Zeuge Hannovas: Die Abgänge

Die Saison ist in den Startlöchern und endlich fängt es auch bei mir wieder an mit der Vorfreude. Während der Sommerpause war ich doch recht entspannt. Ich hab ab und zu mit einem Lächeln im Gesicht an die vergangene Saison gedacht und nur mit einem halben Auge auf das Treiben in Hannover geschaut. Aus Gründen, denn selten hatte ich soviel Vetrauen in die Führung des Vereins wie in den letzten Wochen und Monaten.

Mit Schmadtke und Slomka sind zwei Fachmänner am Ruder, Präsident Kind hat Vertrauen in ihre Arbeit und die Mannschaft ist ehrgeizig und arbeitet harmonisch und zielgerichtet zusammen. Dazu gibt es eine Euphorie in Hanover und um den Verein, die Spaß macht.

Trotzdem soll an dieser Stelle zunächst auf die Abgänge geblickt werden. Mike Hanke habe ich schon „Tschüss“ gesagt. Bei den sechs anderen möchte ich das auch gern tun:

Florian Fromlowitz wird wohl immer einen Platz im Herzen der 96-Fans haben. Schließlich war er es, der auf dem Platz nach dem Tod von Robert Enke die wohl schwerste Last zu tragen hatte. Lange galt Fromlowitz als bester Ersatztorwart der Liga, hatte Enke schon in der Saison 2008/2009 zehn Mal gut vertreten und wurde in der Katastrophensaison 2009/2010 zum wichtigen Leistungsträger, der trotz der schweren Belastungen nach Enkes Selbstmord mithalf die Klasse zu halten. Was aus Hannover 96 geworden wäre, wenn der Verein in Bochum nicht den Abstieg verhindert hätte weiß keiner, aber mit einer großen Portion Dankbarkeit denke ich an die Leistungen der Nummer 27 zurück.

Im Folgejahr war Fromlowitz die Nummer 1. Er hatte die Rückennummer von Enke übernommen, setzte sich gegen Neuzugang Markus Miller durch und war in der Hinrunde Stammtorwart. Der Keeper hielt solide, hatte sich Mätzchen wie übertriebenen Jubel nach gelungenen Aktionen abgewöhnt. Fromlowitz hatte seinen Anteil am Erfolg der „Roten“.

Umso erstaunlicher war es, dass Slomka nach der Winterpause (auf Platz 4 liegend!) den Torwart wechselte und dem jungen Ron-Robert Zieler eine Chance gab. Zieler zahlte mit starken Lesitungen das in ihn gesetzte Vertrauen zurück und so durfte Fromlowitz nur noch drei Mal in das Tor von 96 zurückkehren als Zieler verletzungsbedingt ausfiel.

Nach 58 Pflichtspielen für die Profis und 7 Einsätzen für die U 23 wechselte Florian Fromlowitz zum MSV Duisburg. Dort ist er wieder die Nummer 1 und hat seinen Kontrahenten Yelldell sogar nach Leverkusen vertrieben.

Hoffentlich dürfen wir Fromlowitz schon bald wieder in Liga 1 begrüßen. In Hannover wird ihn – egal mit welchem Club – ein herzlicher Empfang mit viel Applaus erwarten.

Fromlowitz hat einen wichtigen Platz in der Geschichte von Hannover 96. Wie er mit der Situation als Stamm- und Ersatztorwart umgegangen ist, nötigt größten Respekt ab.

  • Mikaell Forssell (unbekannt / ablösefrei)

Kaum zu glauben, aber der finnische Stürmer hat in seiner ersten Saison für 96 in 30 Spielen sieben Tore geschossen und fünf vorbereitet. Keine üerragende Quote, aber wenn man bedenkt, dass er je neun Mal ein- und ausgewechselt wurde, dann ist der Schnitt gar nicht so schlecht – auch wenn einige Elfmeter dabei waren.

Doch die Ein- und Auswechslungen zeigen schon, dass Forssel selbst in seiner ersten Saison nicht über den Status eines Einwechselspielers hinauskam. In der Folgesaison waren es dann – verletzungsbedingt – nur zwei Auftritte im Trikot der Hannoveraner, letzte Saison kam Forssell dann auf zwölf Einsätze: elf Mal wurde er eingewechselt (oft erst in den Schlussminuten), ein Mal durfte er beginnen und wurde nach 60 Minuten gegen die Bayern ausgewechselt. Ein Tor hat der Finne in den beiden letzten Spielzeiten nicht mehr erzielt.

