Schlagwort-Archiv: Philipp Köster

Empfehlungen: Blaue Blogs, Spielautomaten & italienische Lamentos

  • Zum gestrigen Fußballspiel des FC Schalke 04 wurde in den Medien viel geschrieben. Viele Journalisten haben nach den Rückspiel recht abfällig über den Auftritt der Königsblauen geschrieben und gesprochen. Auch die Blogger waren aktiv. Sie sind aber eher ernüchtert als enttäuscht. Westline.de hat die Meinungen in den Blogs zusammengefasst: Schalker Blogschau: Das schreiben die Fans über “Königsblau”
  • Über italienische Fußballer gibt es einige Vorurteile. So gelten sie als fallsüchtig und lamentierfreudig. Gegen Letzteres will der designierte Meister 2011 jetzt ein Zeichen setzen. Für die neue Saison will der AC Mailand einen Verhaltenskodex einführen, der die Ansprache an den Schiedsrichter nach fragwürdigen Entscheidungen unter Strafe stellt. “Die Welt” macht sich in einem Artikel Sorgen was das für den italienischen Fußball bedeuten könnte: Lamentieren verboten

Der Vorstoß verdient fraglos das Prädikat “pädagogisch wertvoll”, doch ist er rein voyeuristisch äußerst bedauerlich. Dass ausgerechnet das Land der begnadetsten Fußball-Schauspieler das Lamento-Verbot erfindet, hat schon etwas Groteskes. Was geht uns da nicht alles verloren? Gehört es doch zur Identität unserer italienischen Freunde, sich bühnenreif in Szene zu setzen und gestenreich gegen das schreiende Unrecht zu protestieren, das ihnen widerfahren ist.

Und trotzdem ist es etwas ungewöhnlich, dass es gerade die “Sport Bild” traf. Eigentlich lesen die Fußballstars sehr gern, was dort so über sie steht, auch Bastian Schweinsteiger.

Köster: “Es liegt definitiv, dass es die ‘Sport Bild’ war, die ja auch so ein Bruderblatt des großen Blattes ‘Bild’ ist, dass er sich so aufgeregt hat, weil diese beiden Blätter haben für ihn eine überragende Bedeutung. Sie sind quasi so der Transportriemen, über die natürlich der ganze Mythos des FC Bayern, aber natürlich auch die Bedeutung der Spieler angefeuert wird. Wahrscheinlich wenn das Ganze jetzt möglicherweise in der ‘tz’, oder in der ‘Süddeutschen’ oder im ‘Spiegel’ erschienen wäre, dann hätte er sich nicht so aufgeregt und keinen so großen Tanz gemacht.”

  • Die FAZ schreibt über den Wettbetrugsprozess. Dabei ist scheinbar bis heute nicht klar in welchem Ausmaß wer mit wem zusammengearbeitet hat. Besonders interessant finde ich aber die Aussage des Angeklagten Cvrtak zum Bundesligaprofi Hajto, der ja auch durch Zigarettenschmuggel in die Schlagzeilen geriet: Nachts eingesperrt – zum Zocken

Neben Wetten hatte Cvrtak ein ausgeprägtes Interesse an Karten und Würfeln und flog für Pokerpartien bis Macao und ins argentinische Seebad Mar del Plata – und an den Kunden in seiner Spielbude in Nürnberg. „Was soll ich sagen? Die Fußballspieler zocken doch alle, naja, fast alle. Den Tomasz Hajto habe ich nachts bei mir im Wettbüro eingeschlossen, damit er am Automaten weiterzocken konnte.“

