Zeuge Hannovas: Rückrundenvorschau 2012

Die Bundesliga startet in die Rückrunde und es erwarten alle Fans unglaubliche Anspannung, vielleicht sogar Angst, weil nicht klar ist wohin der Weg geht.

Zum Glück kann man per Webcam die Kröpcke-Uhr im Stadtzentrum Hannovers beobachten. Mit geübtem Auge kann so die Zukunft des wohl sympathischsten Fußballclub aus der schönsten Stadt der Welt zweifelsfrei vorausgesagt werden:

Januar 2012

Nachdem die Roten gegen Hoffenheim verletzungsbedingt nur mit acht Feldspielern antreten können (die Spielberechtigung für “Mille” Gorgas trifft zu spät ein), reicht es in Sinsheim nur zu einem 1:1-Unentschieden. Den Treffer zum Ausgleich in der 88. Minute erzielt Markus Miller. Samuel Radlinger tritt die entscheidende Ecke.

Das folgende Heimspiel kann dann gewonnen werden. Zu zehnt siegt 96 knapp mit 1:0. Hanno Balitsch trifft und lässt sich vor der Nordkurve feiern.

Auch Dieter Hecking ballt kurz die Faust. Setzt dann aber schnell den Grinch-Blick auf.

Februar 2012

18.096 Hannoveraner begleiten ihren Verein in die Hauptstadt. Bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich gefrieren ihnen die Literbecher mit Bier. Die Berliner sind noch immer böse auf 96, weil die Champions League nach einem 0:0 im letzten Spiel der Saison 2004/2005 zwischen beiden Teams verpasst wurde. Menno.

Altin Lala in Galaform sorgt im Alleingang für den ungefährdeten Auswärtssieg.

Bei Mainz 05 kommen zum Heimspiel gegen den Fünftplatzierten aus Hannover 34.034 Zuschauer – mehr als doppelt so viele wie bei der Qualifikation zur Europa League gegen Gaz Metan Medias. Obwohl die Gastgeber nach einem Abseitstor gewinnen, springt Thomas Tuchel zunächst im Karree, dann im Dreieck und anschließend im Carré. Erst kurz vor Weiberfastnacht kann er wieder eingefangen werden.

An Weiberfastnacht spielt 96 – im Gegensatz zu Mainz – im Europapokal. Christoph Daum kommt mit dem FC Brügge nach Hannover. Daum war beim Spiel in Berlin und lässt mit absolut reinem Gewissen zwei Mann gegen Altin Lala Manndeckung spielen. Der Albaner genießt die Aufmerksamkeit auf der Ersatzbank. Für die Roten trifft Schlaudraff dreifach. Alle Tore werden zum “Tor des Monats” nominiert. Der Stürmer schafft es so nach Günther Netzer und Karl-Heinz Rummenigge als dritter Spieler zwei Mal in Folge das “Tor des Jahres” zu erzielen.

Nach dem ungefährdeten Heimsieg gegen den VfB Stuttgart (5:0) bietet sich Fredi Bobic prophylaktisch an, um wieder als Kolumnist für die “Neue Presse” zu schreiben. Die NP lehnt ab und investiert lieber endlich in die Fortbildung der Sportjournalisten. Nach dem Auswärtssieg in Brügge (0:2) meint Christoph Daum, dass er sich durchaus vorstellen könne Nachfolger von Mirko Slomka zu werden. Die Presseleute halten es für einen Witz und brechen in schallendes Gelächter aus. Daum blickt irritiert mit weit aufgerissenen Augen durch den Pressesaal. Sein Frau verteilt Hanuta.

März 2012

Gegen Augsburg endet das Heimspiel torlos. Steven Cherundolo bestreitet sein 366. Spiel für Hannover und überholt Karsten Surmann.

Danach müssen die Roten wieder nach Lüttich. Dieses Mal müssen die Fans sich nur mit Radlerhosen, Plastiksandalen und Unterhemden bekleidet in verdunkelten Bussen im Schrittempo ab der deutsch-belgischen Grenze auf den Weg zum Stadion machen. Den Weg in den Block beschleunigen gezielte Salven aus dem Wasserwerfer. Zum Glück trocknen die Radlerhosen schnell. Während des kompletten Spiels kreisen ein halbes Dutzend Hubschrauber über dem Stadion. Fangesänge oder der Kommentator können die zwölf Millionen Zuschauer in Deutschland nicht hören. Nur beim Torjubel von Lars Stindl sind die mitgereisten 96er lautstark zu vernehmen. Die Hymne von Standard wird erneut adoptiert.

