Interview-Podcast: Jan C. Rode über “Vorwärts nach weit”

Vorwärts nach weit: Hannover 96 – 10 Jahre 1. Bundesliga - so heißt ein neues Buch über Hannover 96. Geschrieben hat es Jan Christian Rode, der freundlicherweise für ein Interview zur Verfügung stand. Das Interview gibt es als Text und am Ende dieser Seite als Interview-Podcast.

Jan, warum braucht es ein Buch über die letzten zehn Jahre von Hannover 96?

Es ist ein großer Erfolg für Hannover 96 jetzt seit zehn Jahren am Stück in der obersten deutschen Spielklasse zu spielen und ich habe mir gedacht, dass es auch ein schönes Jubiläum für Fans ist, die seit dem Aufstieg 2002 in die 1. Bundesliga Fans von Hannover 96 sind.

Du hast dir also gesagt nach dem Aufstieg aus der 2.Liga ist das eine Marke gewesen für 96, an der sich dann auch einfach viel verändert hat. 

Ganz genau. Also ich fand es selbst spannend was sich getan hat in den letzten Jahren rund um den Verein: der Stadionausbau, welche Spieler in den letzten zehn Jahren bei 96 gespielt haben, egal auf welcher Position und ich wollte diese Erinnerungen, die ich im Laufe der vergangenen zehn Jahre als glühender Fan von Hannover 96 und natürlich auch  als Redakteur des Fanmagazins Notbremse angesammelt habe der Öffentlichkeit, den Fans und den Sympathisanten von den “Roten” zugänglich machen.

Das heißt du hast vor allem aus der eigenen Erinnerung geschrieben, aus Aufzeichnungen in der Notbremse oder wie bist du rangegangen an das Buchprojekt?

Die Idee kam mir ungefähr 2008 als ich in Wolfsburg gearbeitet habe und dort in der Geschäftsstelle zu tun hatte. Dort im Aufgang waren Mannschaftsposter des VfL Wolfsburg seitdem sie in der 1.Liga gespielt haben und  so reifte die Idee bei mir. Ich hab mich dann am Ende der erfolgreichen letzten Saison als die Roten um den Europapokaleinzug und  die Champions League Qualifikation mitgespielt haben daran gemacht das Buch zu schreiben. Natürlich hat mir mein Notbremse-Archiv mit über 50 Ausgaben sehr geholfen die Geschichten noch mal aufleben zu lassen und das dann mit meinen Erinnerungen zusammenzubringen.

Schon relativ ungewöhnlich, dass du dir ausgerechnet beim VfL Wolfsburg die Inspiration geholt hast…

(Lacht) Ja gut. Ich mag den VfL Wolfsburg jetzt natürlich nicht so sehr, weil die Roten die Nummer 1 im Norden sind und für mich natürlich auch in ganz Deutschland, aber dafür hat es sich dann gelohnt in Wolfsburg zu arbeiten und diese tolle Idee zu haben.

Das stimmt wohl. Du hast jetzt in deinem Buch wenig Statistiken. Es gibt zwar zu jeder Saison die Spieler mit den meisten Einsätzen, Karten und Toren und auch die Platzierungen, aber du hast dir immer bestimmte Geschichten ausgesucht. Was waren die Kriterien für die Auswahl der Geschichten?

Ich hab mir immer anhand der Notbremse oder anderer Medien angeschaut und in meinen Erinnerungen gekramt. Dann hab ich mir verschiedene Überschriften zusammengeschrieben und dann die Highlights ausgewählt.

Auf die Statistiken habe ich verzichtet, weil man das im Internet viel besser nachschauen kann. Mir war halt wichtig, dass das schnell rauskommt und auch noch eine gewisse Aktualität hat in dieser Saison hat.

Du hast jetzt die letzten 10 Jahre durchgeguckt und wahrscheinlich auch selber Punkte gesehen, die dich überrascht haben. Was waren denn Geschichten wo du gedacht hast: “Mensch! Das wusste ich gar nicht mehr?”

Wenn man sich den Mittelbau der 10 Jahre anschaut, dann hatten wir da eine ziemliche Stagnation. Wir haben sehr früh im Umfeld bei 96 von einem Europa League Einzug geträumt, aber das waren alles Fata Morganas.

Das hat mich schon überrascht, das man so früh auch als Fan selber schon heiß drauf war europäisch zu spielen und diese Ansprüche an das Umfeld, den Betreuerstab, die Trainer und die Spieler geäußert hat.

Das heißt: da kann der 96-Fan vielleicht auch was draus lernen?

Natürlich kann er da was draus lernen: man muss den Moment genießen. Ich denke das tun auch alle 96-Fans, auch wenn es jetzt wieder nach Belgien geht. International zu spielen ist eine tolle Sache.

“Vorwärts nach weit” ist als eBook rausgekommen. Hast du Ambitionen das Buch auch noch in gedruckter Form herauszubringen?

