Reeses Sportkultur

“Regeln für Zuschauer und Schlachtenbummler”

“Regeln für Zuschauer und Schlachtenbummler”

Innenminister, Vereinspräsidenten, Journalisten, Fans – irgendwie machten sich viele Menschen – vor allem vor Mikrofonen – Gedanken um das Verhalten auf den Rängen. Schnell wird nach härteren Strafen gerufen, nach mehr Kontrollen oder gleich nach Abschaffung von Stehplätzen.

Aktuell ist eine Diskussion um das Konzept “Sicheres Stadionerlebnis” entbrannt, die hoffentlich ernsthaft nach einem Überleben der Fankultur strebt und nicht einfach nur nach Regeln für Fans sucht, denn der Irrglaube, dass die Fans Verursacher der Probleme sind ist ein Trugbild.

Eine Diskussionsgrundlage könnte dabei ein altes Stück Papier sein. Schwimmen ja eh alle auf der Retrowelle – warum nicht auch die Fußballfans? Das Schriftstück ist schon älter als die Bundesliga und wurde in Hannover für die Fans von 96 entwickelt. Die Wortwahl und die Zahl der Ausrufezeichen könnten an einigen Stellen irritierend wirken, aber wenn man sich nur auf den reinen Text einlässt, dann kann man aus meiner Sicht bei vielen Punkten nur zustimmend nicken.

Zwölf goldene Regeln für Zuschauer und Schlachtenbummler

1.Begeisterung in Ehren, aber halte bei aller Freude über einen Erfolg deiner Mannschaft immer Maß!

2. Unterstütze deine Mannschaft nach Kräften, aber erkenne auch gute Leistungen des Gegners an!

3. Sei fair in deinen Beifallskundgebungen! Verletze hierbei nicht die Gefühle des Gegners und seiner Anhänger

4. Werde nicht überheblich und arrogant, wenn deine Mannschaft gewonnen hat.

5. Unterlasse alle gehässigen Zurufe – auch dann, wenn nach deiner Meinung der Gegner Foul spielt! Lerne unterscheiden zwischen Härte und Foulspiel.

6. Mit herausfordernden Rufen und Sprechchören, sowie schlechtem Benehmen, hilfst du nicht deinem Verein, sondern schadest ihm!

7. Beachte Bitten und Anordnungen, die durch den Lautsprecher bekannt gegeben werden!

8. Spieler und Trainer sind dir für jede im sportlichen Rahmen bleibende Anfeuerung dankbar!

9. Verdamme nicht gleich den Schiedsrichter, wenn er nach deiner Meinung falsch entschieden hat!

10. Jeder überhebliche Vereinsfanatismus schlägt wie ein Bumerang zurück: Er bringt keinerlei Nutzen, aber großen Schaden!

11. Mach durch dein Benehmen nicht die Spieler der eigenen Mannschaft nervös! Lass sie vor dem Spiel und während des Spiels in Ruhe! Habe vor allem Geduld mit unseren jungen Spielern!

12. An deinem Benehmen als Zuschauer auf dem Sportplatz erkennt man deinen Charakter. Mit schlechtem Benehmen blamierst du nicht nur dich selbst, sondern auch deinen Verein; mit gutem Benehmen aber legst du Ehre ein für den HSV von 1896.

Entnommen den Hannover 96-Vereinsmitteilungen aus dem April 1961. Abgedruckt in Ben Redelings “Halbzeitpause: Die Fußball-Klolektüre” (Affiliate Link).

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2 thoughts on ““Regeln für Zuschauer und Schlachtenbummler”

  1. Klaas Reese Post author

    Guter Punkt. Ich glaube aber, dass es schon reichen würde hier gegen Vandalismus und für eine Mitnahme von Müll aufzurufen. Gegen einen inbrünstigen Fangesang kann einfach niemand etwas haben.

  2. bunkinho

    Schöne Regeln. Ergänzen sollte man vielleicht noch. Versuche auf Auswärtsfahrten in den Zügen der Deutschen Bahn deinen Lärmpegel auf ein solches Maß zu reduzieren, dass dein Ausdruck purer Lebenfreude von anderen Mitreisenden nicht als störend, belästigend oder gar bedrohlich empfunden wird.

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