In Bremen treffen Ya Konan und Abdellaoue doppelt. Auf der Tribüne wird gefilmt wie Joachim Löw den Namen Wiese aus einer Liste streicht.

Im Rückspiel gegen Lüttich reicht ein Pinto-Hammer zum Weiterkommen. Das Niedersachsenstadion explodiert förmlich nach dem Tor und selbst die Belgier erheben sich zu Standing Ovations als Carlitos und Leon Andreasen kurz vor Schluss eingewechselt werden.

Gegen den 1.FC Köln reicht eine schlechte Leistung zu einem 4:0-Sieg. Lukas Podolski steht noch lange nach Abpfiff im Innenraum, genießt die Stimmung und sagt ins Mikrofon, dass er in der kommenden Saison lieber in rot als in blau spielen möchte. Didier und er fachsimpeln noch lange über richtiges Fahnenschwenken.

Danach geht es für Hannover 96 zum Spitzenspiel nach München. Jérôme Agyenim Boateng spielt die kompletten 90 Minuten mit auf den Rücken gebundenen Armen. Bayern wirkt deutlich ausgeruhter – schließlich haben die Münchner keine internationalen Spiele mehr zu bestreiten. 37 Bälle muss Ron-Robert Zieler parieren. Auf der Tribüne wird Joachim Löw dabei gefilmt wie er immer wieder Herzen um den Namen Zieler malt. Nach dem Spiel entschuldigt sich Uli Hoeneß mit einem Dutzend Würstchen-Burger bei Sergio Pinto. Dazu bietet er ihm einen gut dotierten Vetrag als “Aggressive Leader” an. Der Portugiese lehnt ab: „Die Arena an sich ist nicht gerade wunderschön. Ist ja keine Stimmung, ist ja Oper.“

Im Viertelfinale der Europa League geht es für die Roten überraschend nach Belgien. Die Fans von Hannover 96 müssen zu Fuß über abgesperrte, beleuchtete Autobahnen einzeln in einem Abstand von 25 Metern bis zum Stadion laufen. In Anderlecht unterliegt 96 sang und klanglos 3:0. Die völlig ausgepumpten Anhänger, die im Gästeblock auf den Stufen liegen lähmen das Spiel der empathischen Roten. Auf dem Rückweg darf immerhin in Zweierreihen gegangen werden.

Das Heimspiel gegen Gladbach gewinnt 96 3:2. Sobiech trifft doppelt für Hannover, Haggui für Gladbach.

April 2012

Das Rückspiel gegen Anderlecht endet 3:0 für 96. Nach sechs Schützen siegt Hannover im Elfmeterschießen.

Das Topspiel in der Bundesliga steigt danach in Gelsenkirchen. Das Spiel geht als “Schande auf Schalke” in die Annalen ein. Beide Teams haben keinen Bock nach dem anstrengenden Einzug ins Halbfinale der Europa League. Pogatetz stellt einen neuen Rekord mit 278 Ballkontakten in einem Spiel auf.

Am folgenden Mittwoch empfängt 96 den VfL Wolfsburg. Die 112 Zuschauer aus Gifhorn und Umgebung genießen die Sonne im sonst ausverkauften Rund. Felix Magath verwechselt wiederholt die Namen beim Einwechseln und hat am Ende sechs Stürmer und keinen Torwart auf dem Feld. 96 feiert den höchsten Sieg in seiner Bundesligageschichte.

Danach muss Hannover zum kleinen hsv. Weil die Namensvettern aus Hamburg nach dem 1:0 auch auf einem Qualifikationsplatz für die Europa League stehen singen die Besucher noch drei Stunden gemeinsam in der Arena der tausend Namen. Hannover hat sich schließlich trotz Niederlage das erste Mal für die Champions League qualifiziert. Erst als der letzte Schluck Bier die Leitungen verlassen und Lotto King Karl die Stimme verloren hat gehen im Volkspark die Lichter aus.

