Die Premiere des „Sportschau-Clubs“

Zu später Stunde nach dem Länderspiel Österreich gegen Deutschland trat Matthias Opdenhövel zur Premiere des „Sportschau-Clubs“ an. In Schlagweite zum Stadion begrüßte er auf halbkreisförmiger, weißer Couch drei Gäste und mit Freude konnte der Zuschauer feststellen, dass es im Gegensatz zum abgesetzten „Waldi Club“ beim neuen Format kein Klatschpublikum gibt, dass sich beim nächsten Kalauer von Matze Knop angetrunken lautstark auf die Schenkel klopft.

Das aufgeräumten Design vor gläserner Kulisse und auch die Gästeauswahl luden zum Zuschauen ein. Gastgeber Opdenhövel hatte zur Premierenausgabe Franz Wohlfahrt, Ralf Rangnick und Oliver Bierhoff auf dem Sofa zu Besuch. Der Moderator versuchte die Diskussion engagiert zu führen und nahm direkt zu Beginn Tempo auf. Er sagte zwar „Wir machen nicht die Analyse der Analyse hier“, zeigte dann aber zum wiederholten Mal an diesem Abend die Tore des Länderspiels. Die Gäste konnten nicht viel Anderes zu den Toren sagen als es schon Scholl und Bundestrainer Löw zuvor getan hatten. Rangnick äußerste zwar deutliche Kritik am Spiel der Nationalmannschaft und meinte, dass bis auf Müller und Khedira kein Feldspieler ein ordentliches Spiel abgeliefert hätten, Opdenhövel hakte aber nicht nach, wie auch später als Rangnick der deutschen Mannschaft nur fünfzehn Minuten passables Spiel bescheinigte.

Danach wollte Opdenhövel auf die EM zurückblicken und setzte zu einer Führungsspielerdebatte an. Dazu lieferte der „Sportschau-Club“ einen Beitrag (mehr oder weniger zum Thema), der wieder Szenen des Abendspiels aufgriff. Später gab es noch einen Rückblick auf die Erfolge von Wohlfahrt mit einem jungen Trainer Joachim Löw, der sich nach dem Pokalsieg von seinen Spielern die Haare scheren ließ. Beides brachte die Diskussion nicht wesentlich voran, weil auch die Gäste nichts Neues beitragen konnten – oder vielmehr wollten.

Bierhoff sprach von „flacher Hierarchie in der ja auch das Wort Hierachie“ stecke. Dazu sei die ganze Debatte nicht mehr zeitgemäß, weil sich die Gesellschaft verändert habe und in der heutigen Zeit Führungsspieler nicht mehr gut ankommen – wie man ja gesehen habe. Hier verpasste Opdenhövel nachzuhaken, denn Bierhoff setzte einen deutlichen Seitenhieb gegen Spieler wie Michael Ballack oder Torsten Frings. Wohlfahrt meinte, dass diese Diskussion nicht angebracht wäre und wollte vielmehr das österreichische Team gelobt wissen, das es der deutschen Mannschaft nicht einfach gemacht habe.

Insgesamt wirkte die Führungsspielerdebatte wie der Austausch von schon oft gehörten Argumenten. Die Gäste sahen die Debatte unisono als nicht zweckdienlich. Opdenhövel selbst nannte die Diskussion eine „Luxusdebatte“ und versuchte das Gespräch dennoch mit viel zu langen Fragestellungen und Argumentationen aus dem Boulevard am Leben zu halten.

Der „Sportschau-Club“ ist von der Hülle her gelungen. Design und Gesprächssituation gefallen. Auch Publikum und Comedians werden nicht vermisst. Leider fehlt noch klare Kontur. Opdenhövel verstrickte sich noch zu oft in langen Fragen und schaffte es wiederholt nicht auf die Äußerungen seiner Gäste einzugehen.

Größtes Manko war aber die Themensetzung. Eine bereits veraltete Debatten neu aufzuwärmen ist wenig kreativ. Lieber sollten neue Diskussionen gewagt werden. Vielleicht sollte man auch nicht nur über das deutsche Team reden, zumindest die kommenden Gegner zu erwähnen wäre eine Pflicht gewesen.

Dann könnte der „Sportschau-Club“ lange WM-Qualifikationsabende gelungen abrunden ohne zu nerven wie es das Vorgängerformat zu oft tat. Es bleibt abzuwarten wie sich Delling und Beckmann im Club schlagen und welche Gäste in Zukunft zu Gast sind.

Potential ist da. Die Moderatoren und die Redaktion müssen nur deutlich mutiger bei der Themensetzung sein, um auch mal Kontroversen auszulösen und die Gäste aus der Reserve zu locken. Nur so kann der Zuschauer einen größeren Nutzen aus der Sendung mitnehmen und Erkenntnisgewinn sammeln.

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