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TV- & Leseempfehlungen zum Todestag von Robert Enke

Gleich zwei Sender haben heute eine Dokumentation über Robert Enke im Programm. Die Programmierung überschneidet sich nur um fünf Minuten, so dass jeder sky-Kunde beide ancheinander sehen kann. Für alle anderen gibt es die sky-Dokumentation später im Internet.

Den Anfang macht der NDR mit “Robert Enke – Ich kann ja nur Fußball: Dokumentation” (22.35 – 23.05).

Aus der Sendeankündigung:

Erstmals spricht der Vater im Fernsehen über die Kindheit von Robert und über seine ersten fußballerischen Schritte beim SV Jenapharm und beim FC Carl-Zeiss Jena. Früh wird deutlich, dass Robert äußerst begabt war, aber schon damals durchaus sensibel auf Niederlagen und eigene Rückschläge reagierte.

Marco Villa, der beste Freund von Robert, spricht im Film offen über ihre erste gemeinsame Profistation bei Borussia Mönchengladbach. Auch nachdem sich ihre Fußballerwege getrennt hatten, blieben sie eng befreundet. Marco wurde einer von ganz wenigen Personen, denen Robert seine seelischen Probleme anvertraut hat. Doch auch er konnte am Ende den Tod seines besten Freundes nicht verhindern. „Er hat uns alle getäuscht in den Tagen davor“, sagt Marco Villa heute.

Der NDR hat dazu eine eigene Website unter der Überschrift “Robert Enke – Ein Jahr danach” zusammengestellt.

Programmtipp – Mittwoch, 23:00 Uhr – Reportage: “Robert Enke – Ein Jahr danach”

Unter derselben Überschrift hat sky eine Doku ins Programm genommen. (23.00 – 23.45). Die Dokumentation wird mehrfach wiederholt und ab 23 Uhr auch über diese Seite zu sehen sein.

Neben den TV-Dokumentationen gibt es eine Reihe von Artikeln und Interviews, die ich hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit verlinken möchte. Dieses Seite wird gegebenenfalls noch aktualisiert.

Enkes Witwe Theresa sagte bei einer Kranzniederlegung gegenüber dfb.de:

Ich möchte den ersten Todestag von Robert auch dazu nutzen, mich noch einmal bei all den Menschen zu bedanken, die heute und in den zurückliegenden Monaten in unterschiedlichster Weise an meinen Mann gedacht haben und uns somit ihren Respekt erwiesen haben. Auch wenn ich nicht alle der vielen Briefe, die mich noch immer tagtäglich erreichen, beantworten kann, gibt mir diese Anteilnahme sehr viel Kraft“, sagte Teresa Enke nach der Kranzniederlegung.

Ein Video der Kranzniederlegung findet man auf tv.dfb.de. Schade, dass der DFB den nervigen Sponsor am Anfang nicht weglassen konnte.

Marco Villa, einer der besten Freunde von Robert Enke hat der “Rheinischen Post” ein Interview gegeben. Die Frageführung ist etwas wirr, aber die Antworten sehr lesenswert. Zum Bespiel:

Ehrlich gesagt, freue ich mich über jeden, der sich positiv über Robert äußert. Sicher, ich habe mich schon am Anfang ein wenig gewundert, wer sich alles zu Wort gemeldet hat. Aber mir steht es nicht zu, darüber zu urteilen. Robert war mein Freund und offenbar ein sehr beliebter Mensch.

Ein weiterer guter Freund von Robert Enke, der auch sein Berater war, sprach mit der FAZ und fragt “Was hätten wir besser machen können?”. Seine Vorstellung über die Begehung des Todestages teile ich:

Grundsätzlich sollte jeder den Todestag für sich begehen und entscheiden, ob er für sich sein will oder auf den Friedhof geht. Aber es wäre schön, wenn die Menschen Roberts gedenken würden oder sich einfach Gedanken zum Umgang mit der Krankheit Depression machen oder was sich im vergangenen Jahr verändert hat – im Fußball und darüber hinaus.

Enkes letzter Trainer Andreas Bergmann hat dem “Rund-Magazin” Rede und Antwort gestanden und unter anderem über die Zeit nach dem Tod seines Kapitäns geredet:

Wir haben uns am nächsten Tag in der Kabine getroffen. Tiefste Betroffenheit, ich will das hier nicht ausbreiten. Ich hab gesagt: „Männer, ich weiß nicht, was richtig ist.“ Das war auch das, was sich aus den vielen Gesprächen mit Jörg Schmadtke ergeben hatte: Es gibt nicht das Richtige. Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn man zugibt, dass man nicht weiß, was richtig ist. Jeder Spieler, jeder von uns, sollte das machen, von dem er glaubte, dass es für ihn richtig ist.

Auch fr-online.de berichtet über ein Treffen mit Andreas Bergmann.

