Schlagwort-Archiv: Equipe Tricolore

Empfehlungen: Blaue Blogs, Spielautomaten & italienische Lamentos

  • Zum gestrigen Fußballspiel des FC Schalke 04 wurde in den Medien viel geschrieben. Viele Journalisten haben nach den Rückspiel recht abfällig über den Auftritt der Königsblauen geschrieben und gesprochen. Auch die Blogger waren aktiv. Sie sind aber eher ernüchtert als enttäuscht. Westline.de hat die Meinungen in den Blogs zusammengefasst: Schalker Blogschau: Das schreiben die Fans über “Königsblau”
  • Über italienische Fußballer gibt es einige Vorurteile. So gelten sie als fallsüchtig und lamentierfreudig. Gegen Letzteres will der designierte Meister 2011 jetzt ein Zeichen setzen. Für die neue Saison will der AC Mailand einen Verhaltenskodex einführen, der die Ansprache an den Schiedsrichter nach fragwürdigen Entscheidungen unter Strafe stellt. “Die Welt” macht sich in einem Artikel Sorgen was das für den italienischen Fußball bedeuten könnte: Lamentieren verboten

Der Vorstoß verdient fraglos das Prädikat “pädagogisch wertvoll”, doch ist er rein voyeuristisch äußerst bedauerlich. Dass ausgerechnet das Land der begnadetsten Fußball-Schauspieler das Lamento-Verbot erfindet, hat schon etwas Groteskes. Was geht uns da nicht alles verloren? Gehört es doch zur Identität unserer italienischen Freunde, sich bühnenreif in Szene zu setzen und gestenreich gegen das schreiende Unrecht zu protestieren, das ihnen widerfahren ist.

Und trotzdem ist es etwas ungewöhnlich, dass es gerade die “Sport Bild” traf. Eigentlich lesen die Fußballstars sehr gern, was dort so über sie steht, auch Bastian Schweinsteiger.

Köster: “Es liegt definitiv, dass es die ‘Sport Bild’ war, die ja auch so ein Bruderblatt des großen Blattes ‘Bild’ ist, dass er sich so aufgeregt hat, weil diese beiden Blätter haben für ihn eine überragende Bedeutung. Sie sind quasi so der Transportriemen, über die natürlich der ganze Mythos des FC Bayern, aber natürlich auch die Bedeutung der Spieler angefeuert wird. Wahrscheinlich wenn das Ganze jetzt möglicherweise in der ‘tz’, oder in der ‘Süddeutschen’ oder im ‘Spiegel’ erschienen wäre, dann hätte er sich nicht so aufgeregt und keinen so großen Tanz gemacht.”

  • Die FAZ schreibt über den Wettbetrugsprozess. Dabei ist scheinbar bis heute nicht klar in welchem Ausmaß wer mit wem zusammengearbeitet hat. Besonders interessant finde ich aber die Aussage des Angeklagten Cvrtak zum Bundesligaprofi Hajto, der ja auch durch Zigarettenschmuggel in die Schlagzeilen geriet: Nachts eingesperrt – zum Zocken

Neben Wetten hatte Cvrtak ein ausgeprägtes Interesse an Karten und Würfeln und flog für Pokerpartien bis Macao und ins argentinische Seebad Mar del Plata – und an den Kunden in seiner Spielbude in Nürnberg. „Was soll ich sagen? Die Fußballspieler zocken doch alle, naja, fast alle. Den Tomasz Hajto habe ich nachts bei mir im Wettbüro eingeschlossen, damit er am Automaten weiterzocken konnte.“

  • Der französische Fußballverband galt mit seiner Multikulti-Truppe, die Welt- und Europameister wurde, lange Zeit als Vorzeigeteam. Spieler wie Zinedine Zidane, Lilian Thuram oder Marcel Desailly, deren Wurzeln in Algerien, Guadeloupe oder Ghana liegen, waren Teil einer Mannschaft, die den Franzosen zeigte, dass ein Zusammenleben und -wirken ohne Probleme möglich ist. Kapitän der Weltmeisterschaftsmannschaft war Laurent Blanc, der heute Nationaltrainer der Equipe Tricolore ist. Blanc steckt nun mitten in einem “Rassismus-Skandal”, den die Zeit http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/3/38/FFF.svg/200px-FFF.svg.pngaufgezeichnet hat:Frankreichs Quote gegen Fremde im Fußball

Bereits am vergangenen Donnerstag meldete die investigativ arbeitende Onlinezeitung Mediapart, der französische Verband wolle in seinen Ausbildungszentren eine Höchstbegrenzung für Spieler nichtfranzösischer Herkunft einführen. Die Anzahl der Fußballer mit Migrationshintergrund solle gesenkt werden, um in der Nationalmannschaft weniger Schwarze und Araber spielen zu lassen. Rassismus pur.

