Zeuge Hannovas: Stuttgarter Merkwürdigkeiten

Zum Spiel will ich nicht viel schreiben. Da haben andere schon genug geschrieben. Die Niederlage war so unnötig wie die gegen Gladbach. Der Sieg der Stuttgarter war deshalb aber nicht unverdient.

Kommen wir zum Drumherum:

Wenn man in Stuttgart zum Fußballstadion will, dann sollte man sich gutes Schuhwerk anlegen. Der Marsch um das Stadion ist bemerkenswert lang. In dieser Saison wurde sogar die Fritz-Walter-Allee (benannt – wie das Maskottchen – nach ihm, nicht nach ihm) gesperrt, was einen gefühlt schier endlosen Umweg zur Folge hat. Dazu ist die Beschilderung mies. Der Gästefan wird in die Irre geführt.


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Wenn man es dann doch mal zum Eingang geschafft hat, dann zeigt sich der sparsame Schwabe: lange Wartezeiten an den Eingangspforten sind garantiert, denn der Stuttgarter spart beim Einlaßpersonal. “Überfordert!”-Rufe waren die richtige Antwort. 96-Fans kommen schließlich nicht aus Frakfurt und hauen gleich Kameras so kaputt.

Aber auch an der Getränkeausgabe waren die für den Ausschank angestellten in deutlicher Unterzahl – was aber vor dem Anpfiff nicht weiter wild war – schließlich durfte man keine Becher mit in den Block nehmen.

St.Pauli ick hör Dir trapsen?

Wohl kaum. Schließlich durfte lediglich im Gästeblock nicht gesüppelt werden. In den Blöcken ringsherum war das Publikum unter dem heißen Stadiondach gut mit Flüssigem ausgestattet. Da fragte man sich dann schon: Von wo hat der Becherwerfer den Schiedsrichter Assistenten am Millerntor getroffen? Genau – von der Haupttribüne.

Vielleicht haben die VfB-Verantwortlichen das auch in der Halbzeit eingesehen. Nach Wiederanpfiff waren Getränke im prall gefüllten Gästeblock auf einmal wieder zugelassen. Merkwürdig.

Und in diesem ausverkauften Block wartete am oberen Ende noch eine Merkwürdigkeit, denn hinter den Stehplätzen hatten die Bauherren noch ein halbes Dutzend Sitzplätze angebracht. Ich hab keine Ahnung, ob die Besucher dort auch Sitzplatzpreise löhnen mussten – aber die Sicht war auffallend schlecht.

Ich hoffe nach Fertigstellung des Umbaus wird es diese merkwürdige Sitzplatzanordnung nicht mehr geben. Dazu wäre es auch ganz schön, wenn oberhalb des Gästeblocks keine Stuttgarter mehr sitzen würden. Dort saß wohl der oft zitierte “Wutbürger” und schmiss allerlei Unrat auf die Gästefans. Plastikbecher (natürlich auch schon in Halbzeit 1), Stadionprogramme und Kaugummis waren gern genutzte Wurfgeschosse. Die Ordner im Stadion machten keine Anstalten dieses erbärmliche Verhalten zu unterbinden.

Erbärmlich war über weite Strecken auch das Treiben auf dem Rasen. Stuttgart zeigte oft warum man sich im Abstiegkskampf befindet, 96 dilettierte sich – vor allem im Angriffsdrittel – durch das Spiel. Nach dem Ausfall von Abdellaoue war dann vollkommener spielerischer Stillstand bei den Roten zu beobachten. Merkwürdig auch hier wieder das Verhalten der Stuttgarter, die sich über den offensichtlich mit Schmerzen kämpfenden Norweger lustig machten. Mit “Stuttgarter Arsch……” wurde auch hier der richtige Schlachtruf gewählt.

Vollkommen peinlich wurde es dann bei dem in der Heimkurve angestimmten “In Europa kennt Euch keine Sau”. Hat das jemand behauptet? Nein. Hat 96 schon jahrelang im Europapokal gespielt, um sich einen Namen zu machen? Nein. Die Stuttgarter hingegen sind natürlich durch ihre UI-Cup-Siege (die älteren unter den Lesern erinnern sich) europabekannt. Vor allem kennt man die Stuttgarter aber durch ihren Daumschen-Wechselfehler gegen Leeds. Chapeau.

Aber will man so in Europa bekannt sein?

Da lobe ich mir doch die Roten, die einfach das geschafft haben, was die mit Europapokalambitionen gestarteten Cannstatter sich wünschen. Die versuchte Häme hätte sich die Untertürkheimer Kurve auf jeden Fall sparen sollen/können/müssen.

