Fútbol – Spaniens Leidenschaft

Spanien ist amtierender Welt- und Europameister. Da war beim Blick ins Bücherregal schnell klar, dass ich „Fútbol – Spaniens Leidenschaft“  von Javier Cáceres mal wieder lesen muss. Bereits 2006 zur WM in Deutschland in der Reihe „Ball und Welt“ erschienen, gibt der Autor einen Überblick über die Geschichte des Fußballs auf der iberischen Halbinsel.

Vor allem das vorletzte Kapitel des Buches über die spanische Nationalmannschaft mutet natürlich etwas komisch an, denn bis zum Erscheinen des Buches hatte Spanien international wenig erreicht und viel ist vom Versagen zu lesen. Nur ein Europameistertitel 1964 – im eigenen Land und bei Abwesenheit großer Fußballnationen – stand zu Buche und so wird ein spanischer TV-Nachrichtensprecher zitiert der vor der WM sagte, dass man nach Deutschland fahre um „wie stets nach einer Viertelfinalniederlage gegen Frankreich wieder nach Hause zu fahren“.

Die Spanier flogen tatsächlich gegen Frankreich raus – allerdings schon im Achtelfinale in Hannover. Caceres schafft es Gründe für dieses dauerhafte Scheitern aufzuzeigen. Die vergleichsweise kurze Geschichte der Nationalmannschaft seit 1920, die mangelnde Identifikation der Spieler mit dem Nationalteam und die Grüppchenbildung oder der große Einfluss der Politik.

Generell ist in dem Buch viel über die spanische Politik zu erfahren, die dem Erfolg des Fußballs oft im Weg stand oder ihn für die eigenen Zwecke ausgenutzt hat.

Vor allem das Franco-Regime hatte großen Einfluss auf den Fútbol. Die Teilnahme an der WM 1954 scheiterte an politischer Einflussnahme, zum Viertelfinale bei der EM ´60 durfte Spanien aus politischen Gründen nicht gegen die Sowjetunion antreten und Real Madrid verdankt einige Erfolge Schiedsrichterleistungen, die aufgrund der Nähe des Präsidenten zum Regime pro Real getroffen wurden.

Natürlich widmet sich Autor Cáceres ausführlich den galaktischen von Real Madrid, die als einziger Verein neben sechs Nationalverbänden Gründungsmitglied der FIFA sind. Viel Platz wird dem 35 Jahre amtierenden Präsidenten Bernabéu und der Feindschaft zum FC Barcelona eingeräumt. Man erfährt warum kaum Auswärtsfans beim Clásico sind und warum der Fall Alfredo di Stéfano bis heute die Gemüter erhitzt.

Aber nicht nur die Feindschaft zwischen Vereinen, auch die Abneigung zwischen den Regionen Spaniens ist Thema, die auch das „Reinheitsgebot“ von Athlétic Bilbao begründet, nach dem nur baskische Spieler für den Club spielen dürfen. Dazu erzählt Caceres, warum man immer gleichzeitig Mitglied von Atlétic Bilbao und von Atlético Madrid wurde und warum die Vereine ihre Vereinsfarben dank ausverkaufter Trikots der Blackburn Rovers von blau-weiß in rot-weiß änderten.

Generell ist das Buch mit vielen Anekdoten angereichert, die erklären wie der Fußball überhaupt nach Spanien kam und im Kielwasser der Stierkämpfe seinen Siegeszug antrat. Dazu gibt es zwei Kapitel die zum einen die Sportmedien mit „Ohrenfussball“ und parteiischen Tageszeitungen beleuchten und zum anderen die literarische Begleitung des Lieblingssports der Spanier hervorhebt.

Bei der Fülle an Informationen kann man verschmerzen, dass neben den großen Vereinen das „Hinterland“ – wie es Cáceres nennt – etwas kurz kommt. Auch die letzten vier Jahre mit den großen Erfolgen des FC Barcelona und den großen Erfolgen des Nationalteams fehlen natürlich. Diese Lücke macht das Buch aber auch spannend, denn so erkennt man die großen Veränderungen innerhalb weniger Jahre, die Barcelona und Spanien zu Ausnahmeteams machten und hunderttausende dazu bewegten sich mit einem Team zu freuen, dass der Grüppchenbildung abgeschworen hat und der Politik erst beim Feiern Einfluss zugesteht.

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Ein Gedanke zu „Fútbol – Spaniens Leidenschaft“

  1. Fantastisch. Danke für den Hinweis, Birthe. Wenn das nicht mal Platz 1 auf meiner Literarturliste für die Diplomarbeit wird.

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