Schlagwort-Archiv: Felix Magath

Empfehlungen: Heynckes, Magath, Meier & Gehirnverletzungen

Am Sonntag startete der FC Bayern München ohne Erfolg in die Saison und Manager Nerlinger fordert schon Grundsätzliches Änderungen. Umso interessanter liest sich deshalb ein Interview mit Trainer Jupp Heynckes: “Ballbesitz und Dominanz reichen heute nicht mehr”

FAZ: Es gab zuletzt zwei stilprägende Meister: Die Bayern mit Trainer van Gaal und die Dortmunder mit Klopp. Haben Sie eine Vorstellung vom idealen Stil?

Heynckes: Das Notwendige zum richtigen Zeitpunkt tun. Es gibt immer neue Entwicklungen, das haben Dortmund, Hannover und über weite Strecken Mainz in der vorigen Saison eindrucksvoll gezeigt. Aber einfach übernehmen, funktioniert nicht. Wenn man wie wir 16 Nationalspieler in der Mannschaft hat und auch noch in der Champions League spielt, muss man schon ein ausgeklügeltes Spielsystem entwickeln, damit der Substanzverlust nicht zu groß ist.

Bleibt interessant zu beobachten, ob und wie sich die Mannschaft entwickelt, ob Boateng die großen Hoffnungen des Trainers erfüllen kann und ob Schweinsteiger den Vergleichen mit Xavi und Iniesta standhalten wird.

Ein weiteres lesenswertes Interview hat Harald Müller in seinem Blog freitagsspiel veröffentlicht. Er sprach mit Urs Meier, dem als Schiedsrichter und Fernsehexperten bekannten Schweizer. Das Gespräch ist schon das Zweite mit Meier, das ich mit verlinke – obwohl ich den Mann im Fernsehen oft nur schwer ertrage. Muss auch an den guten Fragestellern liegen: “Fairplay ist keine Regel sondern eine Haltung

“Die Zei­ten, als der Schieds­rich­ter ein Die­ner am Fuss­ball war, sind vor allem im Spit­zen­sport schon längst vor­bei. Man sollte Schieds­rich­ter als gleich­ge­stellte Sport­ler betrach­ten und behan­deln. Nur mit guten Schieds­rich­tern ent­wi­ckelt sich der Fuss­ball auch wei­ter.”

Auf Spielverlagerung.de habe ich ein schönes Portrait von Felix Magath gefunden. Der Autor beschreibt darin den Weg des Trainers vom “Super Felix” zum “Quälix. Eine launige Lebensgeschichte, gespickt mit Anekdoten und interessanten Vergleichen zwischen dem Spieler und dem Trainer Magath:  Felix Magath: Vom Zauberer zum Quäler

Im Alter von sieben kam er zum VfR Nilkheim, dessen größter Erfolg bis heute ist, dass sie Magath vier Jahre halten konnten, ehe seine Mutter Helene ihn beim TV 1860 Aschaffenburg anmeldete. [...]

Im Alter von 25 Jahren erkrankte Magath an Hepatitis und war längere Zeit bettlägerig. In seinem Frust war seine einzige Ablenkung die Schachweltmeisterschaft zwischen Viktor Kortschnoi und Anatoliy Karpov, welche ihn für längere Zeit in den Bann zog. Auch nach Auskurieren seiner Krankheit verfolgte er internationale Schachspiele, zog erste Schlüsse für fußballtaktische Theorien daraus und ließ sich trotz Zeitmangels in der Schachabteilung des HSV einschreiben. [...]

Eine zentrale Theorie erfolgreichen Schachspielens ist, dass man das Zentrum beherrschen muss, um das Spiel zu gewinnen. Im Zentrum hat man bis zuletzt mehr Alternativen um anzugreifen. Je nach Situation kann man auf die Außen ausweichen und man hat bis zum entscheidenden Zug den König geschützt.

Felix Magath, der aufgrund einer Niederlage gegen den fünfjährigen Sohn seines Schachtrainers Gisbert Jacoby zeitweise mit dem Spielen aufhörte, predigt dies auch im Fußball.