Sparen sollte sich auch der Stadionsprecher sein Gebaren. Die ewigen Aufforderungen doch mal Stimmung zu machen waren penetrant und verpufften sogar weitesgehend, obwohl sich die Stimme des Mannes überschlug. Ich finde das hat keinen Stil, wenn die Position des Stadionsprechers so missbraucht wird. Dazu dann noch die unfassbar laute Musik nach Abpfiff mit dem wohl unvermeidlichen “Hei! Das geht ab” (in Dauerschleife!). Das brachte dann das Fass zum Überlaufen.

Wieso überlässt man die Fans nach dem geschafften Ziel Klassenerhalt nicht sich selber? Merkwürdig. Ich hoffe die Verantwortlichen in Hannover werden sich nach dem letzten Heimsieg gegen Nürnberg cleverer anstellen.

Als Fazit kann man zum Auswärtsspiel in Stuttgart schreiben: alle  – “Wutbürger”, VfB und HSV – dürfen “Oben bleiben.” Hannover 96 am Besten auf Rang 4.

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P.S.: Zum Spiel nach Stuttgart fuhr auch ein Zug aus Hannover. Von Fans für Fans organisiert kamen so 900 Rote zum Auswärtsspiel. Im Vorfeld wurde die Fahrt von der hannöverschen Presse gewohnt skeptisch begleitet – am Ende war die Fahrt wohl ein voller Erfolg ohne große Vorkommnisse trotz Niederlage. Einen guten Eindruck von der Fahrt bekommt man bei der Ansicht dieser Fotos.

Der nächste Gegner: Blick auf die Statistik

Was soll man zum Höhenflug der “Roten Riesen” sagen. Die Vorzeichen sind ganz hervorragend. Hannover geht als Favorit ins Spiel. Stuttgart muss bei mickrigem Punktestand offensiv spielen. Auch Trainer Keller braucht dringend einen Sieg, um Cheftrainer in Stuttgart zu bleiben. Das spielt Hannover 96 sicherlich in die Karten, um das eigene hervorragende Konterspiel aufzuziehen.

Heute tobe ich mich nur mal fix in der Statistikzentrale aus:

  • Als einziges Team neben Spitzenreiter Dortmund gewann Hannover 96 die letzten vier Partien. Bei einem weiteren Sieg wäre der Vereinsrekord eingestellt. Der besteht seit dem “Goldenen Oktober 2004″ als 96 fünf Siege in Folge feierte. Dazu könnte man sich zumindest bis morgen auf den 2.Tabellenplatz spielen.
  • Und die Vorzeichen sind nicht nur wegen der Siegesserie gut für die Roten. Schließlich gewann Stuttgart als einziges Bundesliga-Team noch kein Auswärtsspiel (zwei Remis, fünf Niederlagen). In der Europa League sowie im DFB-Pokal bestritten die Schwaben ebenfalls sieben Gastspiele, von denen sie sechs gewannen und nur einmal verloren. Kann man nur hoffen, dass die Schwaben das Spiel in Hannover nicht als internationales Gastspiel ansehen.
  • Dazu kann man darauf bauen, dass Stuttgart nicht so frisch sein wird wie 96. Schließlich haben Sie in dieser Saison bereits 26 Pflichtspiele gespielt und werden bis zum Ende des Jahres auf 30 Partien kommen. Hannover hingegen stand lediglich 16 Mal auf dem Platz.
  • Zum Ende können 96-Fans dann wieder auf den effizientesten Spieler der Bundesliga hoffen: Mike Hanke. Er stand nicht einmal 90 Saisonminuten auf dem Platz und traf schon drei Mal als “Joker”.

Seitenwechsel:

Trübe Aussichten für die Null-Punkte-Starter

Vor dieser Saison gab es in 47 Bundesliga-Spielzeiten nur 37 Klubs, die nach drei Spieltagen punktlos waren. Jetzt sind es also vierzig mit Stuttgart, Schalke und Wolfsburg. Was den drei Vereinen Hoffnung machen kann: nur zwölf der 37 Null-Punkte-Starter sind abgestiegen – und von einem Abstieg der drei Anwärter auf das internationale Geschäft geht keiner aus.

Aber die hohen Ambitionen der Vereine sind in Gefahr, denn nur drei der 37 Mannschaften landeten am Ende der Saison überhaupt im einstelligen Bereich und nur ein Verein konnte noch in den internationalen Wettbewerb einziehen (Werder Bremen 1968).

Nach dieser Faktenlage – zusammengestellt von der Süddeutschen Zeitung – sind das natürlich trübe Aussichten und für Wolfsburg und Stuttgart ist ein solcher Fehlstart absolutes Neuland. Schalke ist schon zwei Mal mit drei Niederlagen gestartet: 1985/86 wurde der Club am Ende Zehnter, 1987/88 Letzter.

Nun gut: es ist Statistik. Mal gucken, ob sie lügt. Im Mai 2011 wissen wir mehr.