Éric Cantona: King of Cosmos & Kung Fu

Es ist der wohl berühmteste Fehltritt eines Fußballers: Der französische Stürmer Eric Cantona sah im Spiel gegen Crystal Palace im Januar 1995 dreifach rot. Zunächst im Spiel gegen seinen Gegenspieler, den er im Zweikampf mit dem Ellbogen zu Boden streckte. Dann vom Schiedsrichter, der ihn direkt vom Platz stellte und zum Dritten an der Seitenlinie, wo er einen Zuschauer mit Kung Fu Tritt angriff, weil dieser ihn rassistisch beleidigt hatte.

Für diese Aktion musste Cantona eine Strafe 20.000 Pfund bezahlen und wurde weltweit für 9 Monate gesperrt. Dazu wurde er zu 120 Sozialstunden verdonnert. Diese leistete er bei einem Schülerteam ab, das er an die Spitze der Liga brachte und kehrte danach als Spieler auf das Feld zurück und gewann weitere Titel mit Manchester. Die Worte des Franzosen bei der Pressekonferenz nach seinem Kung-Fu-Tritt sind bis heute legendär:

When the seagulls follow the trawler, it’s because they think sardines will be thrown into the sea. Thank you very much.

Cantona beendete seine Karriere als Fußballer, um Schauspieler zu werden und ist mittlerweile in 15 Filmen aufgetreten. Dazu betreute er die Beach Soccer Nationalmannschaft Frankreichs, wurde als Spielertrainer Weltmeister und war auch im Sand für einen Skandal gut, als er beim Finale der Europameisterschaft 2009 in Rom den Schweizer Trainer Jörg Stiel ohrfeigte. Ende letzten Jahres rief er dann im Angesicht der Wirtschaftskrise mit den Worten „Kill the banks“ zu einem Boykott der Banken auf. Ein gelungenes Portrait über Cantona bis hier hin hat Dirk Gieselmann für 11 Freunde geschrieben.

What a friend we have in Jesus,
He’s a saviour from afar,
What a friend we have in Jesus,
And his name is Cantona,
Oohh Aahh Cantona,
Oohh Aahh Cantona…

Mittlerweile ist Éric Cantona Manager des wiederbelebten Glamour Clubs Cosmos New York, der zwischen 1971 und 1985 mit Spielern wie Franz Beckenbauer, Johan Cruyff und Pelé weltweite Berühmtheit erlangte. (Starke Bilder aus dieser Zeit findet ihr bei „Who ate all the pies„.) Pelé war es dann auch, der im Rahmen der Copa NYC Finals im Corona Park von New York die Neugründung des Vereins bekannt gab.

Im Januar 2011 wurde Cantona dann als Manager vorgestellt. Mit gewohnt markigen Worten gab er die Marschroute vor:

„Ich werde alles dafür tun, damit wir wieder die Nummer eins in den Vereinigten Staaten und dann einer der besten Klubs der Welt werden“

Natürlich ließ es sich der Schauspieler nicht nehmen auch filmisch seinen Beitrag zur Inthronisierung leisten:

Natürlich gehört zu seinen Jobs jetzt auch die Öffentlichkeitsarbeit für den Verein. Dem BBC Reporter Dan Walker stand Cantona gut 20 Minuten Rede und Antwort und der Reporter hatte das Gefühl, dass Cantona sich deshalb mit schlagzeilenträchtigen Äußerungen zu seinem Kung Fu Tritt präsentierte:

Cantona knows exactly what he is doing. He knows his job is to get as much publicity for the New York Cosmos as possible, so when he spoke about the kung-fu kick and being a „prisoner of his memories“ there was a telling look on his face that said „that’s your story there, young man“.

In dem Interview mit der BBC sagte Cantona auf die Frage was das größte Highlight seiner Karriere gewesen sei, dass es auf jeden Fall diese Aktion im Trikot von Manchester United ist. Schließlich habe er es für die Menschen getan, die gern mal einen Hooligan treten würden. Wörtlich sagte er:

„I think maybe it’s like a dream for some, you know sometimes to kick these kind of people. So I did it for them. So they are happy. It’s a kind of freedom for them.“

Éric hat es also für die Zuschauer getan. Für deren Freiheit. Im Interview spricht er noch über die Veränderungen im modernen Fußball, über die Wichtigkeit der Fans, über seine Pläne mit Cosmos und die Energie die ihm Verein und Stadt geben. Einen Seitenhieb auf die New York Red Bulls, den momentan einzigen MLS-Club in New York kann er sich natürlich nicht verkneifen und er findet lobende Worte für seinen Manager Alex Ferguson, den er bewundert.

Das komplette Interview kann man im BBC Blog von Dan Walker sehen, der auch das Drumherum und die Reaktionen auf das Interview beschreibt.

Die im TV ausgestrahlte Version mit Szenen aus Cantonas Karriere und Bildern aus New York gibt es hier:

Warten wir ab, ob Cantona in New York Erfolg hat. Die Idee vor allem mit einer Jugendakademie etwas Neues aufzubauen ist auf jeden Fall ein interessanter Ansatz.

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