  • Der französische Fußballverband galt mit seiner Multikulti-Truppe, die Welt- und Europameister wurde, lange Zeit als Vorzeigeteam. Spieler wie Zinedine Zidane, Lilian Thuram oder Marcel Desailly, deren Wurzeln in Algerien, Guadeloupe oder Ghana liegen, waren Teil einer Mannschaft, die den Franzosen zeigte, dass ein Zusammenleben und -wirken ohne Probleme möglich ist. Kapitän der Weltmeisterschaftsmannschaft war Laurent Blanc, der heute Nationaltrainer der Equipe Tricolore ist. Blanc steckt nun mitten in einem “Rassismus-Skandal”, den die Zeit http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/3/38/FFF.svg/200px-FFF.svg.pngaufgezeichnet hat:Frankreichs Quote gegen Fremde im Fußball

Bereits am vergangenen Donnerstag meldete die investigativ arbeitende Onlinezeitung Mediapart, der französische Verband wolle in seinen Ausbildungszentren eine Höchstbegrenzung für Spieler nichtfranzösischer Herkunft einführen. Die Anzahl der Fußballer mit Migrationshintergrund solle gesenkt werden, um in der Nationalmannschaft weniger Schwarze und Araber spielen zu lassen. Rassismus pur.

 

  • Ebenfalls bei “Zeit Online” schreibt Oliver Fritsch über die Erfolgsgeschichte von Borussia Dortmund, die vor allem die Erfolgsgeschichte eines akribischen, fleißigen Pädagogen ist: Ein Glück namens Klopp
  • Die Frage ist, was der Erfolg aus der Mannschaft macht. Um Nuri Sahin wirbt mit guten Aussichten Real Madrid, er wäre schwer zu ersetzen. Viele fürchten, dass die Gesetze der Ökonomie nun auch in Dortmund wieder greifen. »Wir haben nicht das Geld, die Jungs auf Dauer zu binden«, sagt Klopp. »Und wir wollen das nicht, denn das wäre Diebstahl.« Klopp sagt auch: »Mit Bayern konkurrieren? Das wäre so, als wenn jemand sein erstes Auto baut und Daimler hinter sich lassen möchte.« Das sind Aussagen für die Öffentlichkeit, taktische Aussagen. Mit seinen Spielern redet Klopp anders. Er kann es nicht erwarten, sie in die Duelle mit dem FC Barcelona, Manchester United und Real Madrid zu schicken.

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    Linkschau VI: Das Sommaloch, schwuler Fußball und der “singende” Günter

    Ich weiß: WM ist lang vorbei. Ein Blick zurück auf einige Statistiken sei aber noch erlaubt.

    Die Zeit zwischen WM und DFB-Pokal ist für die meisten das Sommerloch, das im Fußballblog von “Du gehst niemals allein” in einem Foto festgehalten wurde.

    Im selben Blog hat sich der Autor an der “Debatte”, um Schwule in der Nationalmannschaft beteiligt. Ausgehend vom Essay “Neue deutsche Männer” wurde ja im Boulevard über die “Schwulen Combo” geschrieben. Philipp Köster, Chefredakteur von “11 Freunde” regte sich über Osangs Text auf und antwortete mit dem Artikel “Die Hetero-Combo“. Die “Textkritik, halbschwul” bei “Du gehst niemals allein” wurde dann zu einer interessanten Diskussionsplattform, die auch Köster nutzte.

    Wer ein paar Minuten Zeit hat, kann sich – auch durch die Diskussion – ein eigenes Bild machen.

    Ich weiß nicht, ob die FIFA auf die Diskussionen in Deutschland reagiert hat, aber sie hat sich offiziell geäußert und erklärt, dass Fußball schwul ist. Logisch.

    Ein Sommerloch Thema, das sicherlich noch größer zum Saisonstart aufgeblasen (hihi!) wird, sind Vuvuzelas im Fußballstadion. Auf Testspiel.de fand ich zum Start der Diskussion einen weiteren Diskussionbeitrag für alle, die die Zelas schon vermissen:

    Ich bin eindeutig gegen die Vuvuzelas und warne am tierischen Beispiel vor den Spätfolgen:

    Zum Abschluss noch einmal der in dieser Woche von mir viel besprochene Günter Netzer. Dieses Mal zusammen mit den Fantastischen 4 als Testimonial für die “Sportschau”.

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