Zum Abschluss noch ein Video. Die Neuropathologin Dr. Ann McKee untersucht das Gehirn eines ehemaligen NFL-Spielers, der wohl an den Folgen von Stößen gegen den Kopf während des Spiels starb: Brain injuries of an NFL footballer

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Zeuge Hannovas: Geschlagen mit den eigenen Waffen

Spricht man mit Freunden anderer Vereine über die Mannschaft von Hannover 96, dann gibt es zumeist wenig Sympathie für Sergio Pinto. Das Spiel des defensiven Mittelfeldspielers ist vielen zu unfair. Pinto sucht schließlich oft den Zweikampf und es nervt den Kölner, Aachener oder Gladbacher sehr, wenn das offensive Mittelfeld mit aggressiver Zweikampfführung oder kleinen Fouls gestoppt wird.

Am letzten Samstag traf Pinto nun auf die – an diesem Nachmittag – bessere Kopie seiner selbst: Peer Kluge. Kluge ging in jeden Zweikampf, war aggressiv und spielte insgesamt acht mal Foul (der Rest der Schalker Mannschaft schaffte zusammen gerade mal doppelt soviel Foulspiele).

Klar kann man sich da als 96-Anhänger wundern, warum Schiedsrichter Drees Kluge nicht verwarnte, aber im Prinzip hat der Ex-Gladbacher und Ex-Nürnberger nur seine Aufgabe erfüllt: das Spiel der Roten oft vor der Entfaltung unterbinden. Grobe Unsportlichkeiten erkannte der Schiedsrichter nicht. So konnte Kluge das erste Mal ein Spiel gegen 96 gewinnen (nach zuvor vier Unentschieden und acht Niederlagen).

Und nicht nur beim Spieler mit der Rückennummer 12 fielen einem Vergleiche mit dem Auftreten der Roten auf, sondern bei der Schalker Mannschaft insgesamt. Das System der Schalker war dem der 96er fast deckungsgleich.  Die Aufforderung der Trainer Magath und Slomka an das eigene Team war wohl ähnlich. Dass Slomka gern dem Gegner das Spiel überlässt ist ja mittlerweile bekannt. Aber auch Magath sagte vor der Partie ins Fernsehmikrofon: “Wir werden versuchen 96 nicht zu viele Kontermöglichkeiten anzubieten, sondern ihnen das Spiel anzubieten.”

Das gelang den Schalkern auch, aber an einer Stelle funktionierte der Plan nicht. 96 zerbrach nicht an der Aufgabe das Spiel zu machen. Die Gastgeber erspielten sich Chancen und auch die Schalker hatten eine gute erste Halbzeit, so dass sich ein sehr ansehnliches Spiel entwickelte.

Leider konnte Hannover die sich bietenden Chancen nicht verwerten. Neuer erwischte – mal wieder  – einen überragenden Tag und Schalke nutzte die eine Unachtsamkeit von Pogatetz, als er bei der Flanke von Schmitz falsch zu Gegenspieler Raúl stand.

Raúl war neben Manuel Neuer der beste Mann auf dem Platz. Er zeigte an diesem Samstag in aller Deutlichkeit warum er sich – im Gegensatz zu seinem Sturmpartner mit dem schönen Vornamen – einst bei Real Madrid durchgesetzt hatte.

Raúl war auch im Vergleich mit den Angreifern Ya Konan und Abdellaoue deutlich besser. Beide Stürmer hatten jeweils nur einen Torschuss auf dem Statistikzettel. Ya Konan dazu immerhin 41 Ballkontakte und 3 Vorlagen, Abdellaoue jedoch nur 17 Ballkontakte. Dazu blieb der Norweger ohne Vorlagen. Der Spanier schaffte im Vergleich 68 Ballkontakte, 5 Torschüsse und 2 Vorlagen. Chapeau!

Vielleicht hätte 96 ihn aber auch einfach nicht mit einem gleichgroßen “Einlaufkind” reizen sollen:

Unterm Strich kann man sich natürlich als 96-Fan ärgern. Die Roten hätten sicherlich einen Punkt verdient gehabt. Trotzdem hat mich die Spielweise beeindruckt. Hannover hat spielerisch weiter gelernt und straft alle “Experten” lügen, die die Roten am Ende der Fahnenstange wähnten. Die Mannschaft hat scheinbar immernoch nicht ihr volles Potential entfaltet. Und die beiden Stürmer sind aufgrund ihrer Verletzungspausen auch noch nicht bei 100 % Fitness.

