Ein unbekanntes Gefühl

Einmal in Berlin sah ich ein Fußballspiel in der hölzernen Business Loge – was das Spiel leider nicht besser gemacht hat. Auch nicht die Schweinekälte in Osnabrück, als der Dicke auf dem Zaun sich auszog und an einem Masten herunterrutschte. In Dortmund stand ich mal auf der Südtribüne – für 150 €uro auf vollgeschissenen grauen Sitzen und Italien siegte. In Frankfurt mussten wir weit um das Stadion herumlaufen. In Bochum war die ganze Gästekurve rot. In Wolfsburg gab es einen Spielplatz im Stadion. In Bremen sahen wir schlecht im Gästeblock. Auch am Aachener Tivoli nervte eine Glaswand zur Haupttribüne. In München hockte ich an langen weißen Pressetischen und trank in der Halbzeit Weißbier im Pressesaal. In Nürnberg schenkte der Präsident allen Stadionbesuchern – auch den Gästefans – eine Leberwurstsemmel und ein Bier, um sich danach im Cabrio sitzend über die Tartanbahn fahren zu lassen. In Freiburg wäre das Spiel ob des plötzlichen Schneefalls am Morgen beinahe ausgefallen – doch Fans räumten Spielfeld und Tribünen. Auf Schalke gab es Pappe zum Biertragen. Am Mainzer Bruchweg war die Einlasssituation zwar Mist, aber man stand fast auf Höhe der Mittellinie. St. Pauli hatte lange viel Holz in der Hütte, in Düsseldorf hat es bunte Sitze. Beim Hamburger Sportverein zahlt man viel für Sitzplätze und muss schwindelfrei sein. In Oberhausen kann man auch draußen auf dem Hügel stehen, um das Spiel zu verfolgen. Alkoholfreies Krombacher in Bielefeld war schon fies, alkoholfreis Kölsch in Köln ging gar nicht. Dafür kann man in Gladbach in der Ytong-Arena Jever trinken. In Koblenz lagen wir bei Radler auf den rasenbewachsenen Stufen und schauten auf Felswände. So wie in Elversberg. In Rostock blickten wir durch ein Wurfnetz. In Karlsruhe dafür freie Sicht in der Kurve ohne Dach. In Unterhaching traf ich im “VIP-Raum” den arbeitslosen Armin Veh.

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen und ich könnte mich an viele Besuche in unterschiedlichstenen Stadien erinnern. An viele Details. Kleine Geschichten. Hübsche Episoden. Nur an eines kann ich mich nicht erinnern: an ein Gefühl der Angst im Stadion.

Ich fühle mich sicher in deutschen Fußballstadien. Deshalb findet man meinen Namen in dieser Liste. Fühlst du dich auch sicher? Dann trage dich doch auch bei “Ich fühl mich sicher” ein, denn es ist Zeit ein Zeichen zu setzen, um Diskussionen zu versachlichen.


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4 Gedanken zu „Ein unbekanntes Gefühl

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