Zeuge Hannovas: Tschüss, Mike!

Ich habe Mike Hanke kennengelernt als ich einmal für ihn die Antworten in einem Chat eingetippt habe. Es waren die üblichen Fragen von Fans an einen Stürmer und Hanke gab sich sehr offen. Zu meiner Überraschung zeigte sich da ein Profifußballer ziemlich fannah.

Als Hanke zu 96 kam im Sommer 2007 war ich deshalb recht zufrieden. Ein junger deutscher Stürmer, der für den VfL Wolfsburg zwei Jahre in Folge acht Tore für den abstiegsgefährdeten Werksclub geschossen hatte. In seiner besten Zeit wurde er auf einer Stufe mit Schweinsteiger und Podolski als Hoffnungsträger gehandelt.

Zu seinem Pech kostete Hanke vier Millionen €uro und seine Quote von 23 Toren in 111 Bundesligaspielen rief in Hannover die Skeptiker auf den Plan. Dazu ist ein Spieler vom verhassten Nachbarn bei vielen 96-Anhängern per se unbeliebt.

In der Hinrunde konnte der gebürtige Hammer sie mit seinen Toren zum Schweigen bringen. 96 stand nach 16 Spieltagen auf einem hervorragenden 5.Tabellenplatz und Hanke schoss beim begeisternden 4:3-Sieg gegen Werder Bremen drei seiner acht Hinrundentore.

In der Rückrunde folgten leider nur noch zwei Tore. 96 wurde Achter, Hanke wurde fünf Mal ausgewechselt und im Spiel gegen Duisburg wurde er nach einer Tätlichkeit vom Platz gestellt. Nachdem Gegenspieler Iulian Filipescu ihm auf den Fuß gestiegen war, hatte Hanke sich zu einem Schlag auf den kahlen Hinterkopf des Rumänen hinreißen lassen. Zwei Spiele Sperre waren die Folge.

2008 wollte er dann in der neuen Saison wieder angreifen. Wollte sogar mehr auf die Ernährung achten. Leider war Hannover in der Spielzeit aber vom Verletzungspech geplagt und im Winter wurde der beste Vorbereiter des Teams, Szabolcs Huszti, nach Sankt Petersburg verkauft. Hanke bekam die für sein Spiel so wichtigen Flanken nicht mehr und stand unter Trainer Hecking oft als einsamer Mann im Sturm. In der Saison 2008/2009 gelangen so nur vier magere Törchen.

Hanke verzweifelte teilweise an der Spielweise der Roten. Seine Körpersprache rief den Unmut der eigenen Anhänger hervor und in der Saison 2009 hinderte eine vermeintlich harmlose Kniereizung den Stürmer mehrere Monate am Spielen. Danach blieb für Hanke nur noch die Jokerrolle. Arouna Koné war für den Abstiegskampf verpflichtet worden.

In der Spielzeit 2009/2010 wurde Hanke 13 Mal eingewechselt. Erst in den letzten beiden Spielen konnte er seine beiden Saisontreffer markieren. Gegen Gladbach und im alles entscheidenden Spiel gegen Bochum. Aber schon vorher war er positiv aufgefallen. Wie er sich vor allem beim Spiel in Freiburg über die Tore seiner Kollegen freute – obwohl er selbst sich nur hinter dem Tor warmlaufen durfte – ist in äußerst positiver Erinnerung geblieben. Sportlich war es aus persönlicher Sicht Hankes ein verlorenes Jahr.

In der aktuellen Saison kam Hanke dann wieder nicht über die Rolle des Jokers hinaus. Hinter Didier Ya Konan, dem neu verpflichteten Mohammed Abdellaoue und dem erstarkten Jan Schlaudraff war er nur noch Stürmer Nummer 4. Zu Beginn wurde ihm sogar Mikael Forssell als Stürmer vorgezogen.

Vom 13. bis zum 17.Spieltag wurde Hanke dann in jedem Spiel eingewechselt. Obwohl teilweise schon bei der Einwechslung mit Pfiffen bedacht, gelangen dem Stürmer drei Tore. Darunter der Siegtreffer gegen Hamburg und der Ausgleich gegen Gladbach. Aus dem Auslaufmodell wurde der Super-Joker. Hanke war in den Interviews nach den Spielen bei aller Effizienz nicht zufrieden, zeigte sich aber selbstironisch:

„Die ganze Bundesliga ist hinter mir her, Bayern München, alle. Ich kann mich kaum retten vor Angeboten. Von daher muss ich mich irgendwann mal entscheiden.“

Wettbewerbsübergreifend hat Mike Hanke 21 Tore in 87 Spielen für Hannover 96 geschossen. In Erinnerung bleiben vor allem der oben erwähnte Gala-Auftritt gegen Bremen, die beiden Treffer gegen Gladbach und Bochum im Saisonendspurt 2010 und die Jokertore in der gerade abgelaufenen Hinrunde. Dazu zwei Doppelpacks (zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung in Nürnberg und im Heimspiel gegen Karlsruhe).

Mike Hanke ist seit dem 1.1. Spieler von Borussia Mönchengladbach und ich halte es mit Konstantin Rausch der via facebook verkündete:

Ich muss zugeben ich mag den dicken Hanke einfach:-). Jetzt geht der einfach.

Mike Hanke ist in seiner Karriere noch nie abgestiegen. Den Abstiegskampf kennt er aber aus Wolfsburg und Hannover. Man kann ihm in Gladbach in 16 der kommenden 17 Bundesligaspiele deshalb nur die Daumen drücken, damit ihm das Schicksal als Zweitligaspieler erspart bleibt. Meine Sympathien hat er. Vieler Gladbacher sehen seine Verpflichtung schon wieder skeptisch. Hoffentlich haben sie in der Rückrunde Gründe, um das erst kürzlich erdachte Liedgut zu singen:

Hanke für diesen guten Morgen.

Hanke für jeden neuen Tag.

Hanke, dass ich all meine Flanken auf dich schlagen mag.

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