Im Halbfinale begrüßt Hannover 35.000 Fans aus Manchester. Gut 32.000 schauen das Spiel friedlich auf dem Opernplatz. Nach der verdienten Niederlage ziehen die United-Fans erst friedlich saufend durch die Altstadt und zerlegen erst auf dem Heimweg ein Städtchen in der Nähe von Peine-Ost.

Als am folgenden Wochenende der SC Freiburg nach Hannover reist finden die Breisgauer im Gästeblock viele Manchester Fans, die ihre Reise verlängert haben, um mal günstig Fußball zu gucken. Sie erleben ein  dürftiges 0:1. Jan Rosenthal macht in der alten Heimat sein zehntes Saisontor. Eine Heimkehr an die Leine ist für den Jungnationalspieler denkbar. Sein Zimmernachbar bei der Nationalelf, Jan Schlaudraff, hat ihm zu einem Wechsel geraten. In der Champions League braucht  der Verein neben Pinto und Schmiedebach, der seinen Vertrag bis 2016 verlängert, noch einen torgefährlichen Mittelfeldspieler.

Nach dem denkwürdigen 3:3 in Old Trafford lässt Slomka in Leverkusen die zweite Reihe ran. Royer und Avevor markieren ihre ersten Bundesligatreffer. Steven Cherundolo darf auch wieder ran. Spielt zum 372. Mal für 96 und hat somit die drittmeisten Spiele aller Eingesetzten in der Vereinsgeschichte bestritten. USA-Rufe bis weit nach Mitternacht. Leverkusens Trainer Markus Babbel möchte den Vertrag mit Michael Ballack dennoch verlängern. Beide besiegeln den Vertragsabschluss mit einem gemeinsamen Besuch im Tattoo-Studio.

Mai 2012

Gegen Kaiserslautern geht die Generalprobe für Bukarest so richtig in die Hose. Die Lauterer sind aufgedreht wie nie, weil Olaf Marschall vor Spielbeginn seine letzten Nasenpflaster in der Kabine verteilt hat. Lautern hält die Klasse. Halb Hannover nichts mehr in der Stadt.

Urheber Andrei Stroe

In Bukarest sind wieder Männer aus Manchester. Diesmal in babyblau. Das Ergebnis wird hier nicht verraten. Etwas Spannung muss ja bleiben…

Auf eine schöne Rückrunde 2012!

Gastfeindschaft trifft Idiotie: Ein Abend in Lüttich

Was macht eine Reise zu einem Europapokalspiel aus? Natürlich geht es in erster Linie, um ein Fußballspiel, aber ganz wichtig ist auch, dass man neue Eindrücke sammelt, andere Städte und Länder kennenlernt.

Die Eindrücke, die die meisten 96-Fans von ihrer Reise nach Lüttich gesammelt haben, beziehen sich leider auf eine An- und Abreise mit einem Bus, eine Niederlage und Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Schon im Vorfeld war klar, dass Hannover 96 nur das Mindestkontingent zugesprochen bekommt. Aus Angst vor randalierenden Besuchern auf dem Lütticher Weihnachtsmarkt wurde dazu eine Anreise mit dem Zug oder Auto untersagt. Lediglich in Bussen sollten sich die 96er nähern.

Am Grenzübergang in Aachen sammelten sich deshalb das gute Dutzend Busse, einige wurden ordentlich gefilzt, andere konnten sich ohne Begutachtung einreihen, um dann im Konvoi mit Polizeibegleitung nach Lüttich zu kommen.

Am Stadion angekommen wurden alle Busse vor dem Gästeblock in einem eingezäunten Bereich abgestellt. Die meisten genossen noch mitgebrachte Kaltgetränke bevor man sich ins Stadion begab. Die Einlasskontrolleure waren nett, einem schönen Europapokalabend stand eigentlich nichts im Wege.

Zum Spiel gab es die – mittlerweile übliche – Pyro-Show im 96-Fanblock. Soweit man es aus dem Block heraus beobachten konnte wurden die Brennstäbe nur in der ersten Reihe gezündet. Eine Gefährdung der Herumstehenden konnte nicht ausgemacht werden. Gegen gesichertes Abbrennen der Fackeln ist also weiterhin nichts zu sagen. Da waren die Tribünen in Lüttich an sich schon viel gefährlicher, denn dank der steilen Ränge und der fehlenden Wellenbrecher segelten alle paar Minuten Zuschauer mehrere Reihen abwärts.

