EM-Momente (III): »Nevertheless«

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»Ah, push it
Ah, push it

Oooh, baby, baby
Baby, baby
Oooh, baby, baby
Baby, baby«

Unzweifelhaft sind diese Zeilen aus dem Welthit »Push It« der R&B und Hip Hop Band Salt ´n´ Pepa. Ein Song der wohl nicht einmal in seinen erfolgreichsten Zeit in den späten Achtzigern den Weg in die Fußballstadien fand.

Die Blechbläser der Barry Horns wollten dies ändern. Sie dichteten den Text um auf einen bis dahin unbesungen Helden: Hal Robson-Kanu. Beim Spiel gegen Serbien 2013 saßen sie in der letzten Reihe des Stadions über der Fankurve und bliesen zum Angriff:

Der besungene Robson-Kanu wurde in London geboren und spielte in der Jugend für Arsenal. Mit 15 wurde er dort allerdings entlassen und schloss sich dem FC Reading an. Für Reading spielte er – unterbrochen von kürzeren Leihgeschäften 2008 und 2009 – bis zum Ende der abgelaufenen Saison.  Sein Team wurde 17. der letzten Championship-Saison. Aktuell – und das ist sicher ungewöhnlich für einen EM-Teilnehmer – ist er vereinslos und sucht einen Club für die nächste Saison.

Für Wales spielt Hal Robson-Kanu seit 2010. Nach Einsätzen für englische Nationalmannschaften entschied er sich für das Heimatland seiner Großmutter und traf vor der EM in 29 Spielen nur zwei Mal. Bei den letzten vier Freundschaftsspielen hatte er nicht mal im Kader gestanden und auch beim ersten Gruppenspiel gegen die Slowakei saß er zunächst nur auf der Bank.

Wales´ Topspieler Gareth Bale spielte natürlich und traf früh per Freistoß. In der 61.Minute schaffte Ondrej Duda nur 58 Sekunden nach seiner Einwechslung den Ausgleich. Zehn Minuten später wurde dann auch Hal Robson-Kanu eingewechselt.

Weitere zehn Minuten später gibt der Bärtige Joe Ledley den Raumdeuter. Sein Pass passiert drei Slowaken und öffnet dem Mann mit den blond gefärbten Haaren, Aaron Ramsey, viel Platz im Zentrum. Der Mann vom FC Arsenal bekommt den Ball gut 25 Meter vor dem Tor. Der nächste Gegenspieler wartet am Strafraum. Ramsey dreht sich mit dem Ball um die eigene Achse und kommt ins Straucheln.

Robson-Kanu hatte während Ramseys Lauf Richtung Strafraum zunächst den Laufweg rechts an seinem Gegenspieler vorbei angetäuscht, war dann links an ihm vorbeigezogen. Er war jetzt fast im Laufweg von Ramsey, der nicht fällt und den Ball am slowakischen Kapitän Martin Skrtel vorbei zu seinem Mitspieler spitzelt. Dieser nahm den Ball nicht mehr an, sondern schoss direkt. Ján Ďurica, slowakischer Verteidiger, versucht den Ball noch mit gestreckten Beinen abzuwehren, doch weil Hal Robson-Kanu den Ball schlecht trifft gelingt es Ďurica nicht den Torschuss zu verhindern. Auch Torwart Matúš Kozáčik wird auf dem falschen Fuß erwischt. Er bricht seine Abwehrbewegung ab und schaut dem Ball zu wie er ins Tor trudelt.

Robson-Kanu, Ramsey und der Rest der walisischen Mannschaft sprinten derweil Richtung Eckfahne, wo die walisischen Fans mit ihren roten Trikots jubeln. Die Spieler rutschen auf ihren Bäuchen über den Rasen, während sich auf den Rängen freudige Raserei breitmacht.

Es war kein besonders schönes Tor und es bleibt fraglich, ob der glückliche Treffer dem walisischen Stürmer aus London bei Vertragsverhandlungen helfen wird, aber Hal Robson-Kanu, der besungene walisische Held, brachte es nach dem Spiel im Interview auf den Punkt:

»It wasn´t the best finish, but it finished nevertheless.«

Hier geht es zu EM-Moment (II).

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