Zeuge Hannovas: Chronistenpflicht

Es ist in diesen Tagen etwas merkwürdig über Fußball zu schreiben. Zu schrecklich sind die Bilder und Informationen, die uns aus Japan erreichen. Die Schweigeminuten vor den Spielen der Bundesliga (wie hier in Bremen) empfand ich deshalb als sehr angemessen.

Ob der Nachrichten aus Fernost war der Ärger über die hohe Niederlage beim FC auch recht schnell verflogen – war er eigentlich schon wenige Stunden nach dem Spiel, denn 96 hat in der 1.Halbzeit das Spiel dominiert und – was entscheidend ist – auch heute noch den 3.Platz inne. Da ist es auch egal, dass die Tordifferenz durch die vier Gegentreffer wieder auf ein schmales „plus 1“ geschrumpft ist. 96 teilt halt weiterhin nicht. Lediglich zwei Spiele endeten in dieser Saison Remis.

Die Rahmendaten zur Saison sind also weiterhin recht erfreulich und das 50-Punkte-Ziel könnte im Heimspiel gegen Hoffenheim erreicht werden. Dann spielen vielleicht auch wieder Sergio Pinto und Didier Ya Konan, die man in der zweiten Halbzeit schmerzlich vermisst hat. Ya Konan als ständigen Unruheherd in der ersatzgeschwächten Kölner Abwehr und Pinto als Zweikampfmaschine und Ballverteiler.

Aber auch ohne die beiden braucht man keine Angst vor den Stinkraichgauern haben, schließlich haben die Kollegen auch ohne sie in der ersten Halbzeit starken Fußball gezeigt. Während Köln nur nach Standards gefährlich war, hätten die Aktionen von Schlaudraff, der Rensing aus kurzer Entfernung an den Oberkörper schoß, und Rausch, der – nachdem er die halbe Abwehr des FC genarrt hatte – am Keeper scheiterte, Torjubel verdient gehabt.

In der zweiten Halbzeit igelte sich der FC dann in der eigenen Hälfte ein, stand tief und zwang 96 dazu das Spiel zu machen. Leider viel den Gästen wenig ein. Immer wieder wurde der Ball über die Außen gespielt, wo der FC dann die Räume eng machte und kaum Chancen zuließ. Auf der anderen Seite spielten die Kölner ihre Angriffe clever aus. Podolski verdiente sich – obwohl durch seine Wadenprobleme sichtbar gehandicapt – Lob als Torschütze und Vorlagengeber.

Ärgerlich diese Niederlage – aber irgendwie auch scheißegal. Denn man kann sich in dieser Saison sicher sein, dass das Trainerteam die richtigen Lehren aus dem Spiel ziehen wird und nächsten Samstag wieder eine gut aufgestellte Mannschaft auf dem Platz stehen wird.

Beim FC kann man nur hoffen, dass auch dieser Verein seine Lehren aus dem Spiel ziehen wird und beim nächsten Heimspiel darauf verzichtet die Eintrittskarten der Gästefans einzusammeln. Das führte nach dem Spiel zu einigem Chaos, weil es die überforderte Security nach dem Spiel nicht schaffte die eingesammelten Tickets wieder zu verteilen. Erst nach langen Diskussionen und schier endloser Warterei konnte das inkompetente Personal neu nachgedruckte Eintrittskarten verteilen, die als Kaufpreis 0,00 €uro ausweisen und druckwarm an die wartenden 96-Anhänger verteilt wurden, die die Karten als Fahrkarten nutzen wollten.

Aber auch dieser Ärger verraucht schnell, wenn man den Fernseher anmacht. Chronistenpflicht erfüllt. Jetzt Daumen drücken für Japan.

 

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2 Gedanken zu „Zeuge Hannovas: Chronistenpflicht“

  1. Ich glaub so unterschiedlich sind die Meinungen gar nicht. Ich versuch mal aufgrund deines Kommentars die Sache aufzudröseln:

    Die Großchancen habe ich nicht „unter den Tisch gekehrt“: „Während Köln nur nach Standards gefährlich war“. Gut, die Chance von Clemens nach dem 1:0 hätte ich noch erwähnen können. Weil aber nach dem Tor nicht mehr viel Zeit zu spielen war und 96 laut bundesliga.de-Statistik nach dem Tor noch über 70 % Ballbesitz hatte, kann man nicht unbedingt von einem ausgeglichenen Spiel reden.

    Zur zweiten Halbzeit schreibe ich: „Leider viel den Gästen wenig ein.“ Das sind zwar andere Worte – bedeuten aber im Prinzip auch „mausetot“.

    Zum Thema „einigeln“: ich meinte damit, dass der FC tief stand. Der FC ließ 96 schon oft den Ball. (Das meinte ich mit „zwang 96 dazu das Spiel zu machen“. Das heißt aber nicht, dass ich der Meinung bin, dass 96 das Spiel (gut) gemacht hat.) Köln verhinderte dann aber sehr geschickt Anspielstationen. Auch hier sei noch einmal der Ballbesitz erwähnt, der bei für Hannover recht hohen Werten lag (außer in der Schlußviertelstunde).

    Ich hab es zwar oben nicht explizit geschrieben, aber der FC hat das Spiel verdient gewonnen. In der ersten Halbzeit hatte Köln den besseren Torwart, in Hälfte 2 die bessere Mannschaft. Glückwunsch!

  2. Offenbar ein klassischer Fall von „Ein anderes Spiel gesehen“. Hannover in der ersten Hälfte überlegen? Ja, zweifelslos, die beiden Großchancen des effzehs sollten dabei allerdings nicht unter den Teppich gekehrt werden. Die ganze erste Halbzeit? Nein, keineswegs, nach dem 1:0 hab ich ein ausgeglichenes Spiel gesehen. Das gleiche gilt für die 2. Halbzeit, jedenfalls bis zum 2:0 – danach war Hannover mausetot und ein „einigeln“ des FC und ein von H96 gemachtes Spiel konnte ich beim besten Willen nicht erkennen. Aber jut, so ist Fußballgucken.

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