Linkschau V: Spülanalysen, WAGs und ein Wintermärchen

Das war´s. Die WM 2010 ist Geschichte und man kann sich den wunderbaren Marca-Spielplan noch so oft anschauen. Deutschland bleibt Dritter. Spanien ist zum ersten Mal Weltmeister.

Public Viewing auf den Fanmeilen gibt es jetzt erst einmal nicht mehr. Endlich kann man – wie im Bild rechts oben – wieder in Ruhe Fußball gucken.

Es war die erste Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden. Dass das so gekommen ist, ist nach Blick auf die Zeichnung von Steve Francis & Rico auch kein Wunder. Eine logische Evolution:

Von Afrika selbst hat man – zumindest in den Medien – wenig erfahren. Ausflüge von Motzi Mabuse oder Franzi van Almsick zeigten nur, dass die öffentlich-rechtlichen keinen Plan hatten. Zum Glück gibt es das Netz und engagierte freie Journalisten.

Unter dem Motto „Wintermärchen 2010“ sind zwei von ihnen während der WM durch Südafrika gereist. Einer „hatte mit seiner Kamera die WM 2006 und die EM 2008 bereist“, der andere „zwischen Oktober 2004 und April 2005 ein halbes Jahr in Kapstadt gelebt“. Da gab es eigentlich keine andere Möglichkeit  und so schrieben sie zum Start im Mai:

So, Leute, wir haben in den vergangenen Monaten nun wirklich oft genug gehört, dass der Journalismus an seinem Ende angelangt sei, dass niemand mehr Lust habe, Geschichten zu erzählen, und niemand mehr, sich die Geschichten, die trotzdem noch erzählt werden, anzusehen bzw. anzuhören.

Mit ihren Reportagen in Ton, Bild und Text beweisen sie das Gegenteil und ermöglichen Einblicke in das Leben der Südafrikaner. Vor allem die Ton-Bild-Reportagen sind eindrucksvoll:

Halftime – Die Krise ist noch nicht vorüber from Frey&Schaechtele on Vimeo.

So erlebt man die WM noch einmal aus einem anderen Blickwinkel und lernt:

Was bleibt, wenn die Welt das Land verlassen haben wird und die Südafrikaner zurückbleiben: mit ihren prunkvollen Stadien, für die es keine Verwendung mehr gibt, mit ihren absurd hohen Schulden, die das Land dafür angehäuft hat – was bleibt von dieser ersten Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden? Doch lässt sich eine solche Frage befriedigend beantworten, wenn sie von so vielen Menschen mit so unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen gestellt wird? Wahrscheinlich ist es sinnvoller, sich einfach anzusehen, was diese WM mit den Menschen in Südafrika macht.

Einen etwas ironischen Blick auf den eigenen Besuch in Südafrika wirft Silke Wichert, die sich als eine Art „WAG“ (Wives And Girlfriends) sieht, die bei der WM 2006 in Baden-Baden ihr Unwesen trieben. Wichert ist aber nicht die Frau eines Kickers. Ihr Mann arbeitet auf der Pressetribüne. Ein amüsanter Einblick mit einem guten Tipp für Ticketsuchende: auf dem Weg zum Spiel einfach die Stewardess eine Durchsage machen lassen:

„seat number 32c is looking for tickets for the quarter final“

Von der WM haben sich viele in Südafrika auch erhofft, dass das Land in Zukunft innerlich weniger zerrissen ist. Schwarze und Weiße sollten den Weg zueinander finden. Ob dieser Wunsch in Erfüllung geht, kann noch nicht gesagt werden. Zumindest war es schön zu

sehen, dass die Menschen auch nach dem Ausscheiden der Bafana Bafana weiterhin froh über die erste WM im eigenen Land waren, auch wenn sie nicht alle begeistert von der Arbeit der Fifa waren. Robbert-Jan Vos erhofft sich aber noch mehr von der Arbeit am Ball und wünscht sich von unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen ein größeres Miteinander: „It takes both sides to get the ball rolling.“

Während der letzten vier Wochen war das Interesse am Fussball riesig. Vor allem im Netzt lässt sich diese Beobachtung machen und bei Akamai kann man graphisch aufbereitet sehen, wann der Network Traffic wo durch die Decke geschossen ist. Die Einflüsse der Spiele auf die Internetnutzung sind unverkennbar.

Besonders bei Twitter und Facebook lässt sich das beobachten. Wie die Spiele der WM bei Twitter begleitet wurden sieht man beim Guardian, welche Fußballer bei Facebook die meisten Nennungen erfahren haben sieht man bei der New York Times.

Aber nicht nur die Internetnutzung wird von Fussballspielen beeinflusst. Auch viel menschlichere Bedürfnisse werden durch die Spiele gesteuert. Die Statistiken der Berliner Wasserbetriebe geben hier eindeutigen Aufschluss. Die Halbzeit ist deutlich zu erkennen, auch die Pfiffe nach 90, 105 und 120 Minuten sorgten für Ausschläge:

Bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft gegen GhanaArgentinien oder Spanien sind die Ausschläge natürlich noch deutlicher zu sehen.

Deutlich in Erinnerung wird auf jeden Fall auch die Geräuschkulisse in Südafrikas Stadien bleiben. Die Vuvuzela ist weltberühmt und führte zu merkwürdigen Dialogen auf Twitter. Wer die Vuvuzelas vermisst, dem sei „Blow me“ ans Herz gelegt.

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