Das Spiel war dann recht bescheiden. Man konnte beiden Mannschaften das Bemühen, um ein erfolgreiches Spiel nicht absprechen. Es gelang jedoch nicht viel. Lüttich traf nach einer Ecke und nach einem Konter. Bei der großen Anzahl von Fehlpässen kam 96 nur selten gefährlich vor das Tor der Belgier.

Nach Abpfiff machte sich im Block dann recht schnell die Nachricht breit, dass Hannover trotz der Niederlage sicher in der Europa League  überwintern wird. Poltawa hatte gegen Kopenhagen Schützenhilfe geleistet. Die Stimmung im Gästeblock war recht ausgelassen. Mehrfach wurde die Tormelodie von Standard Lüttich angestimmt und auch wenn keiner den Text kannte, zeigten sich einige Lütticher begeistert von den Gesängen und blieben noch etwas länger, um dem Treiben zuzuschauen.

Der Abmarsch aus dem Block war dann auch problemlos. Höfliches Ordnerpersonal komplimentierte die letzten Roten aus dem Stadion. Was man dann beim Abstieg zum Ausgang zu sehen bekam war allerdings gewöhnungsbedürftig. Die belgische Polizei war behelmt und mit Schildern und Schlagstöcken in der Hand aufmarschiert. Blau-Rotes Licht machte ob der Dunkelheit einigen Eindruck und Hubschraubergetöse und Reizgas in der Luft sorgten für eine unschöne Szenerie.

Einige Deppen fühlten sich schon durch den Aufmarsch der Staatsgewalt angegriffen und sorgten mit lächerlichem Gepose für ein Aufheizen der Stimmung. Erste Gegenstände flogen in Richtung Polizei. Alles frei nach dem Motto: Wenn es heute keine Keilerei mit den Lüttichern gibt, dann geht ja hier vielleicht was.

Was dann genau den Auslöser gegeben hat für den Einsatz der Polizei ist schwierig zu sagen. In einseitigen Medienberichten heißt es, dass das Öffnen eines Tores Grund für einen nötigen Einsatz war. Fraglich, ob das so stimmt. Es passt nicht ganz zu den zeitlichen Abläufen. Das Auftreten der Belgier war aber aus meiner Sicht übertrieben und sorgte für eine unnötige Eskalation. Zunächst feuerte ein Wasserwerfer eine ordentliche Ladung auf den Parkplatz, wobei natürlich auch viele völlig unbeteiligte getroffen wurden und die Heimreise mit nassen Klamotten antreten mussten. Die Polizisten zogen dann über den Platz und prügelten wild um sich. Dabei wurden wiederum Herumstehende belangt, die vor der Heimfahrt noch Bier und Zigarette im Freien genossen. Wer jetzt nicht schnell in seinem Bus verschwinden konnte, der bekam es mit den Schlagwaffen der Polizei zu tun. Teilweise wurde auch in den Bus getreten, was jeglichem gesunden Menschenverstand widerspricht.

Was sich für Szenen zwischen den teils schon anfahrenden Bussen abspielten war gefährlich und man kann von Glück sprechen, dass außer einigen leicht Verletzten keiner zu größerem Schaden gekommen ist. Und hiermit meine ich auch ganz ausdrücklich die belgischen Polizisten, die aus der Masse heraus beschmissen wurden. Es ist absolut unverständlich, wie man eine Flasche oder einen Stein auf einen anderen Menschen werfen kann. Da muss es deutlich an Verstand zu fehlen.

Nachdem sich die Situation wieder etwas beruhigt hatte und alle in ihren Bussen saßen wurden die Reisebusse wieder in Reihe aufgestellt. In Kolonnenfahrt ging es mit Polizeibegleitung Richtung deutsche Grenze. Alle Auf- und Abfahrten wurden von Polizeimotorrädern blockiert und auffahrende Fahrzeuge mit teils haarsträubenden Manövern gestoppt. Zurück in Deutschland hatten dann alle genug von beleuchteten Autobahnen.

