Pyro? Legalize it!

Vor dem Spielbeginn Hannover 96 gegen Bayern München ging die Polizei mit Schlagstock- und Pfeffersprayeinsatz im Fanblock vor ist. Im sonst gut gefüllten Oberrang blieben danach viele Plätze leer.

In den Diskussionforen (wie bei das-fanmagazin.de) geht es seitdem heiß her. Videos werden gepostet (Sicht: von oben / von unten), Erlebnisberichte geschrieben und vor allem wird nach Schuldigen gesucht. Auch die Medien sind  auf das Thema aufmerksam geworden – leider arbeiten sie – wie so oft – am Sündenbock-Prinzip ab und fallen durch Unkenntnis und Pauschalurteile auf, wenn sie versuchen ein schwarz-weiß Bild zu zeichnen, indem klar zu erkennen ist wer schuldig und wer unschuldig ist. Bei der Unübersichtlichkeit von Diskussion, Geschichte und Geschehnissen kaum möglich. Aber Grautöne verkaufen sich nicht so gut wie das Bild vom hinterhältigen Ultra oder vom prügelnden Polizisten.

Der Verein Hannover 96 reagiert auf die Vorfälle mit verstärkten Sicherheitskontrollen in bestimmten Blöcken, deren Nutzen aufgrund der Durchlässigkeit zwischen den Blöcken im Stadion bezweifelt  werden kann. Ein Wort des Bedauerns zu den Verletzten habe ich von Vereinsseite leider nicht vernommen. Stattdessen denkt der Vereinspräsident Martin Kind über eine Preiserhöhung in den Blöcken nach, die durch bengalische Feuer aufgefallen sind. Auch hier wird der Sündenbock gesucht. Die gesamte Fanlandschaft wird in sippenhaft genommen.

Wen man sich in die Diskussion einliest, dann geht einem die ganze Diskussion mit ihren Schuldzuweisungen tierisch auf die Nerven. Diese gesamte Heuchelei von allen Seiten geht mir zumindest dermaßen gegen den Strich:

  • Der DFB mit der ewigen Hinhalterei und dem Versuch die Fanszene für blöd zu verkaufen.
  • Die Fangruppierungen mit der Einforderung ihrer eigenen, selbstdefinierten Anforderungen.
  • Die Polizei mit überzogenen Maßnahmen. Die Medien mit der Unwissenheit, Sündenbocksucherei und Schwarz-weiß-Malerei.
  • Die Politik mit ihrer Scheinheiligkeit.
  • Und die Vereine, die einerseits Emotionen einfordern, andererseits aber nicht den Mut haben sich für die Anliegen ihrer Fans einzusetzen.

Für jeden, der sich mit der Problematik beschäftigt wird schnell feststehen:

  • man möchte nicht, dass – wie bei Fans in Nürnberg geschehen – Zuschauer durch bengalische Feuer verletzt werden.
  • man möchte aber noch weniger, dass durch Räumung eines Blocks vor Spielbeginn völlig unbeteiligte Personen zu Schaden kommen.

(Und ich wage zu behaupten, dass durch solche Einsätze mehr Leute in Mitleidenschaft gezogen wurden als durch das Abbrennen von Pyromaterial.)

Alle müssen erkennen, dass es keinen Weg gibt sämtliches Pyro aus den Stadien fern zu halten, denn Nacktkontrollen sind zum Glück verboten. Es werden immer Leute versuchen heimlich Material ins Stadion zu bringen, um es dann möglichst ohne erkannt zu werden abzubrennen. Das kann zu einer Gefährdung von anderen führen, wenn im Schutze einer Fahne versucht wird die Brennstäbe zu befeuern.

So kann es nur einen Schluß geben: Pyroeinsatz unter Beachtung von Sicherheitsaspekten legalisieren.

Nur so kann ein geregeltes Abbrennen ermöglicht werden. Nur so wird eine Gefährdung anderer verhindert. Nur so können Polizeieinsätze ausbleiben. Nur so kann eine Sippenhaft ausgeschlossen werden. Nur so bleiben Strafen für die Vereine aus. Nur so können Medien, Politik und Funktionäre ihr Gesicht wahren.

Deshalb müssen alle beteiligten Gruppen an einen Tisch finden. Dafür müssen beide Seiten ohne Vorbedingungen in die Gespräche gehen, um Lösungen zu finden, die Fußballfeste mit leuchtenden Choreographien ermöglichen.

P.S.: Eine Aufklärung der Ereignisse muss – wie von der „Roten Kurve“ gefordert – unbedingt erfolgen.

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