Aber aufgrund der fehlenden Fitness der Stürmer kann sich im Sturm in den nächsten Wochen ein Problem entwickeln, wenn Schlaudraff wie am Samstag als Alternative im Sturm fehlt und Forssell nur auf der Tribüne Platz nehmen darf. Dann fehlt ein frischer Einwechselspieler, der im Sturm noch einmal Druck machen kann. Hier fehlt ein Spielertyp wie Mike Hanke…

Ohne Hanke fährt 96 am Freitag zum Spitzenspiel nach Leverkusen -  Zweiter gegen Dritter – und man kann sich auf ein gutes Spiel freuen, in dem dann die Favoritenrolle beim Gegner liegt und Bayer das Spiel machen muss. Vielleicht gelingt ja die Überraschung.

Aber auch ohne Punkte in Leverkusen kann 96 2011 der Coup “Europa League Qualifikation” gelingen und die Anhänger von Hannover 96 können weiter träumen. Frei nach dem Schwitters-Motto: Vorwärts nach weit.

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Interview: Was sagt…der Königsblogger a.D.?

Er nennt sich selbst “Fußballblogger a.D.“, denn seinen Königsblog hat er vor knapp drei Monaten zugemacht. “Leider”, sagen viele Fans von Schalke 04, denn sein Blog war ein beliebter Treffpunkt für die Fans der Knappen, um Meinungen auszutauschen und für Freunde des Fußballs, die lesen wollten wie die Lage auf Schalke ist.

Dennoch ist Torsten Wieland weiterhin Beobachter seines Lieblingsvereins und deshalb bin ich sehr froh, dass er vor dem Spiel Hannover 96 gegen Schalke 04 Rede und Antwort stand.

Torsten, gestern feierte Mirko Slomka ein Jahr Cheftrainerzeit bei Hannover 96. Du hast über ihn – als er noch ohne Job war – in deinem Blog geschrieben:

“Es würde mich schon sehr interessieren, ob bzw. wie erfolgreich Mirko Slomka bei einem anderen Bundesligisten sein kann.”

Bist du überrascht über den aktuellen Erfolg von 96 unter Slomka?

Nein, überrascht wäre falsch. Ich hatte keine Erwartung, auch keine negative. Nachdem er 96 übernommen hatte war ich eher etwas enttäuscht, dass er es nicht geschafft hat, einen Trainerwechsel-Emotionsschub in die Mannschaft zu bringen. Ob die jetzigen Ergebnisse normal sind oder eben in dem Maße darüber, wie die Ergebnisse in der letzten Saison – auch wegen der besonderen Umstände – darunter waren, kann ich natürlich auch noch nicht einschätzen. Irgendwas scheint Mirko Slomka jetzt jedenfalls richtig zu machen.

Was lief denn bei Schalke unter Slomka falsch. Zunächst wurde in der Saison 2006/2007 eine Weile hervorragender Fußball gespielt. Was ist danach falsch gemacht worden?

Ja, eine Weile spielte Schalke sehr stark. Gegen Ende der Saison wurde es dann aber schwächer. Schalke verdaddelte in Bochum und Dortmund die Titelchancen, und in der folgenden Saison war alles anders. In der Vorsaison wichtige Spieler wie Peter Lövenkrands und Gustavo Varela waren verletzt und kamen nie mehr zurück, Lincoln verließ den Verein und konnte nicht ersetzt werden.

Mirko Slomka und Manager Andreas Müller traten immer als festes Doppel auf. Beide waren Anfänger als Männer der ersten Reihe. Sehr viele ihrer Entscheidungen erwiesen sich im Nachhinein als schlecht, und es lässt sich nicht nachvollziehen, wie sich dabei die Verantwortung zwischen den beiden aufteilte. Auch stellt sich die Frage, ob die Kommunikation zwischen ihnen wirklich so gut war, wie es lange den Anschein hatte. Dass Spieler verpflichtet wurden die der Trainer dann partout nicht aufstellte und einige Interviews, die nach der Trennung gegeben wurden, sprechen heute dagegen. Daran muss ich stets denken, wenn ich lese, dass Mirko Slomka angeblich mit Jörg Schmadtke nicht gut zurechtkommen soll.

