Fußballfilm: »Ziemlich beste Gegner«

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Ich muss zugeben, dass ich von Oskar »Ossi« Rohr trotz der Lektüre zahlreicher Fußballbücher bisher noch nie etwas bewusst gehört habe. Und das obwohl Rohr in vier Länderspielen fünf Tore schoss, er schon als 20 jähriger Deutscher Meister mit Bayern München wurde und er mit 118 Toren bis heute der erfolgreichste Torschütze in der Geschichte von Racing Strasbourg ist.

In Straßburg ist Rohr bis heute eine Legende, in Deutschland wohl weitestgehend vergessen. Schon deshalb lohnt der Film »Ziemlich beste Gegner«, denn Rohr ist einer der Protagonisten, der stellvertretend für die fußballerischen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland steht. Rohrs Großneffe, Gernot Rohr, erzählt die Geschichte eines Mannes, der sein Fußballglück in Frankreich fand, vor den deutschen innerhalb des Landes flüchtetet und im Jahr 1942 festgenommen wurde und ins Konzentrationslager Kislau gebracht wurde.

Gernot Rohr, der ebenfalls bei Bayern München spielte und dann 12 Jahre für Girondins Bordeaux auflief, ist eine der Hauptfiguren des Films über die Vereins- und Länderspielgeschichte Frankreichs und Deutschlands. Neben ihm kommen Sportler wie Allofs, Förster, Littbarski, Sagnol und Lizarazu zu Wort, die in beiden Ländern Fußball gespielt haben, aber auch Nationalspieler wie Schumacher, Battiston oder Giresse äußern sich zu den großen Länderspielen, bei denen die »Nacht von Sevilla« natürlich im Mittelpunkt steht. Auch das Europapokalfinale mit den eckigen Pfosten zwischen dem FC Bayern München und dem AS Saint Étienne findet seinen Platz.

Der Film schafft es dazu die Krisen der jeweiligen Verbände, politische und gesellschaftliche Themen und die Überhöhung des Fußballs angemessen zu thematisieren. Vor allem die immer wieder am Fußball orientierte Integrationsdiskussion wird geführt. Besonders beeindruckend sind dazu die Aussagen des französischen Rekordnationalspielers Lilian Thuram, der anmerkt, dass der politische Diskurs in vielen Punkten der Wirklichkeit, die sich unter anderem im Fußball zeigt, hinterherhinkt, was das eigentliche Problem sei. Auch Célia Šašić, leider die einzige Fußballspielerin, die im ganzen Film zu Wort kommt, pflichtet dem bei, indem sie sich gegen das Behördendeutsche ausspricht, das die »Integrationsmaßnahme« als Wortungetüm geschaffen hat, welches aber mit der täglich vollzogenen Integration wenig zu tun hat.

Auch wenn der Ausflug zu deutschen Kuttenträgern etwas abfällt, ist  »Ziemlich beste Gegner« insgesamt in seiner Mischung aus historischen Bildern und aktuellen Statements ein unterhaltsamer Fußball- und Gesellschaftsfilm mit Mehrwert.

P.S.: Was sagt Oliver Bierhoff am Ende? Was macht der Adler mit dem Hahn? Kann man doch nur missverstehen, oder?

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