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Zeuge Hannovas: Schwarzbrot-DFB-Pokal oder der Bayern-Kater

Zeuge Hannovas: Schwarzbrot-DFB-Pokal oder der Bayern-Kater

Mittwoch Abend in Hannover. Endlich mal wieder ein Heimspiel im DFB-Pokal und trotzdem kommen nur 30.100 Zuschauern. Das liegt sicherlich an den vielen Highlights, die sich für 96-Fans in diesen Wochen im In- und Ausland bieten. Trotzdem sieht das natürlich komisch aus, wenn man bedenkt wie groß die Chance war, dass man nach vier Jahren endlich mal wieder in das Achtelfinale hätte einziehen können.

Und man hatte das Gefühl, dass neben den 96-Fans auch die 96-Spieler ein Problem hatten sich in Schwung zu probieren. Es war nicht die lauffreudige, agile Mannschaft, die den Bayern so viele Probleme bereitet hatte. Es war von der ersten Minute an ein behebiger Auftritt. Dazu kamen viele Abspielfehler und Unkonzentriertheiten.

Es war über die komplette Spielzeit nicht besonders schön anzusehen – und da schließe ich Mainz 05 mit ein. Ich würde sogar so weit gehen, dass Choupo-Moting der beste 96er war.

Mainz hatte Großchancen die der junge Malli (8.), Caligiuri (27.) und Choupo-Moting (57.) recht freistehend vergaben. Zwischendrin fiel Ujah noch durch eine dumme Schwalbe im Strafraum auf. Wäre er durchgelaufen, hätte er eine klare Einschsschance gehabt.

96 hatte eine Mehrfachchance in der 23. Minute, nach dem Seitenwechsel traf Stoppelkamp zunächst den Ball nicht richtig, so dass Wetklo ebenso parieren konnte wie gegen Abdellaoue. Beim Schuss von Stindl aus 14 Metern reagierte der Keeper dann richtig strak. Bei Pintos Lattenschuss musste der Torwart dann nicht eingreifen.

Es war ein klassisches Null-zu-Null-Spiel, das eigentlich keinen Sieger verdient hatte. Das schöne an KO-Spielen ist aber, das eine Entscheidung her muss. Beim Kick an diesem Mittwoch Abend wollte aber wenig Euphorie aufkommen. Zu zäh war das Gebotene. Leider kein fußballerischer Leckerbissen, eher trockenes Schwarzbrot.

Kurz nach Wiederanpfiff, den sky-Kommentator Mallwitz wie nach jedem Spielbeginn mit den Worten “Mainz in den weißen Trikots begleitete”, trafen die Gäste. Cherundolo hatte Ivanschitz aus den Augen verloren, Zieler das kurze Eck nicht zugemacht und so traf der Österreicher zum 0:1. In der Folge versuchte 96 es weiterhin, aber so richtig wollte es nicht laufen. Pässe über kürzeste Distanzen kamen nicht an. Flanken verschwanden im Nirvana.Ein “Torschuss” landete im Seitenaus. Gefährlich wurde es noch ein Mal nach einer verunglückten Flanke von Stoppelkamp. Fathis abgefälschter Schuss landete knapp neben dem Tor.

96 versuchte es zuletzt mit langen Bällen in Richtung Mainzer Tor. In der allerletzten Situation sprang Fathi ziemlich unnötig Stindl über den Haufen. Schiedsrichter Brych pfiff Elfmeter. Es war so wohl das kürzeste Elfmeterschießen in der Geschichte des DFB-Pokals, denn nachdem Didier Ya Konans schwacher Schuss in die Mitte von Wetklos Fuß abgewehrt worden, beendete des Schiedsrichters Pfiff das Spiel.

Es war ärgerlich. Schade, dass Schlaudraff schon ausgewechselt worden war. Schade, dass Abdellaoue sich den Schuss nicht zutraute – aber vielleicht blieb 96 so eine Elfmeterschießen-Blamage wie einst in Nürnberg erspart, denn im Spiel lief insgesamt so wenig, dass ich keine fünf sicheren Schützen hätte benennen wollen.

Die gesamten 90 Minuten fühlten sich an wie ein schwerer Kater nach einer durchzechten Nacht. Vielleicht war die Schulterklopferei und die Diskussionen nach dem Sieg gegen die unschlagbaren Bayern zu stark. Vielleicht fehlte die Motivation. Vielleicht war das Team kaputt. Oder die Spieler erwischten einfach mal einen kollektiven Ausfall, der trotz des Willens der Akteure nicht abzuwenden ist.

Man mochte den Mainzern eigentlich gratulieren, die in diesem Duell zweier müder Kämpfer den Tick entschlossener wirkten, aber was Thomas Tuchel, der schon während des Spiels durch irren Blick und wirre Wutanfälle aufgefallen war, nach dem Spiel abzog, führte doch zu Kopfschütteln. Er zeigte sich als schlechter Gewinner indem er den Schiedsrichter wegen des Elfmeterpfiffs anging. Unnötig zu sagen, dass das Sympathien kostet. Über solche Aktionen möchte man den Deckmantel des Schweigens legen wie über das gesamte Spiel.

Für Hannover 96 geht es am Samstag in Gladbach weiter. Heimstärke gegen Auswärtsschwäche. Es wäre also wichtig endlich mal wieder zu null zu spielen.

 

 

 

 

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