Die Ambition hatte ich von Anbeginn an. Ich hab auch mit verschiedenen Verlagen schon verhandelt bevor das eBook rauskam. Die Verlage hatten aber aus den unterschiedlichsten Gründen keine Kapazitäten mehr frei, um das Buch nun zu verlegen.

Um noch ins Weihnachtsgeschäft zu kommen und um den 96-Fans ein Weihnachtsgeschenk zu machen habe ich es als eBook rausgebracht. Nach Erscheinen habe ich aber sofort über Twitter, per Mail und im Fanmagazin Anfragen bekommen und ich arbeite aktuell an einer Buchveröffentlichung – vielleicht mit Sponsoren von Hannover 96.

Besonders auffällig ist der Titel des Buches: “Vorwärts nach weit”. Das kennen vielleicht einige auch außerhalb Hannovers, weil dieser Spruch auf einem großen Banner in der Nordkurve im Niedersachsenstadion hing als es Richtung Europapokal ging. Aber warum ist dieser Titel in Hannover so verbreitet und warum hast du ihn dann gewählt für dein Buch?

“Vorwärts nach weit” ist eine sehr schöne Überschrift, die aus der Fanszene kam und dieses tolle Plakat wollte ich mit der Verwendung ehren. Es beschreibt auch den Weg den Hannover 96 in den letzten zehn Jahren beschritten hat vom Aufsteiger über die graue Maus bis zum ambitionierten Verein, der jetzt wirklich in der europäischen Spitzenklasse mitspielt.

Darüber hinaus wurde der Spruch auch vom Dada-Künstler Kurt Schwitters geprägt in einer verqueren Übersetzung von Hannover. Wenn man Hannover rückwärts liest, dann kommt da “Reh von nah” raus und davon hat Schwitters “Vorwärts nach weit” abgeleitet.

Es ist also ein typisch hannöverscher Ausspruch.

Ein typisch hannöverscher Ausspruch bei dem Sport und Kultur zusammen kommen. Fantastisch. 

Zum Abschluss noch ein kurzer Ausblick von dir: 96 spielt aktuell international und in der Bundesliga liegt das Team auf Platz 7. Was glaubst du: was ist für die Roten in der Rückrunde noch drin?

Leider gibt es bei 96 aktuell große Verletzungssorgen. 7 Spieler sind verletzt oder beim Afrika-Cup. Als Fan muss man also Geduld haben.

Ich vermute, dass in den nächsten Wochen die Priorität auf den Europapokal gelegt wird und wenn die Verletzten zurückkommen, dann kann auch in der Liga wieder angegriffen werden.

Hast du dann noch einen Plan das Buch nach dieser Saison fortzusetzen?

Wenn die Printauflage kommt, dann werde ich den Text aktualisieren. Bisher endet das Buch kurz nach Saisonstart. Ich denke mit der Fortentwicklung des eBook-Marktes ist es auch immer wieder möglich, dass man da Updates macht.

Dabei wünschen wir dir viel Erfolg bei deinem Buchprojekt und bedanken uns für das Gespräch.

Dankeschön.

Das Buch “Vorwärts nach weit” von Jan Christian Rode könnt ihr aktuell online bestellen.  Nicht nur wegen der Texte absolut lesenswert, sondern auch wegen der gute gewählten Bilder.

Alle Infos zu Autor und Vetriebswegen findet ihr auf der-medienlotse.de.

*Wer über die Links zu Amazon bestellt unterstützt ReesesSportkultur.de mit einer Provision vom Online Buchhändler. Vielen Dank.

Play

Podcast: “Tom meets Zizou – Kein Sommermärchen” – Eine Rezension

Der Film “Tom meets Zizou – Kein Sommermärchen” in der Kritik. Zum Lesen (mit Videos) hier und zum Nachhören als Podcast unten:

Fußballprofi zu werden ist schwer. Im Falle von Thomas Broich müsste es wohl aber heißen: Fußballprofi zu sein ist schwer.

Denn Thomas Broich ist zwar ein guter Fußballer und schaffte schon früh den Sprung ins Profigeschäft, aber der ganz große Erfolg bleibt ihm verwehrt, denn das Fußballgeschäft und Thomas Broich – das passt irgendwie nicht zusammen.

Broich hat – im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen nicht nur den Fußball im Kopf. Nein, er liest Bücher, er macht sich Gedanken über Ethik, Moral und worum es im Leben wirklich geht. Er spielt Klavier oder Gitarre und dass er auf Autofahrten schon mal Carl Orff hört, trägt ihm bei seinen Teamkollegen den Spitznamen „Mozart“ ein.

So sticht Broich nicht nur fußballerisch sondern auch als Person aus der homogenen Masse der Fußballprofis heraus und wurde wohl auch deshalb für den Filmemacher Aljoscha Pause interessant, der Thomas Broich ab 2003 mit der Kamera begleitet hat.