Auch Jan Rosenthal, Mitspieler in Hannover und mittlerweile beim SC Freiburg unter Vetrag, sprach über Depressionen bei Profisportlern. Der “Badischen Zeitung” sagte er unter anderem:

Nach außen hin, ja. Aus meiner Erfahrung heraus glaube ich sagen zu können, dass die eher intelligenten Menschen viel anfälliger sind. Die zerbrechen sich, zumal vom Ehrgeiz getrieben, umso mehr den Kopf und setzen sich mehr unter Druck. Gerade wenn sie, wie seinerzeit bei Robert, von Verletzungen zurückgeworfen werden oder auch noch mit privaten Rückschlägen zu kämpfen haben.

Sportdirektor Schmadtke und Präsident Martin Kind sprachen mit Redakteuren der “Welt” über über die Trauer nach Robert Enkes Tod, Angst und Homosexualität. Schmadtke äußerte sich auch in einem Doppelinterview mit Trainer Slomka gegenüber den “11 Freunden” über den Ausnahmezustand nach dem Selbstmord.

Traurig aber wahr. Andreas Biermann, Ex-Fußballer des FC St. Pauli, der sich zu seinen Depressionen bekannt hat, rät bei “Welt Online” keinem Fußballer dazu sich zu outen.

Torhüter Sven Ulreich, den Robert Enke einmal angerufen hatte um ihn aufzumuntern, sprach mit den “Stuttgarter Nachrichten” und meint, dass sich nichts geändert hat.

Michael Richter fragt sich bei kicker.de: Hat sich wirklich etwas verändert?

Michael Horeni schreibt auf faz.net:

Ein Jahr nach dem tragischen Selbstmord des Torhüters Robert Enkes dienen Achtung und Fairness nur im rhetorischen Bedarfsfall, aber nicht in der Profi-Wirklichkeit als Leitbild. Das zeigen Beispiele aus DFB und Nationalmannschaft.

Klaus Deuse schreibt bei dw-world.de:

Der Selbstmord von Nationaltorwart Enke am 10. November 2009 löste eine Welle der Betroffenheit aus. Vereine versprachen, psychisch kranke Spieler nicht alleine zu lassen. Die Bilanz ein Jahr danach fällt mager aus.

Aktualisierung 1:

Herbert Fischer-Solms sagt im Deutschland Funk: Sport duldet auch weiterhin keine Schwächlinge.

Es ist erfreulich, wenn mit Geldern der Robert-Enke-Stiftung der Teufelskreis Depression und Leistungssport wissenschaftlich erforscht wird. Wirklich ändern wird das an den Verhältnissen nichts, die so sind, wie sie sind. Nämlich, dass die Zahl der Depressionserkrankten in Deutschland doppelt so hoch ist wie in vergleichbaren Industriestaaten, und dass im Kokon Profi-Fußball der krank machende Verdrängungswettbewerb eher noch zunehmen wird.

“Und es hat sich doch was geändert” – sagt Steffen Dobbert bei Zeit Online.

Dobbert gibt zu:

Ja, es stimmt: Auch ein Jahr nach Robert Enkes Tod traut sich kein aktiver Fußballprofi offen über seine Depression zu reden.

Aber er erkennt trotzdem einen Wandel – anhand von zwei Menschen, die sich beim Frisör ganz offen über Depressionen unterhalten:

An den Zwängen unserer Lebensweise hat sich in dem Jahr nach Robert Enkes Tod nichts geändert. Aber es schadet nicht, wenn wir inzwischen nach einer Depressionserkrankung auf dem Frisörstuhl unbeschwert darüber reden können. Vielleicht ist nicht die Änderung eines Problems, sondern lediglich das Bewusstsein darüber schon ein Fortschritt.

Schön finde ich in dem Artikel die Ratschläge, die jeder kennt – die aber viele mal wieder verinnerlichen sollten:

“Gönne Dir Ruhe!”, “Mach mal langsam!”, “Höre auf Deinen Körper!”

Dobbert hat auch mit Thomas Hitzlsperger über den Tod von Robert Enke, die Biographie von Ronald Reng und über den Druck im Profifußball gesprochen. Ein lesenswertes Interview aus der Reihe “Alles außer Fußball“:

Im Fußballbetrieb ging es genauso weiter: Drucksituationen, Kritiken – alles hat sich im gleichen Stile fortgesetzt. Also hat kein Umdenken stattgefunden. In Stuttgart habe ich es damals hautnah miterlebt. Nur wenige Wochen nach dem Selbstmord gab es riesige Fanproteste gegen die Mannschaft und den Trainer, Markus Babbel. Der sagte dann, die Leute hätten nichts aus diesem Selbstmord gelernt. Es geht einfach so weiter. Es geht immer wieder ums Gewinnen, um Macht, um einen Verdrängungswettkampf. Niemand traut sich, Schwächen einzugestehen, auch Robert traute sich nicht.

“Zeit Online” hat auch eine Überblicksseite zum Thema Depressio eingerichtet.

Thomas Klemm schreibt bei faz.net: “Mehr Menschlichkeit – aber wie?

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Gedanken an einen Torwart

Wenn ich an Robert Enke denke, dann sehe ich ihn wie er seine Wasserflasche ins Netz stellt, aus dem Tor herauskommt und drei, vier Mal kräftig in die Handschuhe klatscht. Mit diesem Ritual hat er vor Heimspielen die Nordkurve angeheizt.

