Sportreise I: „Die Klub“ Pirmasens – Bayer 04 Leverkusen

lkw_pirmasens_loge.jpgNach etwa dreistündiger Fahrt erreicht man von Köln aus Pirmasens, wo sich die Stadionbesucher schon wundern, wenn eine 9-köpfige Gruppe im 96-Gewand auftaucht. Einige stellten sich wohl klammheimlich die Frage: „Bin ich hier falsch? Oder die?“

Alle waren richtig und das Stadion Husterhöhe gut gefüllt, schließlich waren die Pillendreher aus Leverkusen zugelost worden und die Fans von „Die Klub“ hofften auf die nächste Sensation, nachdem „Die Klub“ 2006 den SV Werder Bremen aus dem Wettbewerb geschmissen hatte. („Die Klub“ mag zwar grammatikalisch für den Linguisten befremdlich klingen, dem Unterpfälzer geht dieses wertvolle Vereinsprädikat aber ganz locker über die Lippen und so prangt der Titel auch auf Wappen, Fahnen und Schals.)

Aus Leverkusen waren einige hundert Bayer-Mitglieder angereist, die ihr Team über 90 Minuten ordentliche unterstützten. Peinlich wurde es nur, als die Leverkusener sich zu „Scheiß Pirmasens“-Rufen hinreißen ließen. Die insgesamt wenig sangesfreudige Anhängerschaft im Stadion an der „Georgia Avenue“ konterte lässig mit einem „Eure Kinder gehen zum FC Köln“.

Ansonsten beließen es die Pirmasenser bei rhytmischer Klatsch-Anfeuerung, was wohl auch daran liegt, dass es zwei unterschiedliche Fan-Gruppierungen gibt, die sich spinnefeind sind. Eine politisch rechts, die andere politisch links – da geht wenig zusammen.

Spielfeld in PirmasensMehr ging dafür in den ersten 45 Minuten bei den Gastgebern. Der Fünftligist hielt ordentlich dagegen, hatte teilweise sogar mehr vom Spiel und zunächst die besseren Möglichkeiten als der Favorit vom Rhein. Selbst die altbekannte Abseitsfalle, bei der alle Abwehrspieler gleichzeitig ein paar Meter nach vorne sprinten und den Gegner beim Freistoß aus dem Halbfeld im Abseits stehen lassen, schnappte zu. Leider versuchte „Die Klub“ das Spielchen zwei Mal. Bei der Wiederholung leider ohne Erfolg, so dass Nationalspieler Kießling ohne Probleme zur unverdienten Gästeführung einnetzen konnte.

In Halbzeit 2 war Bayer dann deutlich besser. Nachdem der Bann nach einem Helmes-Treffer in der 47. Minute gebrochen war, fielen die Tore am laufenden Band. Dem Oberligisten gelang zwar noch ein Ehrentreffer, aber insgesamt wurde „Die Klub“ vorgeführt und verlor auch in der Höhe verdient mit 11:1.

Von dem Torreigen bekamen einige Besucher unserer Reisegruppe allerdings nichts mit. Lange Wartezeiten an den Bierständen sorgten dafür, dass einige nur zwei oder drei Tore sahen. Bei einem Dutzend Tore eine Quote von 25 %.

Für Leverkusen steht heute schon der zweite Pokalwettbewerb an, bevor die Bundesliga überhaupt startet. Zu Gast in der „BayArena“ sind die Legenden von Tawrija Simferopol.

11Freunde.de hat ein paar schöne Fakten zusammengetragen:

Der 1958 gegründete Verein gilt  als böser Bube der Europa League Quali: Soll eng mit der ansässigen organisierten Kriminalität zu haben, Mitglieder der Bande »Bashmiki« (zu deutsch: »Schuh«) haben nicht nur Dauerkarten für Tawrija, sondern auch 50 nachgewiesene Morde auf dem Konto und der ehemalige Präsident Viktor Karasev wurde 2007 zu sieben Jahren Haft wegen Brandstiftung und dem Einsatz illegaler Waffen verurteilt. Um das Ganze abzurunden: Der einzige Titelgewinn 1992 wurde von heftigen Bestechungsvorwürfen begleitet. Nett.

Klingt doch sympathisch.

Die Spieler wissen anscheinend auch nicht mehr über den Gegner: Auf der Bayer 04 Homepage wird Manuel Friedrichschließlich wie folgt zitiert:

„Über den Gegner wissen wir noch nicht allzu viel. […] Natürlich wollen wir hier im Hinspiel schon eine Art Vorentscheidung erzwingen. Aber der Gegner ist sicher ein anderes Kaliber als Pirmasens.“

Reicht also nicht nur eine gute Halbzeit wie bei „Die Klub“. Aber wenn die Leistung der zweiten Hälfte konserviert werden kann und noch eine gute Portion Ballack hinzukommt, dann traue ich Leverkusen die Rolle als Bayern-Verfolger Nummer 1 zu. Mehr als diese Rolle wird in der kommende Saison schließlich niemand erreichen, wenn man den Fußballexperten glauben will.

Aber kann man denen überhaupt glauben, wenn man die Hetzjagd auf Micha „die einstige Wade der Nation“ Ballack verfolgt? Zeit.de hat der Presse mal einen längst überfälligen Anpfiff gegeben.

Zum Spiel heute – dem ersten Europapokalspiel von Bayer seit 861 Tagen – kommen nach Vorverkauf etwa 15.000 Zuschauer. Die anderen gucken wohl Sport 1. Ich auch.

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