Hör- und Sehempfehlungen: Mourinho, Schaefer, Löw & Bier per Twitter

Das Konzept von Mourinho, tief zu stehen, Aggressivität zu zeigen und Barcelona zu provozieren, war durchaus legitim und es hätte auch genauso gut aufgehen können. Doch zwei Kleinigkeiten brachten den Plan zum Scheitern: Pepes zu ungestümes Einsteigen gegen Dani Alves und Marcelos kleiner Ausrutscher vorm 0:1. So steht am Ende eine 0:2-Heimniederlage, die Real schon so gut wie sicher aus dem Bewerb nimmt. Und so ist Mourinhos Taktik am Ende nicht aufgegangen. Weswegen er sich nun sicherlich Vorwürfe anhören muss, er wäre zu vorsichtig in die Partie gegangen, zumal nach dem Pokalsieg das Momentum eigentlich auf seiner Seite war.

  • Spielentscheidend war aus Sicht von Mourinho die Hinausstellung von Pepe. Die Hauspostille von Real, As, sieht das genauso und hat bei den Bildern etwas nachgeholfen, damit auch jeder sieht wie falsch Schiedsrichter Stark gelegen hat. Auf dem Bild links sieht es schließlich so aus als ob der Madrilene nur den Ball gespielt hat.
  • Das Spiel war nicht so spektakulär wie die 5:0-Begegnung in der Hinrunde. Wer sich nicht mehr genau erinnern kann wie das damals war, dem werden durch diese künstlerische Umsetzung die Erinnerungen wachgerufen (vom Macher des Bale-Hattrick-Denkmals):
     

  • Christian Jakubetz hat in seinem JakBlog die Arbeit seines Kollegen Jan Janssen kommentiert. Der Reporter der Münchner “tz” hat recht freimütig über seine “Recherchearbeit” nach dem Rauswurf von Louis van Gaal geschrieben. Jakubetz nimmt die Arbeit ordentlich aufs Korn und wird deshalb auch in den Kommentaren kritisiert. Lesenswert: Abschiedsinterview – oder: Unglaubliche Jagd auf Louis van Gaal.
  • Ein Interview der merkwürdigsten Art wurde in der “Welt” abgedruckt. Dagmar von Taube traf auf den Nationaltrainer Joachim Löw. Das Interview ist eine Mischung aus Schleichwerbung, Lobhudelei und anderer Peinlichkeiten: “Joachim Löw und die letzte Frage nach dem Toupet
  • Die freimütigen Geständnisse des Bundestrainers lassen die Konkurrenz natürlich vor Neid erblassen. Deshalb ist zum Löw-von Taube-Interview ist eine Textkritik auf sueddeutsche.de erschienen: “Geständnisse eines Echthaar-Heteros
  • Aber zurück zum Sport: in Köln sorgte der Rücktritt eines anderen Trainers für Unverständnis und Kopfschütteln über den FC und seine Vereinsführung. “Der Vierte Offizielle” fühlt sich ganz einfach “Verarscht

“I deliver & hock beers up the aisles @ Safeco. I will hand deliver to you if you Tweet me your order! Tweet me your seat number & order on lower level.“

  • Vorgestern kommentierte Wolff-Christoph Fuss das Champions-League-Halbfinale Schalke 04 gegen Manchester United. Vorher stellte er sich den Fragen von Tagesspiegel-Autor Markus Ehrenberg und gesteht “Du bist bewaffnet bis über beide Backen“.

Leseempfehlungen: geliebte, blinde, türkische & weibliche Fußballer

  • Das ist doch mal eine vorbildliche Aktion. Der Sportsender ESPN hat sämtliche Werbeverträge seiner Moderatoren veröffentlicht. Auch wenn Moderatoren deutscher Sender womöglich nicht solche wandelnden Litfaßsäulen wie ihre amerikanischen Kollegen sind, so wäre es doch interessant für welche Wurst, Biermarken und Klamottenlabels die Journalisten Werbung machen.
  • Der Isländer Kári Tulinius hat bei “The Run Of Play” einen wunderbaren Text mit dem Titel “The Velvet Underground And Raúl“. Wenn ihr den Song “My Only Child” von Nico nicht kennt, dann hört ihn Euch zunächst an (oben rechts auf der Seite) und genießt dann die feine Liebeserklärung für den besten Schalker gegen Inter. Ein Ausschnitt:

After being floored by “My Only Child,” I made it my mission to correct my error of presumption and seek out Nico’s solo works. The three albums she made from 1969-74, The Marble Index, Desertshore and The End, all rank among my favorite records. Her songwriting is unique and wonderful, her lyrics haunting and her musical vision unforgettable. I resolved after that to be more careful about judging artists based on only a small glimpse of their work. Yet I still make this mistake over and over again. The latest eye-opener was watching Raúl play for Schalke against Inter Milan in the second leg of their Champions League tie.

