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Warum Schalke Huntelaar holen musste

Heute Abend spielt der Vorletzte der Bundesliga in Lyon auf. Nach dem zweiten Platz der letzten Saison darf sich der klamme Verein aus Gelsenkirchen in der Champions League präsentieren und der Managertrainer Felix Magath hat für zukünftige Erfolge die Mannschaft neu zusammengebaut.

Viele befürchten, dass Magath damit den Verein und seine Möglichkeiten überstrapaziert – ich aber glaube, dass für Magath eher eine Rückbesinnung auf vergangene Erfolge der Grund für die Verpflichtung von Spielern wie Jan-Klaas Huntelaar ist, denn JKH erinnert an einen Stürmer, der auf Schalke für seine spektakuläre Spielweise noch heute geliebt wird.

Rückblende: 16.November 1977. Die deutsche Nationalmannschaft trifft im Stuttgarter Neckarstadion auf die Schweizer Nati. Vor 58.000 Zuschauern trafen sich die Nachbarn zum Freundschaftsspiel und nach einer Flanke von der rechten Seite setzt Klaus Fischer zum Fallrückzieher an:

Das wunderbare Tor wird 1977 zum Tor des Jahres gewählt, wird später in den Rang des Tor des Jahrzehnts und Tor des Vierteljahrhunderts gehoben und 1996 schließlich zum Tor des Jahrhunderts gewählt.

Fischer hat dann noch mehrfach per Bicycle Kick formerly known as Fallrückzieher getroffen (1978 nicht gewertet, WM 82,1990 mit 40, 2010 mit 60).

Um an diese Zeit mit schönen Toren wieder zu beleben hat Magath einen Stürmer gesucht und gefunden, der das gleiche Markenzeichen hat:

Scherzhaft wird er schon Klaas Fischer genannt. Mal gucken, ob er seiner Galerie von Fallrückziehern heute Abend in Frankreich einen weiteren Schnappschuss hinzufügen kann.

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Score or kiss in or after the final

Spanien ist Weltmeister. Da kann man nur gratulieren. Und nach dem Tor von Iniesta muss ESPN nur ein neues Video für das wunderbare Portal “I scored a goal in the FIFA Worldcup Final” aufnehmen. Nur und Johan Neeskens bleibt der einzige Niederländer, der in einem WM Endspiel getroffen hat und davon erzählen kann, dass er eigentlich gar nicht in  die Mitte schießen wollte:

So kommen auch die Deutschen Torschützen Wolfgang Weber (1966) Gerd Müller (1974), Paul Breitner (1974 und 1982), Kalle Rumenigge (1986), Rudi Völler (1986) und Andi Brehme (1990) zu Wort.

Helmut Haller, Torschütze 1966, fehlt leider. Zu spät kam das Projekt für Max Morlock und Helmut Rahn, die Helden von 1954. Ihre Tore kann man im Portal “Die Helden von Bern” mit dem Originalkommentar von Herbert Zimmermann noch einmal erleben und sehen wie die deutschen Nationalspieler dem ungarischen Torwart Gyula Grosics die Bälle ins Tor geschossen haben.

Torwart der Spanier 2010 ist Iker Casillas. Iker hat eine sehr hübsche Freundin, die – wohl auch deshalb – beim Fernsehen arbeitet. Schwierig ist es immer dann, wenn die Freundin, Sara Carbonero, ihren Freund interviewen muss. Da wird gesiezt und beide versuchen ganz professionell miteinander umzugehen:

Auch nach dem Finale haben sie das versucht. Iker hatte dann aber irgendwann keinen Bock mehr. Zu Recht:

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Leidensfähige Franzosen

Quelle: Flickr / http://www.flickr.com/photos/zoomarchitecture/3732202210/in/photostream/

Quelle: Flickr / Zoom/Pied la Biche

Für Frankreich ist die WM 2010 schon einige Tage vorbei und die Skandale der Equipe Tricolore werden unsere Nachbarn noch einige Zeit beschäftigen.

Generell scheinen sich die Franzosen gern mit der Vergangenheit  zu beschäftigen – selbst wenn sie mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden ist.

