Podcast: „Tom meets Zizou – Kein Sommermärchen“ – Eine Rezension

Der Film „Tom meets Zizou – Kein Sommermärchen“ in der Kritik. Zum Lesen (mit Videos) hier und zum Nachhören als Podcast unten:

Fußballprofi zu werden ist schwer. Im Falle von Thomas Broich müsste es wohl aber heißen: Fußballprofi zu sein ist schwer.

Denn Thomas Broich ist zwar ein guter Fußballer und schaffte schon früh den Sprung ins Profigeschäft, aber der ganz große Erfolg bleibt ihm verwehrt, denn das Fußballgeschäft und Thomas Broich – das passt irgendwie nicht zusammen.

Broich hat – im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen nicht nur den Fußball im Kopf. Nein, er liest Bücher, er macht sich Gedanken über Ethik, Moral und worum es im Leben wirklich geht. Er spielt Klavier oder Gitarre und dass er auf Autofahrten schon mal Carl Orff hört, trägt ihm bei seinen Teamkollegen den Spitznamen „Mozart“ ein.

So sticht Broich nicht nur fußballerisch sondern auch als Person aus der homogenen Masse der Fußballprofis heraus und wurde wohl auch deshalb für den Filmemacher Aljoscha Pause interessant, der Thomas Broich ab 2003 mit der Kamera begleitet hat.

Aus den Aufnahmen ist eine Langzeit Dokumentation entstanden, die Broich bei seinem rasanten Aufstieg begleitet. Der Mittelfeldspieler steigt mit seinem Verein Wacker Burghausen in die zweite Liga auf, sorgt auch dort für Furore und findet so seinen Weg in die Bundesliga zu Borussia Mönchengladbach. Auch dort macht Broich positive Schlagzeilen und gilt neben Schweinsteiger, Lahm und Podolski als große Hoffnung für die WM 2006, was ihm auch einen Besuch im Aktuellen Sportstudio beschert.

Broich kokettiert in dieser Zeit mit seinem Image des „anderen Fußballprofis“. Er wird von den Medien gefeiert und ist auf dem Weg ein erfolgreicher Fußballer zu werden.

Doch dann verlässt den Jungprofi scheinbar das Glück. In Gladbach läuft es nicht mehr für den Verein, Broich kommt mit dem neuen Trainer nicht klar und in den Medien wird das zuvor positive Mozart-Image gegen ihn gewendet.

In dieser Situation wird der Film „Tom meets Zizou“ spannend und verdient sich seinen Titel „Kein Sommermärchen“, denn in dieser Zeit werden die Schattenseiten den Fußballgeschäfts aufgedeckt.

Broich äußert sich ganz offen. Spricht vor der Kamera über seine Probleme als Profi und lässt so einen Einblick in die sonst so glitzernde Fußballwelt zu, der einem normalerweise verwehrt bleibt.

Dazu spielt es dem Film in die Karten, dass Broichs Karriere keine lineare Erfolgsstory ist.
Es ist eine Geschichte über große Hoffnungen und Selbstüberschätzung. Ein Film über Erfolg und gnadenloses Scheitern. Es ist eine Dokumentation über verschenktes Talent und über das Festhalten am eigenen Weg zum Glück.

Und dieser Weg, bei dem sich Broich allzu oft selbst im Wege steht führt den Fußballer zum ersten 1.FC Köln. Broich spielt zwar „nur noch“ 2. Liga, schafft mit dem FC aber den Aufstieg und erlebt glückliche Tage in seiner Wohngemeinschaft.

Das Verhältnis zum Profifußball bleibt dennoch zwiegespalten, was der Film vor allem in einer Sequenz zeigt, in der Aussagen seines Trainers Christoph Daum mit Broichs Statemenst gegeneinander geschnitten werden.

Es ist dann auch folgerichtig Zeit für einen Wechsel. Broich wechselt zum 1.FC Nürnberg, wo er mit Michael Oenning auf einen Trainer trifft, der ihm menschlich nahe ist und die Probleme Broichs mit dem Profigeschäft nachvollziehen kann.

Als es selbst bei seinem Freund Oenning nicht läuft und auch unter dessen Nachfolger Dieter Hecking keine Besserung in Sicht ist, fällt Broich in ein Loch. Es sind depressive Züge, die der einst gefeierte Nationalmannschaftsanwärter annimmt

Und so ist es nur folgerichtig, dass Broich einen Schlußstrich unter das Kapitel Bundesliga setzt. Er sucht das Abenteuer und neue Erfahrungen in Australien. In Brisbane spielt er groß auf und gewinnt zum Ende des Filmes die australische Meisterschaft.

Diese Meisterschaft ist der Schlußpunkt eines mit 135 Minuten etwas zu lang geratenen Filmes.

Für Zuschauer, die sich nicht für Fußball interessieren, ist es teilweise eine Qual den priviligierten Kicker zu sehen, der in Selbstmitleid versinkt, die Schuld nur bei anderen sucht und immer wieder mit seiner Andersartigkeit kokettiert.


Für Fußballfans ist der Film eine tiefe, ungewohnte Einsicht in die Welt des Profifußballs. Die Dokumentation portraitiert einen guten Fußballer, der nicht die große Karriere macht, die ihm einst prophezeit wurde.

Aber gerade die Abbildung eines Spielers, der nicht nur die Sonnenseiten erlebt und sich dabei von der Kamera begleiten lässt, macht „Tom meets Zizou“ zu einem wichtigen Stück Fußballkultur.

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