Zurück bleibt ein fader Beigeschmack. Nicht nur wegen der Niederlage. Vor allem ist es ärgerlich, dass sich die Stadtoberen von Lüttich noch bestätigt sehen werden. Dabei werden sie nicht einsehen, dass auch ihre Strategie zur “Gefahrenabwehr” Schuld an der Eskalation trät.

Man kann nur hoffen, dass sich die nächste Stadt, die zum Europa League Reiseziel für 96-Fans wird eher an den friedlichen Auftritten in Sevilla, Kopenhagen oder Poltawa orientiert und der Europacup wieder zu einem Erlebnis wird, dass sich nicht nur in Reisebussen, abgesperrten Parkplatzzonen und Gästeblöcken abspielt.

Ich hoffe auf Gastfreundschaft, auf weniger Idioten und auf eine tolle Auswärtsfahrt im Jahr 2012, die schon jetzt den größten internationalen Erfolg der Vereinsgeschichte bedeutet. Vorwärts nach weit!

Debütantenball in Duisburg: Trainer Baades Drama Queens

Manchmal lohnt er sich ja, der weiteste Weg. Selbst wenn das Ziel eine zerrockte Kellerbar nahe des Duisburger Hauptbahnhofs ist. An einem Donnerstag Abend.

Etwa vierzig, fünfzig andere sehen das genauso. Sie wollen hören wie ein Fußballnerd seine Beobachtungen teilt. Zwei Mal fünfundvierzig Minuten sind angekündigt und am Ende fragt man sich: wo ist die Zeit geblieben?

Er erzählt vom verkrüppelten Fußballtrainer, der einst den Riedle abgrätschte, jetzt Jungs um den Platz rennen lässt und sonst nichts mehr hat. Er erklärt das “Bullshit Bingo Bundesliga“. Er entführt in die Kindheit, wo vorsorgliche Mütter ihre Kinder mit Hagebuttentee vor dem Erkältungstod retten.

Man kennt einige der Texte schon, hat sie am Bildschirm gelesen. Aber es ist etwas komplett Anderes, ob man mittags zwischen zwei Terminen oder müde am Abend konsumiert oder ob man in diesem alten Club mit 70er Jahre Tapete an den Wänden einen Trainer mit Emphase, mit wohl gewählten Pausen oder mit ironischem Unterton lesen hört. Die Nervosität hat er fast über die komplette Spielzeit im Griff, jeder Text wird mit verdientem Applaus bedacht und man ist immer wieder erstaunt über die Beobachtungsgabe des Autors.

Dazu gibt es ein kurzes Quiz mit Buchgewinn (Günter Netzer hat wirklich nur 37 Länderspiele gemacht!), Zitate vom Abschiedsspiel Oliver Kahns, Reisewarnungsirrsinn anno 2006 und in der Halbzeitpause Fußballer-Werbebotschaften von “Kraft auf den Teller“-Beckenbauer über “Litti Power“-Littbarski bis hin zu “Kleister“-Klopp.

Der Abend mit den „Drama Queens in kurzen Hosen“ kann also ohne Zweifel als gelungenes Debüt bezeichnet werden. Und da “debütieren” ja ursprünglichdas offizielle Vorstellen von jungen Mädchen vor der Gesellschaft, üblicherweise im Rahmen eines Balls” bezeichnete, kann man hier den Autor ohne Umschweife als “in die Gesellschaft aufgenommen” erklären. Nicht nur weil die Lesung unter einer riesigen Discokugel (bei Bällen üblich!) abgehalten wurde, ist Trainer Baade spätestens jetzt als Teil der Gesellschaft der Fußballkulturschaffenden zu bezeichnen. Als Kulturschaffender gilt er seit seiner 1.Lesung “also als erwachsen und heiratsfähig” – sprich: eine Buchveröffentlichung wäre wünschenswert.

Bis dahin schließe ich mich vielen an, die den den Blog “Trainer Baade” jedem Fußballfan empfehlen, denn nicht ohne Grund haben die “11 Freunde” ihn als “Bestes Fanmediumausgezeichnet (Da ist das Ding!).

Und wenn der Trainer das nächste Mal zur Lesung lädt, dann sollte man sich aufmachen. Auch an einem Donnerstag. Auch nach Duisburg. Der weiteste Weg lohnt sicht.