Mirko Slomka war nach Punkten auch noch in seiner letzten Saison auf Schalke relativ erfolgreich. Aber der Fußball wurde stetig schlechter. Am Ende wurde gemauert und auf einen erfolgreichen Freistoß, auf eine erfolgreiche Ecke gehofft. Am Ende spielte Schalke destruktiv, und es machte keinen Spaß mehr, ins Stadion zu gehen.

Slomka ist Vergangenheit auf Schalke. Aktuell sitzt ein ganz anderer Trainertyp auf der Bank: Felix Magath. Er ist nicht nur Trainer sondern auch Manager. Als Außenstehender hat man das Gefühl, dass es seit dem Saisonübergang bei Schalke immer einen Brandherd zu löschen gibt. Welchen Anteil hat Felix Magath an dieser Außenwirkung?

Felix Magath ist nun tatsächlich der starke Mann auf Schalke. Was das Sportliche angeht sowieso, aber auch an nahezu allen anderen Schaltstellen sitzen heute von Magath mitgebrachte oder geholte Funktionäre. Also ist Felix Magath tatsächlich für alles verantwortlich, natürlich auch für die von Dir beschriebene Außendarstellung.

Letztes Jahr war das Team unter Magath sehr erfolgreich mit Platz 2 am Saisonende. Dieses Jahr hakt es in der Liga – lediglich Platz 11, sechs Punkte von den Abstiegsplätzen entfernt. Dafür hat man sich in DFB-Pokal und Champions League schadlos gehalten. Wie bewertest Du den bisherigen Saisonverlauf und was kann die Mannschaft dieses Jahr erreichen?

Es gibt noch eine ganze Menge zu erreichen. Schalke ist im DFB-Pokal unter den letzten 8 Clubs und hat nun im Viertelfinale ein Heimspiel. In der Champions League spielt Schalke gegen Valencia um den Einzug ins Viertelfinale. Das ist doch schon mal was.

In der Liga läufts schlecht, keine Frage. Auch gegen Hamburg war die Leistung indiskutabel. Trotzdem ist es keine plumpe Ausrede, wenn man auf den Kaderumbruch vor der Saison hinweist. Kuranyi, Bordon, Rafinha und Westermann waren Pfeiler, um die Magath in der Vorsaison mit jungen Nonames eine Mannschaft gebaut hat. Dann hat er die Pfeiler ausgetauscht. Sofortergebnis waren 4 Niederlagen in Folge zu Saisonbeginn. Diesen 4 Spielen rennt Schalke bis heute hinterher.

Wie bewertest du Magaths Arbeit bei Schalke 04 bisher insgesamt?

Die erste Saison war toll. Nach der „toten Saison“ 08/09 gab es keine Ansprüche und Magath hat aus dem Nichts und ohne große Verpflichtungen eine funktionierende Mannschaft geformt, die sich tatsächlich für die Champions League qualifizieren konnte. Offensichtlich wurde er aber mit der Aussicht auf Unsterblichkeit nach Gelsenkirchen gelockt, offensichtlich glaubt er tatsächlich daran, Meister werden zu können. Also hat er das „selbstverdiente Geld“ nun in Spieler investiert, von denen er glaubt, um sie eine Meistermannschaft bauen zu können. Ich würde seine Arbeit als nachvollziehbar, aber nicht nachhaltig beschreiben.

Ist es gut, dass da soviel umgekrempelt wird oder begibt sich der Verein zu sehr in die Hände einer einzigen Person? Wird Schalke dauerhaft mit Magath glücklich, sprich: schuldenfrei und Meister?

Schuldenfrei wird Schalke mit Magath ganz sicher nicht. Ich nehme an, dass Schalke mit keinem heute tätigen Trainer schuldenfrei werden könnte. Ich gehe außerdem davon aus, dass Magaths Regentschaft auf Schalke am 30. Juni 2013 endet.

