EM-Momente (I): Rührung

Dimitri Payet

»L´Homme du match, l´homme du soir, Dimitri Payet!«, brüllten die Kommentatoren des französischen Senders TFI in ihre Mikrofone. 14 Sekunden vorher hatte eben dieser Payet den Ball kurz hinter dem Mittelkreis behauptet und über Kingsley Coman kam der Ball zu Bacary Sagna. Sagna hatte den Ball weit draußen nah zur Eckfahne und spielte ihn ein paar Meter nach hinten zurück zu Coman, der sich vor der Strafraumkante um seinen Gegenspieler drehte und zu N´Golo Kanté passte. Kanté nahm kurz mit rechts an, spielte den Ball mit demselben Fuß flott Richtung Strafraum, wo ihn Dimitri Payet durch seine Bewegungen zwischen den rumänischen Abwehrlinien angefordert hatte.

Payet nimmt den Ball nun mit rechts so an, dass er direkt in seinem Laufweg liegt. Drei rumänische Gegenspieler sehen die Gefahr, zwei verharren an der Strafraumlinie wie in Schockstarre, einer bestürmt den französischen Mittelfeldspieler. Doch Payet ist nicht mehr aufzuhalten. Mit ganz kurzen schnellen Trippelschritten und einem längeren Schritt neben den Ball erreicht er den perfekten Moment für einen Schuss mit dem linken Fuß. Sein rechter Arm, den er weit ausgestreckt hatte, schnellt Richtung Hüfte herunter, als würde dadurch eine Katapultwirkung ausgelöst. Mit ganz leichtem Drall fliegt der Ball durch den Strafraum, überquert die Torlinie maßgenau dort, wohin Jungen im Trikot ihrer Stars auf dem Bolzplatz zielen, wenn sie sich ausmalen, wie es  wohl wäre, wenn sie einmal bei einer Europameisterschaft ein Tor erzielen würden. Kurz unter dem linken oberen Lattenkreuz zischt Payets Ball ins Netz.

Payet breitet die Arme aus und rennt parallel zur Strafraumlinie. Er spannt beide Arme an, schreit seine Freude heraus und rennt. Seine Augen sind weit aufgerissen, emotional überwältigt kämpft Payet mit den Tränen und rennt. Payet rennt bis ihn sein Mitspieler Giroud zu Boden schubst. Der Torschütze liegt nun unter einem Berg von Menschen und als die Franzosen ihren Mitspieler wieder freigeben, bleibt dieser liegen und kommt erst langsam wieder auf die Beine. Giroud rüttelt ihn kurz und freundschaftlich, Sagna nimmt Payet in den Arm. Es sieht aus, als ob er ihn trösten müsste.

Eine Minute vor Ende der offiziellen Spielzeit hat Dimitri Payet das spielentscheidende Tor beim EM-Eröffnungsspiel geschossen. Drei Minuten später wird er unter dem Jubel des Publikums im Stade de France ausgewechselt. Der 29-jährige hat Tränen in den Augen. Überwältigt von der Schönheit des Moments ist er gerührt und rührt die Menschen, die den Gerührten betrachten.

 Payet-Tears

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