ Den Stil der Hannoveraner umschrieb Löw als „nicht überschwänglich“. Hannover würde er gerne in der kommenden Saison im europäischen Wettbewerb sehen: „Das haben der Verein, die Stadt und die Region verdient.“

Zeit, 7.März: Warum eigentlich nicht Champions League?

Hannovers wundersamer Aufstieg ist die größte Erfolgsgeschichte dieser Saison. […] Borussia Dortmund steht derzeit vier Plätze und 19 Punkte besser da als zum selben Zeitpunkt der vergangenen Saison. Die Hannoveraner haben sogar 27 Punkte mehr als vor einem Jahr und in der Tabelle 13 Plätze gut gemacht.

HAZ, 8.März: Doppelkoan

Hannover 96, ein Verein der Superlative. Neuestes Superlativ: Tiefpunkt der Saison. Aus Bayern-Sicht.

HAZ, 7.März: Wie Slomka bei Hannover 96 ein Erfolgstrainer wurde

Mit Schalke Erfolg zu haben war möglicherweise ein überschaubares Kunststück, mit 96 den 3. Tabellenplatz zu erobern ist dagegen unstrittig ein kleines Meisterwerk, auch wenn es noch nicht fertig ist. Doch selbst wenn Slomka mit 96 in den restlichen neun Partien noch an der Europa League vorbeischrammen würde – wofür es angesichts der Konstanz der Mannschaft keine Anzeichen gibt –, wäre die Saison trotzdem ein Erfolg. Auch für ihn als Trainer.

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