Empfehlungen: Sportblogschau, Olympia ´36, ein Brief an den Fußball & Tilt Shift

Kollege Jens Peters hat gefragt und viele Blogger haben geantwortet auf die Frage: „Wer wird deutscher Meister 2011?“ Also klicken und gucken: Sportblogschau: Ausgabe 01

Kai Tippmann schreibt auf altravita.com Geschichten aus Sicht eines Deutschen in Italien. Ich habe heute über Twitter durch Zufall seinen Blog gefunden und noch nicht allzu lange rumlesen können, aber der aktuelle Text macht auf jeden Fall Lust auf mehr: Weißt du noch, damals?

Hey, Fußball, bist du noch wach? […] Die Eintrittskarten kamen von der Rolle und man kaufte die einfach so an der Stadionkasse. Wenn ich dich sehen wollte, kontrollierte mir niemand die Hosentaschen und wenn wir uns hauen mussten, schauten die paar Ordnungshüter aus Versehen in eine andere Richtung. Wir mussten das ja auch nicht im Internet dokumentieren, wir haben einfach immer gewonnen und basta. Stars hatten wir keine, aber wir hatten unsere Stars. Olaf Adamczak heiratete die Schwester meines Kumpels. Einem gewissen Dariusz Wosz konnte ich an der Werkbank neben mir erzählen, was ich von seinem Auftritt am Sonntag hielt. Meine Helden hießen Häußler, Wiermann oder Uli Schulze. Die trugen damals noch keinen Namen auf dem Trikot, die erkannte man auch so, weil sie solange für für uns kickten, bis das Kreuzband endgültig schnappte oder das Halbzeit-Bier die Leistung versaute.

Gestern jährte sich die Eröffnung der Olympischen Spiele 1936 zum 75.Mal. Der Deutschlandfunk hat dazu einen 18-minütigen „Hintergrund“ gesendet und online gestellt. Mit vielen O-Tönen und Einordnungen ein sehr hörenswerter Beitrag: Fest des Friedens – Fest der Völker – Fest der Täuschung

Um sich als weltoffen zu präsentieren, entfernten die Nationalsozialisten vor den Olympischen Spielen 1936 alle Anzeichen antisemitischer Hetze aus der Öffentlichkeit. Gleichzeitig schlossen sie die jüdische Hochspringerin Grete Bergmann von der Teilnahme aus.

Auch „Die Zeit“ hat zum Jahrestag Hintergründiges zu den Propagandaspielen veröffentlicht und spart nicht mit Kritik an der Führung des Deutschen Olympischen Sportbundes: Hitlers schrecklich schöne Spiele

Olympia 1936 wird den Sport verändern. In seiner Inszenierung. In seinem politischen Selbstverständnis. Unzählige Diskussionen darüber, wie politisch der Sport sein darf, sein kann, sein soll, nehmen ihren Anfang bei diesen Spielen in Berlin. Und wie sich Olympia einem politischen Regime auslieferte, macht den organisierten Sport noch heute sprachlos. Zum 75. Jahrestag hat der Deutsche Olympische Sportbund nichts geplant. Ihm ist ein anderes Jubiläum eingefallen. 30 Jahre Olympischer Kongress in Baden-Baden und damit Ende des Amateurzeitalters im Sport.

Ebenfalls gestern verstarb der ehemalige St.Pauli-Spieler Harald Stender. „Mit insgesamt 336 Punktspielen zwischen 1947 und 1960 ist er der Spieler mit den zweitmeisten Einsätzen in der damals erstklassigen Fußball-Oberliga Nord, die er alle für den FC St. Pauli bestritt.“ (Quelle:Wikipedia).

René Martens hat ein lesenswertes Portrait Stenders in seinem Blog veröffentlicht: Bonustracks & Outtakes (33)

„Mein Lieblingsspieler aus der heutigen St. Pauli-Mannschaft der 1980er und 1990er Jahre ist Klaus Thomforde. Ich konnte nie verstehen, was manche Leute gegen ihn hatten. Wie der sich in den Dienst der Mannschaft gestellt und es akzeptiert hat, hinter Ippig und Reinke auf der Bank zu sitzen – das war bewundernswert.”

Dieses Bekenntnis Harald Stenders sagt auch viel darüber aus, was für ein Spielertyp er selbst war. Solidität, Einsatzwillen, Zuverlässigkeit – all das hat er 15 Jahre lang am Millerntor verkörpert, bevor er 1960 wegen beruflicher Überbelastung seine Karriere beenden mußte.

 

Die schönen Tilt-Shift-Fotos kommen übrigens von whoateallthepies.tv.

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