Magath ist nicht aus Sympathie nach Gelsenkirchen gekommen sondern weil er beweisen will, dass er auch schwere Fälle bewältigen kann. Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies hat Magath nicht geholt weil er ihn nett fand, sondern weil es auf Schalke an Fachkompetenz fehlte und weil er einen starken Mann suchte, der S04 wieder aufs Gleis bringt.

Das ganze ist ein Projekt. Beginn war Sommer 2009. 4 Jahre Zeit. Kein Geld. Keine funktionierende Mannschaft. Ziel: Meisterschaft. Magath und seine Männer arbeiten mit Hochdruck daran. Man hat den Eindruck, dass sie das ohne den Gesamtverein tun. Sie schaffen es, oder eben nicht. Wenn nicht, waren vermutlich die Umstände nicht entsprechend. Die entscheidende Frage ist: Wird Schalke nach Magath besser oder schlechter dastehen als zuvor? Sportlich, wirtschaftlich, strategisch. Meine Einschätzung dazu folgt Weihnachten 2013. Hoffnungslos ist es nicht.

Magath hat viele Spieler verkauft und viele Spieler geholt. Wie bist du mit den Neuzugängen bisher zufrieden?

Magath hat Leute geholt, die sofort als Stammspieler geplant waren, und er hat Spieler „zum ausprobieren“ geholt. Es ist auffällig, dass sich von den „Ausprobier-Spielern“ diejenigen festgesetzt haben, die in der letzten Saison sehr früh dazu kamen. Christoph Moritz, Lukas Schmitz und Joel Matip sind da zu nennen. Irgendwann waren die Plätze dann vergeben, und die später dazu geholten Nicht-sofort-Stammspieler bekamen deutlich wenig Gelegenheit, sich in der Liga zu präsentieren, Gavranovic beispielsweise, oder Papadopoulos.

Als feste Stützen holte Magath natürlich Raúl, Huntelaar und Metzelder. Von diesen dreien ins Christoph Metzelder mittlerweile der Spieler mit den konstantesten Leistungen. Mit Josè Jurado hat Felix Magath offensichtlich Probleme, er kommt nicht so recht zum Zug. Problem Nr. 1 dürfte sein, dass Magath lieber Zvjezdan Misimović haben wollte. Atsuto Uchida war zu Beginn der Saison nicht bundesligatauglich, hat sich allerdings derart gesteigert, dass er jetzt, wo er in Katar beim Asien Cup weilt, tatsächlich vermisst wird. Er hat das Zeug zum Publikumsliebling. Für Ciprian Deac, Hans Sarpei und Sergio Escudero hat Magath ordentlich Geld ausgegeben, alle drei werden aber nicht mehr berücksichtigt. Fazit wäre „dürftig“. Aber am Ende zählt das Ergebnis unter Einhaltung des Budgets, und nicht die einzelnen Transfers. Also ma’kucken.

Zum Spiel am Samstag: 96 hat einen Lauf. Spielt erfolgreich und selbstbewusst und verfügt über ein eingespieltes System mit den Hauptmerkmalen Laufbereitschaft, Teamgeist und Konterstärke. Was sollten und was können die Schalker dem entgegensetzen?

In letzter Zeit war es ja häufig so, dass 96 eben keinen Lauf hatte, und dann gegen Schalke punktete. Vielleicht ist es ja nun mal andersrum.

Was Schalke entgegenzusetzen hat ist kaum zu beantworten, weil das wöchentlich wechselt. Schalke hat in dieser Saison schon 0:2 Rückstände aufgeholt und Teamgeist bewiesen. Sie haben schon gekämpft und gut gekontert, sie haben schon starke Spielzüge kreiert und sich Chancen selbst erschaffen. Und dann waren sie wieder leblos. Und träge. Und unkreativ. Ich erwarte nichts mehr, ich hoffe nur noch.

Was erwartet man sich auf Schalke vom jungen Draxler? Ist er wirklich das Schalker Jahrhunderttalent?

Was „man“ erwartet ist wohl dasselbe, was man überall von jungen Eigengewächsen erwartet. Er soll spielen, sich zeigen dürfen, erfolgreich sein und wenn er das ist, Zeit seines Lebens auf Schalke bleiben. Wie gut er ist kann ich nicht beurteilen. Ich habe ihn tatsächlich bislang nur die 7 Minuten gegen Hamburg spielen sehen.

