Zeuge Hannovas: Saisonstart deluxe

Es sind ereignisreiche Zeiten für 96-Fans dieser Tage: Auftakt im DFB-Pokal, Auslosung für die Play-Offs zur Europa League, Bundesligastart gegen Hoffenheim und die Auslosung im DFB-Pokal – aber der Reihe nach:

Zum Auftakt gings nach Lübeck. Gegner war nicht etwa der VfB sondern Anker Wismar, deren Stadion nicht den Vorschriften des DFB entsprach. Mitgereisten bleibt von dem „Ausflug“ vor allem eines in Erinnerung: die Hymne der Rot-Weißen.


Neben dem überaus ohrwurmtauglichen Vereinslied bleibt zum Spiel zu sagen, dass 96 nach zwei Jahren mit großem Deppenfaktor (Trier/Elversberg) endlich wieder in Runde 2 steht. Gegen den Oberligisten zeigte die Mannschaft keine Schwächen und überzeugte mit hervorragenden statistischen Werten: Laut opta hatte 96 81,3% Ballbesitz und 90 % der Pässe kamen an.Das schaffte nicht mal Schalke gegen Teningen.

Weitere Statistiken: drei Doppelpacks. Doppelt freuen durften sich Abdellaoue, Stindl und Stoppelkamp.

Besonders schön der Kommentar „die 96-Bank wie auf dem Parteitag“. Dazu eine schöne Choreo (THE TRIPLE IS OURS), die keinen Übermut sondern einen überaus selbstironischen Umgang mit der aktuellen Entwicklung von Hannover 96 zeigt. Das Schönste: 96 ist alles zuzutrauen – sogar ein Sieg gegen Mainz 05 im DFB-Pokal und ein Weiterkommen gegen den FC Sevilla.

Im DFB-Pokal trifft 96 zum ersten Mal seit 2007 (!) nicht in der 2.Runde auf Schalke 04. Natürlich wäre ein Heimspiel gegen Paderborn oder Ingolstadt rein vom Namen her einfacher gewesen, aber so wird das Stadion in Hannover gut gefüllt sein und vielleicht wird auch das Fernsehen sich einmal gegen eine Partie des FC Bayern (Audi-Cupp gegen Ingolstadt) und für eine nach der Tabelle (Vierter gegen Fünfter der letzten Saison) spannende Begegnung entscheiden.

Und auch die Play Off Spiele gegen Sevilla haben ihren Charme. Hier wäre ein Auswärtsspiel zum Auftakt schöner gewesen und auch die Gegner Prag, Brügge oder Alkmaar klingen bezwingbarer als der Tabellenfünfte der Primera Division. Dafür kann man sich auf eine ausverkaufte Europapokalpartie gegen einen namhaften Gegner mit Spielern wie Negredo, Kanoute oder Luis Fabiano freuen und muss nicht befürchten, dass in einem halbleeren Stadion gegen einen Verein aus der rumänischen Provinz eine Blamage droht.

Die Fans von 96 sind in heller Vorfreude und viele versuchen diese vielleicht einmalige Europapokalreise zu einem Erlebnis zu machen. Die Stadt in Spaniens Süden kann sich auf jeden Fall auf eine schwarz-weiß-grüne Invasion freuen und die Bar Ingrid wird gute Umsätze machen.

Hoffentlich handelt die spanische Polizei nicht so katastropahl wie beim Spiel der Dortmunder Borussia. Die Berichte über unbegründete Schlagstockeinsätze und merkwürdige Gerichtsverfahren sind abschreckend. Der Reisefreudigkeit der „Roten“ wird das aber keinen Abbruch tun.

Genauso wenig wie die Unkenrufe mancher Fußballexperten bei der Mannschaft von Hannover 96 Eindruck machen. Die Mannschaft macht genau da weiter, wo sie in der letzten Saison aufgehört hat. Auch ohne Didier Ya Konan (Kandidat für den Titel „Torschützenkönig„) konnte die Mannschaft die Hoffenheimer Millionentruppe mit 2:1 besiegen.

Dass Jan Schlaudraff daran maßgeblichen Anteil hat ist eine tolle Randnotiz. Sein Freistoßtor wird sicherlich eine der frechsten Aktionen dieser Saison sein. Die Diskussionen rund um die Regelauslegung kann ich nur in Ansätzen verstehen. Die Argumentation von LizasWelt im Spox-Blog ist recht schlüssig: Kuriosum mit Kinhöfer

Kinhöfer hat also keinen Regelverstoß begangen; das Tor wurde durchaus korrekt erzielt. Aber die Körpersprache des Referees war in dieser Situation ausgesprochen irreführend, und das muss man dem Spielleiter ankreiden. Denn das für alle sichtbare Hochhalten der Pfeife konnte nur als das in der Regel 13 niedergeschriebene „unmissverständliche Zeichen“ für eine Blockade der Spielfortsetzung betrachtet werden.

Kann man so sehen, muss man aber nicht, denn Tom Starke zum Beispiel hat vor dem sky-Mikrofon zugegeben, dass er das Hochhalten der Pfeife gar nicht gesehen hat. Insgesamt folge ich eher der Argumentation von Christian Eichler von der FAZ: Frechheit siegt

Denn nach einem Freistoßpfiff ist nicht zwingend ein weiterer Pfiff vorgesehen, um das Spiel fortzusetzen – was gut ist fürs Spieltempo und gerecht für das ausführende Team, dem durch das Foul Angriffsfluss geraubt wurde.

Wer dieses geschriebene Fußballgesetz nicht kennt, sollte wenigstens ein ungeschriebenes beachten, das zwar nicht von der Fairness, aber vom Professionalismus diktiert ist. „Kein Hoffenheimer hat sich vor den Ball gestellt“, freute sich Schlaudraff, dem in seinem Team genau diese Aufgabe bei Freistößen des Gegners zugewiesen ist. „Die haben geschlafen.“

Diese Sichtweise vertritt übrigens auch der Ex-FIFA-Schiedsrichter Hellmut Krug. FAZ-Autor Eichler konnte sich in diesem Zusammenhang auch an ein Tor von Thierry Henry erinnern:

Schlaudraff also so clever wie Henry in seinen besten Tagen. Nicht verwunderlich, dass 96 den Vertrag mit dem technisch besten Spieler der Roten verlängern will.

Auch der Rest der Truppe hat zum Auftakt überzeugt. Das war zwar nicht alles glänzend und Hoffenheim hat die zweite Halbzeit bestimmt, aber dennoch ist da ein Team zusammen, das jedem Gegner Probleme machen kann – und wird.

Hannover 96 also mit einem überaus gelungenen Start in die Saison und mit einer Saison vor Augen, die schon in den kommenden Wochen die ersten Highlights bereithält.

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2 Gedanken zu „Zeuge Hannovas: Saisonstart deluxe“

  1. Hab ich auch gesagt – bin mir allerdings nicht sicher, ob er scharf genug geschossen war. Aber schön in Eck gezirkelt war er auf jeden Fall.

    P.S.: Kann ich meinen „Spieler der Saison“-Tipp ändern? Schlaudraff ist in bestechender Form 😉

  2. Übrigens halte ich die Diskussion um den Freistoß eh für überflüssig, da das Ding so perfekt getreten war, dass Starke auch so übelst Mühe gehabt hätte (was natürlich niemand als Argument gelten lässt).

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