Forssell hatte in Hannover ein ähnliches Problem wie Mike Hanke. Beide verkörpern einen Mittelstürmer klassischen Typs. Forssell hatte dazu das Problem, dass er oft mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Bei seiner Vereinssuche hatte er bisher kein Glück. Medienberichte befürchten gar ein Karriereende.

Einer der besten Kumpels von Forssell in Hannover wurde DaMarcus Beasley. Die beiden kommunizierten viel über ihre Twitter-Accounts und machten sich gern übereinander lustig.

Beasley kam im August 2010 auf Empfehlung von Steven Cherundolo zu den Roten. Der US-Nationalspieler kam als Ersatz für Carlitos, der sich gleich im ersten Saisonspiel das Kreuzband gerissen hatte. Doch als Ersatz für den Portugiesen entpuppte sich Konstantin Rausch, der eine Riesensaison hinlegte und lediglich vier Mal in der zweiten Halbzeit für Beasley das Feld räumen musste.

DaMarcus Beasley hat nach den Stationen PSV Eindhoven, Manchester City, Glasgow Rangers und Hannover 96 Europa Richtung Mexiko verlassen und spielt für den Puebla FC, in der letzten Saison 14. der 1. mexikanischen Liga. Nach seinen Tweets zu urteilen fühlt er sich ganz gut bei mexikanischem Essen am Strand in Cancun.

Willi Evseev ist 19 Jahre jung, wurde in der Jugendabteilung von Hannover 96 ausgebildet und ist der erste Spieler der im Rahmen einer Kooperation zwischen dem österreichischen Bundesligisten SC Wiener Neustadt 08 und Hannover 96 ausgeliehen wurde, um Spielpraxis zu bekommen.

Evseev ist Mittelfeldspieler und galt mit Einsätzen in deutschen Jugendnationalmannschaften schon früh als großes Talent. Im Bundesligakader der „Roten“ hat er keinen Platz gefunden und noch nie ein Pflichtspiel für die Profis bestritten. In der letzten Saison stand er 27 Mal für die U 23 auf dem Feld und erzielte drei Tore. Für Wien läuft er mit der Rückennummer 22 auf und erhofft sich in Österreichs Hauptstadt ein „Weiterentwicklung“.

Der Saisonstart ist aus Evseevs persönlicher Sicht misslungen, denn beim Auftaktsieg gegen Mattersburg stand er nicht auf dem Platz, bei den folgenden Nederlagen wurde er ein- bzw. ausgewechselt. Ich werde Evseev hier im Blog im Auge behalten, denn Jungs die in Hannovers Jugend gespielt haben, die möchte man doch am Liebsten später im Profikader sehen.

Felix Burmeister ist Innenverteidiger. Bei 96 musste er sich hinter den Stammkräften Pogatetz und Haggui, sowie Avevor und Aushilfsinnenverteidiger Schulz einreihen und spielte für die Zweitvertretung der „Roten“, oft auch im Mittelfeld. Im letzten Jahr war er dabei sehr erfolgreich und war mit neun Saisontreffern zweitbester Torschütze des Amateurteams.

Mit Rückennummer 19 sucht er jetzt sein Glück bei Zweitligaabsteiger Arminia Bielefeld – hat sich also um eine Liga verbessert. Zu Beginn der Saison hat er sich einen Stammplatz erkämpft und stand in den ersten drei Pflichtspielen der Arminia über 90 Minuten auf dem Platz.  Ein Wechsel scheint also die richtige Lösung gewesen zu sein.

  • Tim Hofmann (unbekannt / ablösefrei)

Hofmann ist wie Burmeister Innenverteidiger. Seit 2008 ist er mit einem Profivertrag ausgestattet, kam aber lediglich bei Hannover II zum Einsatz. Dort war er Stammspieler, bestritt in den letzten drei Saisons 89 Spiele und erzielte drei Tore. Der Kontrakt bei 96 ist ausgelaufen und Hofmann geht es wie Mikael Forssell: er hat noch keinen neuen Verein.

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