Aus den Aufnahmen ist eine Langzeit Dokumentation entstanden, die Broich bei seinem rasanten Aufstieg begleitet. Der Mittelfeldspieler steigt mit seinem Verein Wacker Burghausen in die zweite Liga auf, sorgt auch dort für Furore und findet so seinen Weg in die Bundesliga zu Borussia Mönchengladbach. Auch dort macht Broich positive Schlagzeilen und gilt neben Schweinsteiger, Lahm und Podolski als große Hoffnung für die WM 2006, was ihm auch einen Besuch im Aktuellen Sportstudio beschert.

Broich kokettiert in dieser Zeit mit seinem Image des „anderen Fußballprofis“. Er wird von den Medien gefeiert und ist auf dem Weg ein erfolgreicher Fußballer zu werden.

Doch dann verlässt den Jungprofi scheinbar das Glück. In Gladbach läuft es nicht mehr für den Verein, Broich kommt mit dem neuen Trainer nicht klar und in den Medien wird das zuvor positive Mozart-Image gegen ihn gewendet.

In dieser Situation wird der Film „Tom meets Zizou“ spannend und verdient sich seinen Titel „Kein Sommermärchen“, denn in dieser Zeit werden die Schattenseiten den Fußballgeschäfts aufgedeckt.

Broich äußert sich ganz offen. Spricht vor der Kamera über seine Probleme als Profi und lässt so einen Einblick in die sonst so glitzernde Fußballwelt zu, der einem normalerweise verwehrt bleibt.

Dazu spielt es dem Film in die Karten, dass Broichs Karriere keine lineare Erfolgsstory ist.
Es ist eine Geschichte über große Hoffnungen und Selbstüberschätzung. Ein Film über Erfolg und gnadenloses Scheitern. Es ist eine Dokumentation über verschenktes Talent und über das Festhalten am eigenen Weg zum Glück.

Und dieser Weg, bei dem sich Broich allzu oft selbst im Wege steht führt den Fußballer zum ersten 1.FC Köln. Broich spielt zwar „nur noch“ 2. Liga, schafft mit dem FC aber den Aufstieg und erlebt glückliche Tage in seiner Wohngemeinschaft.

Das Verhältnis zum Profifußball bleibt dennoch zwiegespalten, was der Film vor allem in einer Sequenz zeigt, in der Aussagen seines Trainers Christoph Daum mit Broichs Statemenst gegeneinander geschnitten werden.

Es ist dann auch folgerichtig Zeit für einen Wechsel. Broich wechselt zum 1.FC Nürnberg, wo er mit Michael Oenning auf einen Trainer trifft, der ihm menschlich nahe ist und die Probleme Broichs mit dem Profigeschäft nachvollziehen kann.

Als es selbst bei seinem Freund Oenning nicht läuft und auch unter dessen Nachfolger Dieter Hecking keine Besserung in Sicht ist, fällt Broich in ein Loch. Es sind depressive Züge, die der einst gefeierte Nationalmannschaftsanwärter annimmt

Und so ist es nur folgerichtig, dass Broich einen Schlußstrich unter das Kapitel Bundesliga setzt. Er sucht das Abenteuer und neue Erfahrungen in Australien. In Brisbane spielt er groß auf und gewinnt zum Ende des Filmes die australische Meisterschaft.

Diese Meisterschaft ist der Schlußpunkt eines mit 135 Minuten etwas zu lang geratenen Filmes.

Für Zuschauer, die sich nicht für Fußball interessieren, ist es teilweise eine Qual den priviligierten Kicker zu sehen, der in Selbstmitleid versinkt, die Schuld nur bei anderen sucht und immer wieder mit seiner Andersartigkeit kokettiert.


Für Fußballfans ist der Film eine tiefe, ungewohnte Einsicht in die Welt des Profifußballs. Die Dokumentation portraitiert einen guten Fußballer, der nicht die große Karriere macht, die ihm einst prophezeit wurde.

Aber gerade die Abbildung eines Spielers, der nicht nur die Sonnenseiten erlebt und sich dabei von der Kamera begleiten lässt, macht „Tom meets Zizou“ zu einem wichtigen Stück Fußballkultur.

Play

Hauptsache Fussball: Teil 2 – Interview

Vorgestern habe ich hier die DvD “Hauptsache Fussball” vorgestellt.

Für die Rezension habe ich ein längeres Gespräch mit Filmemacher Andreas Bach geführt. Teile des Interviews mit Filmemacher Andreas Bach waren schon zu hören. Das komplette Interview gibt es nun hier. Bach  spricht über seine Beweggründe den Film zu machen, erzählt von den Dreharbeiten, berichtet von Problemen mit dem 1.FC Köln und denkt laut laut über einen zweiten Teil von Hauptsache Fußball – Junge Profis auf dem Weg ins Spiel (Affiliate Link) nach.

Play