  • Moritz hat im “Sportteil” zieht auch seinen Hut vor einem Mann im Fußballgeschäft. Es ist ein gelungenes Dankeschön an einen Trainer, der so gar nicht nach Köln passt und gerade deshalb eigentlich die ideale Lösung wäre:

Trotzdem ist es schade, dass er jetzt geht. Und dieser Schritt nötigt mir Hochachtung ab. Ich glaube nicht, dass es an den vielen internen Gründen lag. [...] Ich glaube, Frank Schaefer hat auch in der Rücktrittserklärung die Wahrheit gesagt, so wie er immer aufrichtig war. Diesem Mann liegt nichts an Rampenlicht, an Glamour, großer Karriere und Reichtümern auf dem Konto. Der Mann möchte in seiner Stadt, bei seinem Verein Fußball arbeiten, und er möchte irgendwann nach Hause gehen und Privat- und Familienmensch sein. Dass dieser Wunsch so außergewöhnlich erscheint verdeutlicht noch einmal, wie degeneriert narzisstisch der Profifußball ist. Ich finde es schade, dass Frank Schaefer geht, aber ich habe enormen Respekt vor dieser Entscheidung. Der Verein wäre gut beraten, diesen Mann so lange wie möglich zu halten, wo auch immer. An dem hat man was. Danke, Frank Schaefer.

  • Konrad Stahlschmidt hat einen lesenswerten Artikel über Bindenfußball geschrieben: “Kick im Dunkeln” beschreibt den Blindenfußball anläßlich des anstehenden Ligabetriebs. Dazu gibt es einen Beitrag von Spiegel TV.

Blindenfußballspiele dauern zweimal 25 Minuten. Sie sind in Deutschland noch etwas Besonderes. In Spanien und Brasilien, wo Blinde seit 20 Jahren organisiert kicken, ist das anders. Dort kommen bis zu dreitausend Fans in die Stadien.

Nicht so bei der “Coppa”, hier herrscht Stille – zumindest auf den Zuschauerrängen. Celebi richtet den Blick ins Nichts hinter die Torauslinie und wartet auf Anweisungen oder auf ein Anspiel, das sich durch die nähernde Ballrassel bemerkbar machen würde. “Richtung Tor!”, hört er seinen Trainer Wolf Schmidt brüllen. Allgegenwärtig ist auch das monotone “voy” (spanisch: “Ich komme”). Es ist das Signal, das jeder Spieler regelmäßig rufen muss, um seine Mitspieler zu warnen.

  • Den Hinweis zum Artikel habe ich bei “Cupstadt” gefunden. Dort gab es auch einen würdigen Kandidaten für das “Tor des Monats”:

Ich mag die Intensität des türkischen Fußballs, und so fremd sie mir selber hin und wieder in ihren Ausbrüchen erscheinen mag, bewundere ich immer wieder die extreme und bedingungslose Identifikation der Anhänger türkischer Vereine. Auch wenn ich jetzt ein Klischee auspacken muss, aber: Für die Leute in der Türkei ist Fußball eine Religion. Und das gefällt mir.

  • Weil ja bald die Frauenfußball-WM in Deutschland ansteht hier ein Mädel, dass Besonderes am Ball kann und damit auch noch Geld für den guten Zweck sammelt:

Frank Mill des Tages: “Der Ball muss reingehen”

“Der Ball muss reingehen, aber ich hab es nicht gemacht. Warum? Ich weiß es nicht. Morgen oder am nächsten Tag werde ich mir die Bilder ansehen.” Mit diesen Worten wird Koen Persoons zitiert. Wenige Minuten vor dem Abpfiff beim Stande von 0-0 hatte Lokerens Nummer 8 den Siegtreffer auf dem Fuß. Zu seinem Pech wurde es nichts mit dem Torjubel gegen den Club Brügge.

Aber immerhin gibt es hier die Bilder von der vergebenen Chance:

http://www.dailymotion.com/video/xi9sma

Wenig besser lief es für Damian Manso in der mexikanischen Liga. Auch er hatte den Führungstreffer für seine Jaguares gegen Monarcas Morelia auf dem Fuß. Aber manchmal geht einem bei einem schnell vorgetragenen Konter auch einfach die Konzentration flöten.

Sicherlich ein Grund für die deutliche 0-3-Niederlage…

Richtig schlecht lief es auch für Mirko Vucinic. 1 zu 1 Unentschieden hieß es in der Partie seiner Roma gegen Palermo. Rom brauchte den Sieg, um sich sicher für die Europa League zu qualifizieren. Vucinic hätte die Führung besorgen können – vielleicht gar müssen.

Pech für AS, dass Palermo in der zweiten Halbzeit spät (84.,90.) in Führung ging. Da half dann auch der Anschlußtreffer durch Mirko Vucinic im direkten Gegenzug nichts mehr. Manchmal reicht es halt nicht die zweite Chance zu nutzen…