„Offensive Manolo“ – Wahlkampf mit Spielmannszügen in Hannover

Matthias Waldraff ist Kandidat für das Bürgermeisteramt in Hannover. Der CDU-Politiker tritt in der Landeshauptstadt an, um die jahrzentelange Vorherrschaft der SPD zu brechen. Auch wenn der ehemalige OB Stephan Weil nun Ministerpräsident Niedersachsens ist und der SPD-Kandidat also keinen  Amtsbonus besitzt, so ist es für Waldraff scheinbar trotzdem schwer Argumente für die Wahl seiner Person zu finden. Zu ähnlich sind die Programme der Spitzenkandidaten.

Deshalb versucht der Rechtsanwalt aus Aalen nun mit  Vorschlägen Aufmerksamkeit zu generieren. Wo geht das besser als mit einer Idee für den örtlichen Bundesligisten Hannover 96? Der Club ist beliebt wie nie und die Hannoveraner bekennen sich seit einiger Zeit auch öffentlich zu ihrem Verein. Nur diese Ultras machen immer wieder Probleme. Zumindest wenn man der örtlichen Presse aus den Häusern Springer und Madsack Glauben schenken will.

Waldraff will deshalb mit Hilfe von Spielmannszügen von Schützenvereinen und Kapellen von Feuerwehren eine „Gegenkultur“ zu den Ultras aufbauen. (Immerhin erkennt er damit an, dass die Ultras ein Kulturgut sind.) Den Ultras soll also gehörig der Marsch geblasen werden. Klatschmarsch statt Fangesang. Fehlt nur noch Klatschpappenunterstützung, um das Bild vom Fan als Klatschvieh auf ein neues Niveau herunterzuziehen.

„Meine Idee ist eine Gegenkultur zu den Ultras aufzubauen, die glauben, ihr größtes Kapital wäre es im Stadion allein für Stimmung sorgen zu können.“

Die Musiker sollen in verschiedenen Blöcken im ganzen Stadion verteilt werden. Man müsse dann halt nur in Kauf nehmen, dass 96 weniger Tickets zu verkaufen hätte. Die Musiker bräuchten schließlich auch einen Platz. Sie sollen so laut spielen, dass die Ultras nicht mehr zu hören sind. Waldraff will ihnen damit zeigen, dass die Stadionbesucher selbst in der Lage sind für Stimmung im NiedersachsenstaHDIon zu sorgen.

ManoloDie Idee kam dem Politiker übrigens durch eine Erinnerung an den Gladbacher Trommler Manolo. Der türkische Fußballfan hat von 1977 bis 2002 am Bökelberg seine Borussia angefeuert. Deshalb stellte er seinen Vorschlag auch unter die Überschrift „Offensive Manolo“.

Ich befürchte Manolo würde sich im Grabe umdrehen, wenn er von der Idee des Wahlkämpfers hören würde. Schließlich kam er ohne Aufforderung der Politik mit einer Trommel ins Stadion. 

Traurig ist zudem auch, dass Waldraff nicht mal merkt, dass seine Idee zeigt, dass er offensichtlich der Meinung ist, dass ohne Ultras keine Stimmung im Stadion aufkommen würde. Sonst würde er wohl nicht für musikalische Unterstützung von außerhalb werben. Außerdem fragt man sich wie denn wohl die Zuschauer in den Blöcken reagieren würden, wenn neben ihnen Trompeten, Lyren und Querpfeifen organisiert zum Einsatz kämen. In den Sitzplatzbereichen käme erschwerend hinzu, dass kein Mensch im Sitzen trommelt.

Ich will an dieser Stelle gar nicht verhehlen, dass Spielmannszüge im deutschen Fußball eine Geschichte haben. Legendär sind Halbzeitauftritte oder die Begleitung der Nationalhymne durch Musikkapellen. Aber der organisierte Einsatz, der nicht aus der Fanszene selbst, sondern von außerhalb oktroyiert wird ist schon im Ansatz die falsche Idee.

Selbst Martin Kind hat laut HAZ geäußert, er würde den Vorschlag eher „defensiv beurteilen“. Halleluja!

Die Oberbürgermeisterwahl in Hannover findet am 22.September statt. Also noch ein wenig Zeit für den Kandidaten, um neue Vorschläge zu entwickeln. Vielleicht kann man ja einfach auch während des Spiels die Musik so laut laufen lassen wie vor dem Spiel. Unterhalten kann sich dann kein Mensch und man singt höchstens mit. Für Herrn Waldraff könnte man auch einen Radetzky Marsch abspielen. Man weiß ja schließlich um die motivierende Wirkung von Märschen…

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4 Gedanken zu „„Offensive Manolo“ – Wahlkampf mit Spielmannszügen in Hannover“

  1. bei den Ideen weiss man nicht ob man lachen oder weinen soll. Lieber Ultras und selbst angestimmte Gesänge als so ein Mist „vom band“ durch Kapellen. Der Fussball geht immer mehr zu grunde, nicht weil es „die bösen“ ultras gibt, nein weil sich leute in den Fussball einmischen die ausser VIP logen kein wahres fanleben kennen.

    Und das man Manolo nun auch noch mit einbezieht in den Wahlkampf ist unter aller sau.

  2. Den Namen „Manolo“ für so einen Müll zu missbrauchen, ist schon ungeheuerlich! 🙁

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