 

  • Ebenfalls bei “Zeit Online” schreibt Oliver Fritsch über die Erfolgsgeschichte von Borussia Dortmund, die vor allem die Erfolgsgeschichte eines akribischen, fleißigen Pädagogen ist: Ein Glück namens Klopp
  • Die Frage ist, was der Erfolg aus der Mannschaft macht. Um Nuri Sahin wirbt mit guten Aussichten Real Madrid, er wäre schwer zu ersetzen. Viele fürchten, dass die Gesetze der Ökonomie nun auch in Dortmund wieder greifen. »Wir haben nicht das Geld, die Jungs auf Dauer zu binden«, sagt Klopp. »Und wir wollen das nicht, denn das wäre Diebstahl.« Klopp sagt auch: »Mit Bayern konkurrieren? Das wäre so, als wenn jemand sein erstes Auto baut und Daimler hinter sich lassen möchte.« Das sind Aussagen für die Öffentlichkeit, taktische Aussagen. Mit seinen Spielern redet Klopp anders. Er kann es nicht erwarten, sie in die Duelle mit dem FC Barcelona, Manchester United und Real Madrid zu schicken.

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    Leidensfähige Franzosen

    Quelle: Flickr / http://www.flickr.com/photos/zoomarchitecture/3732202210/in/photostream/

    Quelle: Flickr / Zoom/Pied la Biche

    Für Frankreich ist die WM 2010 schon einige Tage vorbei und die Skandale der Equipe Tricolore werden unsere Nachbarn noch einige Zeit beschäftigen.

    Generell scheinen sich die Franzosen gern mit der Vergangenheit  zu beschäftigen – selbst wenn sie mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden ist.

    Das “Collectif Pied De La Biche” – was als Kollektiv Brechstange übersetzt werden kann – hat sich wohl deshalb an die Aufarbeitung des 82er Halbfinales gemacht.

    Vor 63.000 Zuschauern spielte eine französische Elf, die mit Kapitän Michel Platini einen der besten Spieler der Welt im Team hatte und insgesamt schönen technischen Fussball spielten. Dennoch ging das deutsche Team durch ein Tor durch des damals 22-jährigen Pierre Littbarski mit 1:0 in Führung und Frankreich gelang in der regulären Spielzeit nur noch der Ausgleich durch Platini per Foulelfmeter.

    Das Spiel ist aber vor allem durch eines der übelsten Fouls in der WM-Geschichte in Erinnerung geblieben. Der französische Verteidiger Patrick Battiston lief allein auf das deutsche Tor zu. Keeper Toni Schumacher stürmte aus dem 16-Meter-Raum und trat den Gegenspieler böse um.

    Battiston soll kurze Zeit bewusstlos gewesen sein. Er erlitt eine Gehirnerschütterung, hatte Wirbelverletzungen und verlor zwei Zähne. Schumachers Foul wurde vom Schiedsrichter nicht geahndet, obwohl der Spieler vom AS Saint-Étienne in der 60. Minute ausgewechselt werden musste. Schumacher äußerte sich nach dem Spiel zu dem Vorfall mit den Worten: “Dann zahl’ ich ihm seine Jacketkronen.” Für die französischen Medien war er fortan nur noch der “hässliche Deutsche”.

    Diese schlimmer Szene war ein Teil eines Spieles, dass bis heute als Nacht oder als Thriller von Sevilla bezeichnet wird.

    Quelle: Flickr / Zoom/Pied la Biche

    Besonders verdient hat das Spiel, das auch die FIFA als Klassiker der Fussballgeschichte sieht, diesen Titel vor allem durch eine spektakuläre Verlängerung und ein ereignisrecihes Elfmeterschießen.

    Frankreich ging durch Tore von Tresor und Giresse in Führung und sah wie der sichere Sieger aus. Dann glichen der eingewechselte Karl-Heinz Rummenigge und Klaus Fischer noch aus. Rummenigge artistisch, Fischer einmal mehr per Fallrückzieher.

    Das Elfmeterschießen musste entscheiden.

    Quelle: Flickr / Zoom/Pied la Biche

    Die letzten 15 Minuten hat das “Collectif Pied De La Pied” exakt nachgespielt. An unterschiedlichsten Orten wurden die Fernsehbilder zu Originalkommentar nachgestellt und sowohl Spieler als auch Schiedsrichter und Offizielle werden in ihrer Haltung genau imitiert. Aber nicht einfach in einem Fussballstadion, sondern an verschiedensten Orten in der französischen Industriestadt Villeurbanne: im Park, auf dem Parkplatz, auf der Straße.

    Man sieht im zweigeteilten Bildschirm links zum Beispiel den völlig erschöpften Uli Stielike wie er sich ein paar Schluck Wasser in den Mund kippt, um sie direkt wieder auszuspucken. Und rechts ein Darsteller, der zwar völlig andere Kleidung trägt und mit Brille und voller Haarpracht nicht im entferntesten an den Karo-Liebhaber erinnert, aber dank exakter Filmaufnahmen ein gelungener Doppelgänger ist.

    Das Video startet mit einigen Kommentaren von Zuschauern der Dreharbeiten und wird dann gemischt mit den Originalkommentatoren des französischen Fernsehens. Eine unglaubliche Fleißarbeit, die sich aus meiner Sicht mehr als gelohnt hat.

    Mal schauen, ob sich das “Collectif Pied De La Biche” – das auch ein paar Bilder als “Making Of” anbietet – jetzt auch einiger Pleiten aus der jüngeren Vergangenheit annimmt. Muss ja nicht das gehasste Team von 2010 sein, kann ja auch die geschlagene Mannschaft von 2006 sein. Dann muss sich nur ein Materazzi-Darsteller finden.

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