Wer ist Favorit am Samstag?

Hannover selbstverständlich. Ein Heimspiel des Tabellenzweiten gegen den Elften. Dass Schalke dabei nichts zu verlieren hätte, würde ich allerdings nicht sagen.

Das ist wohl richtig. Wie endet das Spiel?

Weiß ich nicht. Zum Glück. Also werde ich in die Kneipe meines Vertrauens gehen, bei Mettbrötchen und Pils der Dinge harren und mir vom älteren Herren neben mir die neusten Anekdoten aus dem Amateurfußball erzählen lassen.

Klingt nach einem guten Plan.

Zwei Fragen zu deinem vor knapp drei Monaten geschlossenen Blog müssen noch gestattet sein. Zum einen: fehlt dir das Bloggen oder genießt du einfach, dass du mehr Freizeit hast?

Zum anderen: dürfen deine Leser darauf hoffen, dass du wieder blogst? Gibt es Blog-Pläne für die Zukunft?

Es ging mir nicht um Freizeit, sondern um Freiheit. Ich hatte eine gewisse Schlagzahl und war davon überzeugt, dass es eben diese Regelmäßigkeit braucht, um ein erfolgreiches Blog zu führen. Wobei „erfolgreich“ natürlich eine Sache der Definition ist. Mir ging es stets um Kommunikation, um Feedback und um Austausch.

Ich hatte das Gefühl, dass die Leser am Werktag nach einem Spiel einen Beitrag von mir erwarten. Also habe ich das bedient. Auch nach Sonntagsspielen, oder nach Champions League-Spielen, in der Woche. Ich spürte Druck. Nicht tatsächlich von Außen, weil konkret niemand was verlangte, aber von innen, aus mir, was es nicht besser machte.

Aber ja, tatsächlich fehlt mir das Schreiben. Direkte Kommunikation funktioniert auch über Twitter, aber eine vielleicht mal vom allgemeinen Trend abweichende Meinung lässt sich in 140 Zeichen nicht differenziert darstellen. Twitter ist rau und auf den Punkt. Bloggen ist gefeilt – ab und an veredelt – farbig und kreativ. Völlig anders eben.

Ich vergleiche Bloggen gerne damit, sich an Speakers Corner, im Hyde Park zu London auf einen Tritt zu stellen und seine Meinung in die Welt zu schreien. Wer hinkommt interessiert sich, wer stehen bleibt hört zu, wer Antwortet schafft Austausch und Mehrwert. Twitter ist so als ginge man vor sich hin plaudernd über die volle Oxford Street. Ab und an geht jemand im Gleichschritt und erwidert was, ansonsten bekommen eine Handvoll Leute, eben die, die gerade zufällig in der (zeitlichen) Nähe sind, das Gequatsche mit und nehmen es zur Kenntnis, oder eben nicht. Ja, mir fehlt das Höckerchen zum Ausposaunen meiner Gedankengänge. Ich denke ich werde mit bald wieder eins zurechtrücken.

Sehr schön. Das wird viele Leser sicher freuen. Zum Abschluss noch die Königsblog-Spieltagsfrage: Wer wird am Samstag bei Schalke eingewechselt?

Ich bin einer der schlechtesten „Einwechselspieler-Raten“-Tipper überhaupt. José Jurado ist nicht dabei, vielleicht spielt  Draxler von Beginn an. Dann sollte Edu irgendwann eingewechselt werden. Defensiv spielt Kluge und wohl Rakitic, dann kommt Moritz irgendwann. Vielleicht tätsächlich noch mal Gavranovic, auf den hoffe ich persönlich schon lange und immer noch. Also: Edu, Moritz, Gavranovic.

Und bei Hannover? Unter Slomka sollte es einfacher sein und in der 60. Minute beginnen, so meine Erfahrung …

Da hat Slomka sich nicht verändert. Ich denken er wird heute Forssell, Lala und Eggimann einwechseln…

Vielen Dank Torsten für das ausführliche Interview. Ich freue mich auf ein hoffentlich schönes Fußballspiel und natürlich darauf, dass du dein Höckerchen zum Ausposaunen deiner Gedankengänge wieder zurechtrückst.

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