Das “Collectif Pied De La Biche” – was als Kollektiv Brechstange übersetzt werden kann – hat sich wohl deshalb an die Aufarbeitung des 82er Halbfinales gemacht.

Vor 63.000 Zuschauern spielte eine französische Elf, die mit Kapitän Michel Platini einen der besten Spieler der Welt im Team hatte und insgesamt schönen technischen Fussball spielten. Dennoch ging das deutsche Team durch ein Tor durch des damals 22-jährigen Pierre Littbarski mit 1:0 in Führung und Frankreich gelang in der regulären Spielzeit nur noch der Ausgleich durch Platini per Foulelfmeter.

Das Spiel ist aber vor allem durch eines der übelsten Fouls in der WM-Geschichte in Erinnerung geblieben. Der französische Verteidiger Patrick Battiston lief allein auf das deutsche Tor zu. Keeper Toni Schumacher stürmte aus dem 16-Meter-Raum und trat den Gegenspieler böse um.

Battiston soll kurze Zeit bewusstlos gewesen sein. Er erlitt eine Gehirnerschütterung, hatte Wirbelverletzungen und verlor zwei Zähne. Schumachers Foul wurde vom Schiedsrichter nicht geahndet, obwohl der Spieler vom AS Saint-Étienne in der 60. Minute ausgewechselt werden musste. Schumacher äußerte sich nach dem Spiel zu dem Vorfall mit den Worten: “Dann zahl’ ich ihm seine Jacketkronen.” Für die französischen Medien war er fortan nur noch der “hässliche Deutsche”.

Diese schlimmer Szene war ein Teil eines Spieles, dass bis heute als Nacht oder als Thriller von Sevilla bezeichnet wird.

Quelle: Flickr / Zoom/Pied la Biche

Besonders verdient hat das Spiel, das auch die FIFA als Klassiker der Fussballgeschichte sieht, diesen Titel vor allem durch eine spektakuläre Verlängerung und ein ereignisrecihes Elfmeterschießen.

Frankreich ging durch Tore von Tresor und Giresse in Führung und sah wie der sichere Sieger aus. Dann glichen der eingewechselte Karl-Heinz Rummenigge und Klaus Fischer noch aus. Rummenigge artistisch, Fischer einmal mehr per Fallrückzieher.

Das Elfmeterschießen musste entscheiden.

Quelle: Flickr / Zoom/Pied la Biche

Die letzten 15 Minuten hat das “Collectif Pied De La Pied” exakt nachgespielt. An unterschiedlichsten Orten wurden die Fernsehbilder zu Originalkommentar nachgestellt und sowohl Spieler als auch Schiedsrichter und Offizielle werden in ihrer Haltung genau imitiert. Aber nicht einfach in einem Fussballstadion, sondern an verschiedensten Orten in der französischen Industriestadt Villeurbanne: im Park, auf dem Parkplatz, auf der Straße.

Man sieht im zweigeteilten Bildschirm links zum Beispiel den völlig erschöpften Uli Stielike wie er sich ein paar Schluck Wasser in den Mund kippt, um sie direkt wieder auszuspucken. Und rechts ein Darsteller, der zwar völlig andere Kleidung trägt und mit Brille und voller Haarpracht nicht im entferntesten an den Karo-Liebhaber erinnert, aber dank exakter Filmaufnahmen ein gelungener Doppelgänger ist.

Das Video startet mit einigen Kommentaren von Zuschauern der Dreharbeiten und wird dann gemischt mit den Originalkommentatoren des französischen Fernsehens. Eine unglaubliche Fleißarbeit, die sich aus meiner Sicht mehr als gelohnt hat.

Mal schauen, ob sich das “Collectif Pied De La Biche” – das auch ein paar Bilder als “Making Of” anbietet – jetzt auch einiger Pleiten aus der jüngeren Vergangenheit annimmt. Muss ja nicht das gehasste Team von 2010 sein, kann ja auch die geschlagene Mannschaft von 2006 sein. Dann muss sich nur ein Materazzi-Darsteller finden.

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