Das wird so nie wieder passieren, dachte ich nachdem ich kapiert hatte was die SMS am Abend des 10. November 2009 zu bedeuten hatte: “Robert Enke ist tot.”

Vor einem Jahr war ich für mehrere Tage mächtig angeschlagen. Ich las jeden Artikel im Netz, kaufte stapelweise Zeitungen und sah möglichst jeden Fernsehbeitrag, der den Tod des Torwarts zum Thema hatte. Es gab eine große Leerstelle zu füllen: Warum?

Nachdem Theresa Enke bei einer Pressekonferenz zusammen mit Doktor Valentin Markser die Gründe für den Selbstmord dargelegt hatte, waren natürlich nicht alle Fragezeichen in Luft aufgelöst, aber ich konnte verstehen, mitfühlen und im Stadion in Hannover Abschied nehmen.

Nachdem fünf Spieler und ein Betreuer von Hannover 96 ihren Mitspieler aus der Arena getragen hatten, wurden auf den Leinwänden Szenen von Robert Enke gezeigt. Ein paar hatten sich schon zuvor in mein Gedächtnis eingebrannt: Robert Enke, wie er im Eins-gegen-Eins-Duell mit dem Leverkusener Stürmer Josip Tadic ein 0:0 rettet. Enke, der in seinem vorletzten Spiel gegen Köln nach wochenlanger Krankheit in das Tor der Roten zurückgekehrt war und Ruhe in das Spiel der Mannschaft gebracht hatte. Robert Enke, der gegen den HSV drei Mal fantastisch rettet:

Aber da waren natürlich auch noch die Momente, die wenig mit Fußball zu tun hatten, aber auf der Fußballbühne gezeigt wurden: Robert Enke mit seiner Tochter Lara im Stadion nach einem Heimspiel gegen den 1.FC Köln. Und Robert Enke nach dem Tod seines Kindes bei der Pressekonferenz bei der Nationalmannschaft als er sich für die große Anteilnahme bedankt und um Verständnis dafür bittet, dass er erstmal keine Interviews mehr geben wird.

Es sind diese Gedanken an Robert Enke, die im letzten November und Dezember sehr oft aufkamen. In den letzten Monaten zwar seltener, aber sie waren immer wieder da.

Ich kannte Robert Enke nicht persönlich, weiß nicht, ob er so ein guter Mensch war als der er immer beschrieben wird, aber man hatte halt das Gefühl, dass da einer im Profigeschäft menschlich geblieben war.

Er war ein verdammt guter Torwart, der im Kasten meines Lieblingsvereins Hannover 96 einen unglaublich guten Job gemacht hat. Seine Paraden hielten den Verein in der 1.Liga. Sein Wirken, sein Auftreten machte die Mannschaft stärker, den Verein sympathischer.

Ich bin noch immer traurig, dass die Krankheit stärker war als der Torwart. Aber ich bin froh, dass der Torwart trotz Krankheit lange so stark war. Und so werde ich ihn in Erinnerung behalten: als starken Torwart und als Typen, dem man Glück wünschte, weil man das Gefühl hatte, dass das ein Guter war.

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Linkschau XI: Jubelnde Isländer & die Robert Enke gedenkende Band U2

Ungmennafélag Stjarnan – kurz UMF Stjarnan. Aktuell 6. der isländischen Pepsi Deildin. Das ist so interessant wie ein umgestürzter Blumenkübel – wenn die Spieler von Stjarnan ihre Tore nicht mit besonders gelungenem Torjubel versehen würden.

Ihren Angler-Jubel habe ich schon präsentiert. Und auch die Rambo-Nummer dürfte schon einigen bekannt sein:

Ebenfalls etwas älter die Paartanzfreude:

Dann gab es ein etwas lahmes menschliches Fahrrad:

Dann wurde bei drei Treffern drei Mal anders gejubelt. Nummer 1 und 3 finde ich sehr gelungen:

Ich bin mir sicher, dass da in Zukunft noch Einiges dazu kommen wird und geplanter Jubel auch in den größeren Ligen öfter zu sehen sein wird. Wie gut ich das finde weiß ich noch nicht. Manchmal wünscht man sich ja, dass die Spieler ihren Gefühlen einfach mal wieder freien Lauf lassen würden und nicht daran denken sich besonders medial in Szene zu setzen.

Die Jungs von Stjanan sehen das anders und üben im Training. Dabei ließen sie sich vom isländischen Fernsehen beobachten.

Zwei neue Nummern haben sie also noch auf Lager. Grad die letzte lässt auf eine gute Athletik der Kicker schließen.

* * *

Gestern spielte U2 im NiedersachsenstAWDion in Hannover.

Drummer Larry Mullen im 96-Trikot und nachdem Bono “Happy Birthday” für Wim Wenders angestimmt und das ganze Stadion dem Regisseur ein Ständchen gesungen hatte, widmete die Band “Moment Of Surrender” Robert Enke.

In Frankfurt hatten U2 mit dem Titel übrigens der Opfer der Loveparade gedacht. Find ich gut.

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